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Grimma Angst vorm Wolf: Trebsener Schäfer zündet Protestfeuer
Region Grimma Angst vorm Wolf: Trebsener Schäfer zündet Protestfeuer
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16:15 08.05.2019
Schäfer Henry Seifert zeigt am gerissenen Schaft die Bissstellen des Wolfes, der nun auch in Trebsen angekommen ist. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen/Grimma

Bei Schäfern liegen die Nerven blank. Der Wolf treibt sie um. Nachdem es wiederholt Angriffe auf Herden gab, fürchten sie um den ohnehin gebeutelten Berufsstand. Europaweit wollen sie am Freitag ihren Protest sichtbar machen. Auch Henry Seifert in Trebsen beteiligt sich an der Aktion. Auf dem Kirschberg wird er 20 Uhr ein Feuer entzünden.

Auch Halter von Pferden, Kälbern und Gänsen betroffen

Zum sogenannten Wolfmahnfeuer, nicht zu verwechseln mit dem Feuer, das Sänger Wolf Maahn auf Bühnen dieses Landes versprüht, würden nicht nur Schäfer erwartet, sagt der 48-jährige Seifert. Eingeladen seien auch Halter von Pferden, Kälbern, Hunden oder Gänsen. Es gehe um ein Kennenlernen und das Suchen nach Wegen, um sich vor dem Wolf zu schützen. Wie berichtet, wurden zuletzt immer wieder Forderungen nach gezieltem Abschuss laut.

Ob in Roitzsch, Voigtshain, Püchau und vor etwa einem Monat auch in Trebsen – gerissene Tiere erregen die Gemüter. Bei allen vier Angriffen könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Wolf der Übeltäter war, heißt es dazu auf Anfrage aus dem Landratsamt. In drei Fällen hätten die Halter ihre Schafe fachgerecht geschützt, weshalb sie auch mit Schadenersatz rechnen könnten.

Netze aus Nylon stoßen bei Tierhalter auf Kritik

Henry Seifert reicht das nicht. Er sieht die Politik in der Pflicht. Zwar finanziere der Staat schon jetzt die über einen Meter hohen Netze aus Nylon, doch seien die nicht wirklich die Lösung: „Sobald sich ein Wolf nähert, spüren das die Schafe. In ihrer Panik durchbrechen sie nicht nur die Drahtzäune, sondern trampeln auch die stromführenden Netze nieder.“

Ein gefundenes Fressen für die Wölfe, argumentiert der Trebsener. Auch ein Schutz der Herde durch aggressive Hunde sei in der Praxis nicht möglich: „Kläffende Köter haben mitten in der Stadt nichts zu suchen. Auf der Weide würden sie außerdem alles vernichten, was dort sonst noch so kreucht und fleucht. Ein Schäfer betreibt Naturschutz – nicht das Gegenteil!“

Einladung zum Protestfeuer ist kein Volksfest

Noch immer trauert Seifert seinem kürzlich gerissenen Schaf hinterher. Dabei hatte er noch Glück im Unglück, wie er sagt: „Nicht selten beißt der Wolf in seinem Blutrausch alles tot, was sich bewegt. Da kann es schnell auch mal ein gutes Dutzend Schafe treffen.“ Nein, die Einladung zum Feuer sei kein Volksfest, sondern eine Reaktion aus traurigem Anlass. Unterdessen ist im Internet ein Foto des zwischen Grimma und Trebsen gesichteten Wolfes aufgetaucht.

Wolfsverordnung soll Ende Mai in Kraft treten

Sven Möhring von der Unteren Naturschutzbehörde ist einer von drei Wolfsbeauftragten im Landkreis Leipzig. Er könne die Wut der betroffenen Halter gut verstehen, sagt er. Die sächsische Politik sei nicht tatenlos gewesen: „Mitte April verabschiedete der Landtag eine Wolfsverordnung. Die soll Ende Mai in Kraft treten. Unter anderem ist nun geregelt, dass ein Wolf nach wiederholten Angriffen erlegt werden kann.“

Möhring räumt ein, dass dies die Schafhalter nicht unbedingt befriedigen werde. Ein möglicher Abschuss setze aufwändige DNA-Proben voraus. Im Falle der vor sieben Jahren zu Tode gekommenen Strauße im Grimmaer Ortsteil Golzern sei das damals bereits erfolgt. In Auswertung dessen habe jedoch vieles für einen Fuchs gesprochen, so Möhring.

Inhaber der Straußenfarm in Golzern hat nachgerüstet

Uwe Glöckner, Inhaber der Golzerner Straußenfarm, kann sich das nur schwerlich vorstellen: „Bei den Attacken damals wurden nicht nur Köpfe abgebissen, sondern Portionen von jeweils bis zu zehn Kilo Fleisch heraus gerissen. So viel kann kein Fuchs fressen.“ Er hat nachgerüstet, schützt seine Tiere nun mit Metallzäunen, die – anders als früher – bis zum Boden reichen.

Die Schafhaltung dürfe nicht den Bach runter gehen, sagt Möhring. Daher wünsche er sich die Wiedereinführung einer Prämie für Mutterschafe. Jedoch mahnt er eine Verhältnismäßigkeit der Diskussion an: In Deutschland sei bislang kein einziger Mensch von Wölfen angegriffen worden. Demgegenüber würden pro Jahr bis zu 32000 Menschen durch Hundebisse verletzt. „Und doch würde niemand auf die Idee kommen, Jagd auf Hunde zu machen.“

Von Haig Latchinian

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