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Grimma Bad Lausicks Bauamtsleiter geht in Rente
Region Grimma Bad Lausicks Bauamtsleiter geht in Rente
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17:00 26.02.2019
Wechsel an der Spitze des Bauamtes im Rathaus Bad Lausick - Daniela Ernst übernimmt, Wolfgang Günther setzt sich zur Ruhe. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

Das Grundstück, auf dem Wolfgang Günther ab April sein Leben als Ruheständler verbringt, ist Teil eines Baugebietes, das er als Leiter des Bad Lausicker Bauamtes in den neunziger Jahren mit auf den Weg brachte. An die 80 solcher Bebauungsplan-Verfahren hat der 65-Jährige in seinen knapp drei Jahrzehnten im Rathaus bearbeitet.

Wichtiger als die, wichtiger als die großen Investitionen privater Unternehmen in neue Reha-Kliniken und der kommunalen Kur GmbH in die Kur-Infrastruktur, wichtiger auch als die Entwicklung des Gewerbegebietes ist ihm in der Rückschau das: die Stadtsanierung. Die fast acht Millionen Euro von Bund, Land und Kommune, die in die Instandsetzung von Gebäuden, Straßen und Plätzen flossen, seien nicht nur bestens angelegt: „Sie sind vor allem sichtbar.“

Wolfgang Günther ist in Rochlitz geboren, in Greifenhain aufgewachsen

In Rochlitz geboren, in Greifenhain aufgewachsen, wurde Wolfgang Günther Bauingenieur. Nach dem Studium in Leipzig bekam er beim Rat des Kreises Geithain seine erste Stelle in der Verwaltung. Er wechselte zur Stadt Borna, ehe er im Sommer 1989 ins Bad Lausicker Rathaus kam – und blieb.

In den Jahren der alle Lebens- und damit auch Verwaltungsbereiche ergreifenden Umwälzungen nach 1990 war er auf seinem Feld lange Einzelkämpfer, ehe er 1992 mit Daniela Ernst eine erste Fachfrau an die Seite bekam.

Ernst setzt jetzt seine Arbeit fort, ist seit 1. Februar 2019 Leiterin des Bauamtes. „Das bundesdeutsche Baurecht war so eine Kunst, die wir ganz neu lernen mussten und die immer wieder Veränderungen erfuhr“, blickt Wolfgang Günther zurück. Dem Pragmatismus habe das zunehmend Fesseln angelegt. Bauplanung bedeute Stadtentwicklung, sagt er. Man müsse Visionen haben, Anstöße geben, lange ehe das Stadtparlament die Beschlüsse fasst. „Doch diese Zeit fehlte viel zu oft, weil man nur noch reagiert.“

Stadtsanierung Bad Lausicks wurde 1991 begonnen

Die Stadtsanierung, 1991 begonnen und am Ende des Berufslebens gerade noch abgeschlossen, nennt Günther, der am 31. März seinen allerletzten Arbeitstag hat, seinen ganzen Stolz. Dutzende Investitionen – der Stadt, der Kirche, privater Immobilieneigentümer im Stadtkern – habe er begleitet. Bad Lausick habe das voran gebracht.

Als die Kommune, wie im Gesetz vorgesehen, Ausgleichsbeiträge einforderte, organisierte eine Initiative Bad Lausicker Bürger Gegenwehr. „Die Diskussionen waren heftig, aber wir haben uns verständigt und können uns heute in die Augen schauen“, sagt Günther. Mitunter kontrovers, immer aber konstruktiv hätten Stadtrat und Verwaltung zusammengearbeitet; für ihn ein entscheidender Punkt.

Will man aus der Fülle von fast drei Jahrzehnten an der Spitze Tops und Flops benennen, lässt sich kaum die Oberfläche komplexer Zusammenhänge streifen. Auf der Habenseite verbucht Günther die Investition in zwei Kurkliniken, den Kurhaus-Kurhotel-Komplex, das „Riff“, die Freilichtbühne „Schmetterling“.

Große Wohnsiedlung auf dem Viertelsberg misslang

Dass die geplanten Zweit-Kliniken ungebaut blieben, lag an einem Kurswechsel der bundesdeutschen Gesundheitspolitik. Auf den Angerwiesen entstand ein Gewerbegebiet. „Dort, am Rand der Stadt, konnten sich die größeren Unternehmen ansiedeln. Das war wichtig für die Kurstadt.“ Eines der jüngsten großen Projekte: die Sporthalle an der Oberschule, um die lange gerungen worden war.

Dass es misslang, auf dem Viertelsberg eine große Wohnsiedlung zu errichten und die Stadt mehrere Millionen Euro in dieses Projekt versenkte, sei schmerzlich gewesen, resümiert Wolfgang Günther. „Mit ursprünglich 500 Wohneinheiten war das wohl eine Nummer zu groß. Trotz unserer viele Jahre währenden Bemühungen bekamen wir das Vorhaben nicht genehmigt.“

Congress-Center-Idee für Bad Lausick platzte

Die Schuld am Scheitern sei zwischen Regierungspräsidium und Kommune hin und her geschoben worden. Bad Lausick werde sich aber auch so zu einem Ort entwickeln, in dem man gerne lebe. Die bisher entstandenen rund 200 Wohneinheiten nimmt Günther als Beleg dafür.

Lehrgeld zahlen musste die Stadt in den wilden Nachwende-Jahren auch, als das Vorhaben eines Congress-Centers platzte und Bürgschaften fällig wurden; seit 1995 steht auf dem dafür präferierten Land das Kur- und Freizeitbad „Riff“. Ein Traum blieb auch der Freizeitpark auf den Wiesen Richtung Flößberg. „Wir wollten damals vieles bewegen. Doch nicht jeder Partner, der sich dafür ausgab, brachte uns voran“, sagt Günther und meint mit dem „Wir“ den Stadtrat, die Verwaltung und sich gleichermaßen.

Nachfolgerin Daniela Ernst hat viel zu tun

Dass seine Nachfolgerin Daniela Ernst zu wenig zu tun haben könnte, diese Gefahr sieht Wolfgang Günther mitnichten. Das bis zu zehn Millionen Euro schwere Konzept Kur-City zum Beispiel eröffne bis 2024 Chancen für vielfältige Investitionen. Freuen würde er sich auch, wenn doch noch die Wiederbelebung der denkmalgeschützten Mühlenwerke gelänge. Eine Nutzung als Mehrgenerationen-Wohnkomplex sei schon einmal zum Greifen nah gewesen.

Und was macht der Rentner Günther? „Erst einmal runterfahren“, sagt er. Und dann schauen. Angst vor Langeweile habe er keinesfalls.

Von Ekkehard Schulreich

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