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Grimma Bildhauerinnen bringen internationales Flair auf Dreiseithof bei Grimma
Region Grimma Bildhauerinnen bringen internationales Flair auf Dreiseithof bei Grimma
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14:14 13.08.2019
Marianne Wesolowska-Eggimann hat eines der begehrten Stipendien des Künstlergutes Prösitz in der Tasche. Seit 1. August ist die Bildhauerin in der Werkstatt schöpferisch tätig. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Prösitz

Perfekt Deutsch sprechen alle, dennoch geht es auf dem Künstlergut Prösitz momentan sehr international zu. Ihrer Kreativität freien Lauf lassen mit Olga Grigorjewa eine geborene Ukrainerin und mit Marianne Wesolowska-Eggimann eine jetzt in Polen lebende Schweizerin. Beide Frauen gehören zu den acht Stipendiatinnen, die in diesem Jahr im Grimmaer Ortsteil für jeweils vier Wochen Zeit und Muse für ihr schöpferisches Schaffen finden.

Bereits 26. Durchgang im Künstlergut bei Grimma

Bereits zum 26. Mal finden junge Bildhauerinnen auf dem Künstlergut ein Zuhause auf Zeit. Eine Jury vergibt jedes Jahr acht Stipendien, und auf die Plätze gibt es einen regelrechten Run. Dass junge Künstlerinnen zur Arbeit mit ihren Kindern willkommen sind – Deutschland kennt nichts Vergleichbares. Die Steppkes werden im Dreiseithof betreut, während die Mütter ungestört ihrer Passion nachgehen können. Wie schon im vorigen Jahr hat sich in diesen Tagen die Schweizerin Shanti Hudes als Kindermädchen eingefunden und steht der Leipzigerin Julia Werner zur Seite, die gerade ihr Kunstpädagogik-Studium beendet hat und sich beim Praktikum in Prösitz um die Mädchen und Jungen kümmert.

Vom diesjährigen Symposium, das im Mai begann, ist Künstlergutchefin Ute Hartwig-Schulz (55) schon jetzt begeistert. „Es lief super“, sagt sie und freut sich über die Vielfalt „an künstlerischen Aussagen und Themen“. Sie sei dankbar, dass die Jury stets auf künstlerische Vielseitigkeit achtet.

Anna Holzhauer schafft „Raum der Stille“ an A14

So wird Anna Holzhauer einen „Raum der Stille“ an der tosenden Autobahn 14 schaffen. Das Künstlergut ging dafür eine Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel ein, wo Holzhauer Dozentin ist. Die Leipzigerin Anna Schimkat möchte zur Stipendiatinnen-Ausstellung im nächsten Jahr in Grimma den Glockenklang der Mutzschener Kirche in ihre Skulptur einbinden. „Das ist die moderne Fortsetzung von Klangkunst“, weiß Hartwig-Schulz und sieht in Schimkats Experiment den Gedanken ihres Künstlerhauses vollendet. Das Künstlergut wolle vermitteln und dabei der Region und den Künstlerinnen gleichermaßen helfen.

Bei den anderen Frauen stelle sie mit Erstaunen fest, so die Leiterin, „dass sie sich alle mit dem keramischen Material Ton auseinandersetzen – immer unter einem anderen Aspekt“.

Geborene Schweitzerin hat Atelier in der Spinnerei

Marianne Wesolowska-Eggimann (39) möchte in Prösitz einmal aus ihrem Metier ausbrechen und formt Skulpturen in einer Größe und mit Materialien, die für sie üblicher Weise nicht in Frage kommen. Unter den Händen der freischaffende Künstlerin entstehen nämlich sonst kleinformatige Porzellanfiguren, oft Mischwesen, wie sie zu verstehen gibt. Dabei lasse sie ihrer Fantasie freien Lauf: „Ich arbeite sehr naturalistisch, aber nicht unbedingt realistisch.“ Beim Modellieren, Aufbauen und Schnitzen des Porzellans verwendet sie sogar Zahnarztbesteck.

Die heute 39-Jährige wuchs in der Schweiz auf dem Lande auf und absolvierte in Bern eine vierjährige Ausbildung zur Keramikerin. Ziemlich schnell sei sie nach Leipzig gezogen und habe in der Spinnerei ein eigenes Atelier eröffnet, erzählt sie. Das unterhält Wesolowska-Eggimann auch noch heute, obwohl sie mittlerweile bei ihrem Mann in Polen lebt. Nach Prösitz hat sie ihre dreijährige Tochter Runa mitgebracht. Das Kind dabei zu haben und betreut zu bekommen, „ist ein riesen Geschenk“. Fern vom Alltag sei das Arbeiten ganz anders, fühlt sie sich inspiriert.

Geborene Ukrainerin bevorzugt Abstraktes

Olga Grigorjewa (35) hat ihre Kindheit im ukrainischen Lwiw verbracht, fühlt sich aber als Russin und Deutsche. 1995 siedelten ihre Eltern nach Deutschland über, da war sie gerade zehn und lebte fortan in Frankfurt/Main. Nach der Schule studierte sie in Halle Grafik und in Dresden Bildhauerei. Ein Meisterstudium schloss sich an. Die Freischaffende lebt in fester Beziehung und unterhält in einem alten Fabrikgebäude in ihrer Wahlheimat Leipzig ein Atelier.

Olga Grigorjewa hat eines der begehrten Stipendien des Künstlergutes Prösitz in der Tasche. Seit 1. August ist die Bildhauerin in der Werkstatt schöpferisch tätig. Quelle: Frank Prenzel

„Ich arbeite mit unterschiedlichen Medien“, verrät die Künstlerin und nennt Zeichnungen ebenso wie Objekte beziehungsweise Skulpturen, Installationen, Performances und Videos. Ihre Arbeitsweise lässt sich als erzählerische Abstraktion bezeichnen. „Dennoch haben die Dinge einen gegenständlichen Ursprung.“ In Prösitz will die 35-Jährige eine Installation aus Keramik und Holz erschaffen und lässt sich dabei von einer Kindheitserinnerung inspirieren – dem Fragment einer Pfeife.

Auf dem Hof tollt die zweijährige Tochter Grigorjewas. Während andere auf Flora aufpassen, kann sich ihre Mutter voll und ganz der kreativen Arbeit widmen. Das schätzt sie schon nach den ersten Tagen. „Man hat keine Ablenkung, auch nicht vom Alltag, das ist sehr befreiend.“ Auch der Austausch mit anderen Künstlerinnen sei ihr wichtig. Prösitz sei einzigartig, lobt die Frau.

Von Frank Prenzel

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