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Grimma Brandiser Altbürgermeister kandidiert für die Freien Wähler
Region Grimma Brandiser Altbürgermeister kandidiert für die Freien Wähler
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14:00 25.01.2019
Andreas Dietze will sich im Wahlkreis 26 (Leipziger Land 4) um ein Landtagsmandat bewerben. Zum Wahlkreis gehören die Kommunen Brandis, Borsdorf, Bennewitz, Machern, Wurzen, Lossatal, Thallwitz und Trebsen. Quelle: Simone Prenzel
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Mit dieser Kandidatur dürften nur die wenigsten gerechnet haben: Den Brandiser Altbürgermeister Andreas Dietze zieht es überraschend in die Landespolitik. Der 60-Jährige hat die Absicht, sich am 1. September um ein Landtagsmandat zu bewerben. Allerdings nicht für die CDU, für die der Beuchaer bislang im Kreistag saß, sondern für die Freien Wähler.

Damit dürfte es im Wahlkreis 26, zu dem die Kommunen Brandis, Borsdorf, Bennewitz, Machern, Wurzen, Lossatal, Thallwitz und Trebsen gehören, spannend werden. Hier trifft der Beuchaer – sollte er im März nominiert werden – unter anderem auf die bisher bekannten Direktkandidaten Kay Ritter (CDU), Birgit Kilian (SPD) und Jens Zaunick (AfD).

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„Mein Eindruck ist, dass derzeit immer weniger Politik für die Mehrheit der Bürger gemacht wird. Es geht nur noch um die Interessen der Ränder oder derer, die am lautesten rufen“, erklärt der Parteilose seine Motivation. „80 Prozent der Bürger fühlen sich nicht mehr vertreten.“ Gerade für deren Interessen wolle er seine Stimme erheben. In die Waagschale kann der 60-Jährige jede Menge Erfahrung werfen.

Altbürgermeister Andreas Dietze ist ein alter Hase in der Politik

In der Kommunalpolitik ist Dietze ein alter Hase: 22 Jahre war er in Verantwortung, saß ab 1991 auf dem Bürgermeisterstuhl – zuerst in der Gemeinde Beucha, später von 1999 bis 2013 in Brandis. Derzeit ist er als Beauftragter von Landrat Henry Graichen (CDU) in Machern eingesetzt.

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger freut sich über die Verstärkung für die Freien Wähler. Quelle: Thomas Kube

„In meiner aktiven Zeit als Bürgermeister habe ich immer wieder erlebt, dass die Kommunen das letzte Glied in der Kette waren.“ In diesem Bereich wolle er ansetzen und dazu beitragen, andere Weichenstellungen vorzunehmen. „Die Kommunen dürfen sich nicht länger als Bittsteller fühlen. Und am Umgang der Verantwortlichen in Dresden mit der kommunalen Ebene muss sich etwas ändern. Davon würden die Bürger automatisch profitieren.“

Ein aktuelles Beispiel, das ihn auf die Palme bringt, ist die scheinbar noble Geste des Landes, dass Kommunen die Kita-Beiträge für Eltern absenken können. Danach sollen die Elternanteile, die bislang bei 20 Prozent der Betriebskosten lagen, auf 15 Prozent verringert werden dürfen. Für Hort und Vorschuljahr soll den Orten überlassen werden, ob sie die Eltern überhaupt beteiligen. „Das Ergebnis ist, dass die Bürger natürlich von ihren gewählten Vertretern möglichst kostenfreie Plätze erwarten.

Dietze: Entscheidungen nach Gutsherrenart

Wie die Kommunen das bewerkstelligen sollen, interessiert in Dresden niemanden. Solche Dinge ärgern mich einfach. Da wird nach Gutsherrenart entschieden – und die Städte und Gemeinden sollen sehen, wie sie klarkommen.“

Auch dass die Landesregierung aktuell ein Füllhorn über dem Freistaat ausschüttet, kann Dietze nicht gutheißen. „In Wahljahren war das immer so. Es geht ganz einfach darum, nach den Wahlen nicht wieder in den alten Trott zu verfallen. Es müssen sich grundlegende Dinge des Umgangs ändern.“

Freie Wähler nutzen Bekanntheit langjähriger Kommunalpolitiker

Dietze war dabei nie jemand, der sich übereilt in politische Abenteuer gestürzt hat. „Auch in diesem Fall habe ich mir meine Entscheidung reiflich überlegt.“ Letztlich habe ihn der Grimmaer OBM Matthias Berger, strategischer Kopf der Bürgerbewegung für Sachsen, überzeugt, als Direktkandidat für die Freien Wähler anzutreten. Das Kalkül der Unabhängigen dürfte dabei klar sein: Man will die Bekanntheit langjähriger Kommunalpolitiker nutzen, um am 1. September zu punkten.

Dietze versteht sich dabei mitnichten als Zählkandidat. „Würde ich mir gar keine Chancen ausrechnen, würde ich keine Kandidatur anstreben.“ Mit Blick auf die politische Großwetterlage würde es ihm aber auch schon reichen, der AfD Stimmen abzunehmen. „Auch das spielt für meinen Entschluss eine Rolle.“

Von Simone Prenzel