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Grimma Hydraulik schiebt Eisenbahnbrücke in Großbothen ein
Region Grimma Hydraulik schiebt Eisenbahnbrücke in Großbothen ein
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23:30 29.07.2019
Aus der Vogelperspektive wird das Ausmaß der nächtlichen Bautätigkeit deutlich sichtbar. Quelle: Frank Schmidt
Grimma/Großbothen

„Also so etwas sieht man ja nicht alle Tage und gleich gar nicht in der Nacht.“ Das war der Tenor von zahlreichen Zaungästen, die sich das Einschieben der neuen Eisenbahnbrücke in Großbothen am vergangenen Wochenende nicht entgehen lassen wollten.

Wie schon berichtet, wird derzeit die über die Hauptstraße führende Eisenbahnbrücke erneuert. Hatten Bauarbeiter seit dem Frühjahr den neuen Brückenkörper aus Stahl und Beton parallel zur alten Brücke, und damit noch ohne Auswirkungen auf den Bahnverkehr vorgefertigt, wurde nun das 150 Jahre alte Brückenbauwerk binnen 48 Stunden abgerissen.

Nachtschicht für Bauleute und Zaungäste in Großbothen

In der Nacht zum Sonntag konnte der etwa 350 Tonnen schwere Koloss der neuen Brücke an seinen vorgesehenen Standort geschoben werden. Dafür ist die Eisenbahnstrecke Borsdorf Coswig zwischen Grimma und Leisnig seit Freitag (26. Juli) ab 23 Uhr bis Dienstag (30. Juli) 4.30 Uhr gesperrt worden. „Ab dann müssen die Züge wieder rollen“, sagte Thomas Müller, der als Bauüberwacher vor Ort war.

Partystimmung am Baustellenrand - eine Gruppe Jugendlicher beobachtet quasi in gemütlicher Runde das Baugeschehen. Quelle: Frank Schmidt

Um es vorwegzunehmen: Das Einschieben der neuen Brücke verlief reibungslos und dauerte kaum eine halbe Stunde. Deutlich zeitintensiver waren die nächtlichen Vor- und Nachbereitungen. Schließlich musste nach dem Abriss der alten Brücke der Untergrund für das neue Bauwerk geschaffen werden. Damit verbunden war das Verlegen von sogenannten Schiebelementen, eine Art Gleiskörper, auf denen die Brücke vom Fertigungsort um 12,5 Meter in südliche Richtung zum neuen Standort gedrückt wurde.

Highlight beginnt mit Tagesanbruch

Dieser Arbeitsgang wurde um 4.13 Uhr eingeleitet. Eine spezielle und bis ins Detail ausgeklügelte Hydrauliktechnik hob den gesamten Brückenkörper um sechs bis sieben Zentimeter an und drückte ihn von A nach B. Um 4.48 Uhr, das neue Tageslicht brach an, war dieses Werk vollbracht. Ohne großen Verzug wurden die hydraulischen Hebe- und Schiebeelemente entfernt. Nebenan scharrten Bagger schon mit ihren Hufen respektive Schaufeln, um große Lkws mit Schüttgut zu befüllen, mit dem der neuen Brückenkörper verfüllt und verdichtet werden musste. Und parallel dazu liefen schon die Vorbereitungen für den Gleisbau.

Dieser Tunnelblick gewährt einen Einblick in die hydraulische Hebe- und Schiebetechnik, mit der die Brücke angehoben und um 12,5 Meter verschoben wird. Quelle: Frank Schmidt

In Gänze war das ein Prozedere, welches bei den schon erwähnten Schaulustigen große Aufmerksamkeit weckte. Das wurde auch von den Bauleuten bemerkt und akzeptiert. Denn sie ließen die Zaungäste gewähren, um sie freilich auf eigene Gefahr so dicht wie nur möglich ans Geschehen heranrücken zu lassen. Vor allem unmittelbare Anwohner der Baustelle und sogenannte Ureinwohner von Großbothen haben hier und da sehr interessiert hingesehen.

Zaungäste fachsimpeln mit Bauleuten

Dabei sind sie auch mit dem einen oder anderen Bauarbeiter fachsimpelnd ins Gespräch gekommen. Indes herrschte auf der Südseite der Baustelle Partystimmung, denn gut ein Duzend Jugendlicher hatte sich mit nicht nur einem Kasten Bier auf der sowieso gesperrten Hauptstraße niedergelassen und bei Musik aus der Dose das Baugeschehen verfolgt.

Für die neue vorgefertigte Brücke (links) wird der Untergrund hergerichtet. Quelle: Frank Schmidt

Angelika Mehrländer erlebte die gesamte Bauphase als unmittelbare Anwohnerin hautnah mit. „Aber das Highlight ist zweifellos das Einschieben der Brücke“, sagte sie. Petra Strauß und ihr Gatte Roland haben sich hoch oben auf dem Schotterbett des Gleiskörpers hinter dem Vermessungstechniker Erik Teichmann postiert, der wiederum die für ihn wichtigen Bauarbeiter mit ihren Rotationslasergeräten unten in der Baugrube fest im Blick hatte.

Respekt und Zweifel am Bauwerk

„Wir können nur staunen, was die Bauleute hier vollbringen“, zogen die Zuschauer symbolisch ihren Hut. „Obwohl ich von Beruf Schlosser bin, liegt das alles außerhalb meiner Vorstellungskraft“, gestand mit dem jetzigen Rentner Dietmar Zichner ein weiterer Zaungast ein.

Dieser neue Brückenkörper wird nach seiner Vorfertigung an seinen neuen Standort eingeschoben. Quelle: Frank Schmidt

Gleichwohl Markus Pohl auf der Nordseite der Brücke die Arbeiten interessiert verfolgte, hegte er Zweifel am Sinn daran. „Dahinter führt parallel zur Bahnstrecke ein etwa 500 Meter langer Weg zur Windmühlenstraße, wo man auch schon unter einer neuen Brücke in den Ort Großbothen kommt. Wenn man diesen Weg ordentlich als Straße befestigt hätte, könnte man sich die Kosten für diese Brücke sparen. Deshalb ist diese neue Brücke eigentlich Schwachsinn in meinen Augen.“

Von Frank Schmidt

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