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Grimma Ausländer-Überfall in Naunhof offenbar erfunden
Region Grimma Ausländer-Überfall in Naunhof offenbar erfunden
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14:25 22.10.2018
Einsatz für die Polizei: Am 21.Januar 2016 nahm sie die Anzeige wegen eines angeblichen Überfalls in Naunhof auf. Dieser entpuppte sich inzwischen als offenbare Erfindung.
Einsatz für die Polizei: Am 21.Januar 2016 nahm sie die Anzeige wegen eines angeblichen Überfalls in Naunhof auf. Dieser entpuppte sich inzwischen als offenbare Erfindung. Quelle: dpa-Zentralbild
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Naunhof

In Rage versetzte ein Vorfall im Januar 2016 viele Naunhofer. Damals gab eine 17-Jährige an, von zwei jungen Männern mit ausländischem Dialekt überfallen worden zu sein. Eine Nachfrage bei der Leipziger Staatsanwaltschaft, ob die Täter inzwischen ergriffen und verurteilt sind, ergab nun: Die Sache war wohl frei erfunden.

Die Ermittlungsbehörden hätten ein Verfahren gegen Unbekannt geführt, teilte Staatsanwältin Jana Friedrich mit. „Im Ergebnis umfangreicher Ermittlungen und unter Würdigung sämtlicher gewonnener Erkenntnisse ergab sich, dass sich das von der Anzeige-Erstatterin mitgeteilte Geschehen tatsächlich so nicht zugetragen hat“, informierte sie. „Das Verfahren gegen Unbekannt wurde dementsprechend eingestellt.“

Gegen 17-Jährige wird wegen Falschaussage ermittelt

Doch damit war die Sache nicht erledigt. Nun leitete die Staatsanwaltschaft Leipzig ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen die junge Naunhoferin ein. Dieses wurde laut Friedrich inzwischen rechtskräftig abgeschlossen. Angaben zu weiteren Einzelheiten könne sie aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Betroffenen, die damals noch minderjährig war, nicht machen.

Es war die Zeit, als die Migration nach Europa und insbesondere nach Deutschland ihren Höhepunkt erreichte und in Naunhof drei Monate vorher ein Asylheim eröffnet worden war. Am Abend des 21. Januar 2016, so schilderte die Naunhoferin damals, hätten ihr zwei junge Männer in der Schluppe zwischen Langer Straße und Zwirnereistraße hinter einer Kastanie aufgelauert.

Fall kochte in den sozialen Medien hoch

Einer habe ihr ein Messer an den Hals gedrückt, der Andere ihr den Mund zugehalten, bis sie ohnmächtig geworden sei. Am Ort des Geschehens wäre sie später „total durch den Wind“ aufgewacht. Die Täter „waren auf alle Fälle keine Deutschen“, beteuerte sie. Mehrfache Versuche der LVZ, sie jetzt noch einmal telefonisch zu erreichen, scheiterten.

In sozialen Medien spielte der angebliche Überfall seinerzeit eine große Rolle. Aufgerufen wurde unter anderem, Notfallgruppen zum Schutz der Kinder und der Bevölkerung zu gründen. Täter müssten bestraft werden, egal welcher Herkunft, hieß es vom Flüchtlingshilfeverein Vielfalt-Leben-Naunhof, der zugleich von Vorverurteilungen abriet und dazu aufrief, im konkreten Fall die Ermittlungen abzuwarten.

Auf die Wohnung von Michael Eichhorn, Chef der Linken in Naunhof, wurde kurz nach dem Vorfall ein Anschlag verübt. Fünf Steine warfen Unbekannte durch die Scheibe des Hauses. Auch eine geplante Flüchtlingsunterkunft wurde damals angegriffen. Eichhorn war der Meinung, die Tatserie sei eine Reaktion auf die öffentlich gewordene Anzeige der 17-Jährigen gewesen.

Von Frank Pfeifer

23.10.2018