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Grimma Bürgerbefragung für schnelles Internet in Naunhof beginnt
Region Grimma Bürgerbefragung für schnelles Internet in Naunhof beginnt
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11:21 12.07.2019
Demonstration anhand der Karte: Maik Zappe von der Deutschen Glasfaser erläutert im Leipziger Unternehmenssitz den Ortsvorstehern Hermann Kinne (li.) und Jan-Walter Heikes (re.) den beabsichtigten Ausbau. Quelle: Frank Pfeifer
Naunhof

Fünf Kommunen im Landkreis Leipzig haben sich schon für die moderne Technologie entschieden, nun soll auch Naunhof ein Glasfasernetz erhalten, das superschnelles Internet nicht nur bis zu Verteilerkästen, sondern direkt in die Häuser bringt. In einem Punkt unterscheidet sich die Kommune jedoch von den anderen.

Ob Thallwitz, Brandis, Borsdorf, Trebsen oder Großpösna – überall warben die Bürgermeister für den Breitbandausbau durch die Deutschen Glasfaser GmbH (DG). Ihr Naunhofer Amtskollege Volker Zocher (parteilos) legte dem Stadtrat dar: „Das mache ich nicht.“ Andere sprangen nun für ihn in die Bresche.

Ortsvorsteher springen in die Bresche

„Wenn sich der Bürgermeister nicht dahinter stellt, machen es eben die Ortsvorsteher“, sagt Hermann Kinne (CDU), der dem Fuchshainer Ortschaftsrat vorsitzt. Und sein Kollege von Erdmannshain/Eicha/Albrechtshain (EEA), Jan-Walter Heikes, fügt an: „Wir müssen hier leben und nicht der Bürgermeister. Deshalb fehlt ihm der Bezug zum Thema.“

Generell setzt die DG auf Multiplikatoren in den Kommunen. „Wir sind Außenstehende und wissen nicht, wie die Stimmungen im Ort sind“, sagt Projektmanager Maik Zappe. Habe das Unternehmen über Menschen, die sich für das Vorhaben mit einsetzen, das Ohr an der Masse, könne es „besser reagieren, wenn Probleme auftauchen oder falsche Gerüchte entstehen.“

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Großpösna erhält Glasfasernetz

Zweiteilung des Stadtgebiets

Weil den Ortsvorstehern die Verlegung der Glasfaserkabel ein Herzensanliegen ist, läuft zunächst in Fuchshain, EEA und Ammelshain die Haushaltsbefragung an, und zwar am 20. Juli. In einem zweiten Schritt kommen die Kernstadt und das nahe gelegene Lindhardt an die Reihe, dort startet die dreimonatige Befragung am 17. August. Ziel ist es, jeweils 40 Prozent der Haushalte für Glasfaseranschlüsse zu gewinnen. Erst wenn diese Schwelle genommen wird, werden die Kabel verlegt.

„Von der Zweiteilung versprechen wir uns Vorteile“, sagt Zappe. „Aus der Erfahrung wissen wir, dass in den Vororten ein höheres Interesse an unseren Angeboten besteht. Die Leute unterhalten sich mehr miteinander. Diese positive Stimmung wollen wir dann mit in die Stadt hineinnehmen.“ Andererseits stelle sich die Frage, ob sich eine Befragung von Naunhof überhaupt lohnt, wenn schon in den Ortsteilen nur wenige Verträge zustande kommen.

Wichtige Infrastrukturmaßnahme

Einen Kooperationsvertrag mit der DG hat der Stadtrat beschlossen und der Bürgermeister unterschrieben. Der Kontrakt sichert dem Unternehmen zu, Kabel verlegen zu können, sobald es aus seiner Sicht genügend Kunden akquiriert hat.

Was die Deutsche Glasfaser dem Bürger bietet

Die FttH-Technik (fiber to the home – Glasfaser bis ins Haus) gewährleistet nach Unternehmensangaben, dass die gebuchte Datengeschwindigkeit punktgenau daheim ankommt und nicht Teile davon unterwegs verloren gehen. Die Deutsche Glasfaser bietet Anschlüsse von 200 Megabit bis zu einem Gigabit pro Sekunde an. Das sind höhere Geschwindigkeiten, als sie die Telekom mit ihrer Vectoring-Technik zustande bringt, bei der die Daten über Glasfaser zu einem Verteilerkasten gelangen und von dort aus per herkömmlicher Kupferleitung in die Haushalte übertragen werden.

Allen, die im Befragungszeitraum ihr Interesse bekunden, verlegt die Deutsche Glasfaser kostenlos den Anschluss ins Haus. Wer sich erst später für einen Vertrag entscheidet, muss 750 Euro zahlen, weil dann nachträglich die Straße noch einmal aufgerissen werden muss. Um Vorgärten zu schonen, bemüht sich das Unternehmen darum, Leerrohre für die Kabel vom Gehweg zum Haus in einer Tiefe von 30 bis 40 Zentimetern durchzuschießen.

Solange der Telefonanschluss beim bisherigen Anbieter läuft, fallen bis zu zwölf Monate keine Grundgebühren für den neuen Festnetzanschluss an. Diese erhebt die Deutsche Glasfaser erst, wenn die Rufnummernübernahme im Rahmen der Umstellung, der sogenannten Portierung, erfolgt ist.

Die Einwohner der drei Ortsteile Naunhofs, in denen die Befragung zunächst anläuft, will die Deutsche Glasfaser ausführlich an drei Abenden informieren. Die Fuchshainer lädt das Unternehmen für den 22. Juli in die Pension Lindenhof ein. Die Ammelshainer bittet es für den 23. Juli in den Bürgersaal des Naunhofer Stadtguts, weil in ihrem Dorf kein öffentlicher Raum existiert, der groß genug ist. Für die Erdmannshainer, Eichaer und Albrechtshainer gibt’s am 24. Juli eine Veranstaltung in der Kulturscheune des Heimatvereins Erdmannshain. Beginn ist jeweils 18.30 Uhr.

„Das ist eine wichtige Infrastrukturmaßnahme wie der Gas- und Wasserleitungsbau“, urteilt Hermann Kinne. In Fuchshain liege zwar schon ein Glasfaserkabel der Telekom, doch dieses endet am Verteilerkasten. Danach fließen die Daten durch die normalen Telefonkabel in die Haushalte. „Wer weit weg wohnt, bei dem kommt nur noch wenig an“, erklärt der Ortsvorsteher. „Wir haben ein extremes Gefälle und jetzt die Möglichkeit, auf einen Rutsch glatt zu ziehen. Mit dem Klammersack müssten wir gepudert sein, wenn wir diese Chance nicht ergreifen.“

Wertsteigerung der Häuser

„So ein Anschluss bedeutet nicht zuletzt eine Wertsteigerung für das eigene Objekt“, meint Ortsvorsteher Heikes. Ihn wurmt lediglich, dass die DG aus wirtschaftlichen Gründen einige weiße Flecken in EEA und Ammelshain hinterlassen wird. Dabei handle es sich um entlegene Gebiete, wie zum Beispiel ein einzelstehendes Gebäude in Richtung Kleinpösna und die Waldwiesen an der Autobahn 14, auf denen sich neben Kleingärten auch Wohnhäuser befinden. Zappe verspricht, nach Ablauf der Befragung nochmal zu prüfen, ob sich da was machen lässt.

Infoveranstaltungen für Ortsteile

Für die ländlichen Gebiete der ersten Befragung bietet die DG noch im Juli Bürgerinformationsveranstaltungen an. „Außerdem wird es ein mobiles Büro geben, das in den Ortsteilen unterwegs ist“, lässt Sandra Uber wissen, die im Unternehmen dafür zuständig ist. In Ammelshain habe Ortsvorsteher Lutz Kadyk sein Büro zur Verfügung gestellt.

Zocher lässt die Anderen machen

Höchstgeschwindigkeit im Internet, ohne dass die Nutzer für die Verlegung der Anschlüsse zahlen müssen oder der Kommune Kosten entstehen. Anderenorts im Landkreis löste dieses Angebot einer Firma Freudensprünge in den Rathäusern aus. Nur für den Naunhofer Bürgermeister gilt die Devise: Lasst die mal machen, aber ohne mich! Ein Trauerspiel.

Bei jeder Gelegenheit betont Volker Zocher, dass er seit 30 Jahren in der Kommunalpolitik tätig ist und diese nun bald an den Nagel hängt. Er verweist auf das Ende seiner Wahlperiode am 31. März kommenden Jahres, als ob er schon die Tage herunterzählt. Dass er Naunhofer Bürgermeister bis zum Schluss ist, lässt sich ihm immer weniger anmerken. Den Fokus richtet er wohl schon vielmehr auf seine Heimat Engelsdorf, wo er im Mai in den Ortschaftsrat gewählt wurde.

Weil sein Engagement für Naunhof zu wünschen übrig lässt, wäre die Karawane beinahe vorbeigezogen, die der Stadt den besten Breitbandausbau verspricht, der derzeit technisch machbar ist. Glasfaser bis in die Häuser bedeutet, dass jeder punktgenau die bezahlte Leistung erhält und nicht nur „bis zu“ einer gewissen Zahl an Megabit pro Sekunde, wie es bei der Konkurrenz heißt, die unter dem Namen Glasfaser zumeist das minderwertigere Vectoring verkauft. Glasfaser bis in die Häuser bedeutet, gewappnet zu sein für die Massen an Datenströmen, die schon in naher Zukunft auch von Otto Normalverbraucher zu bewältigen sind in einer Welt, die sich zunehmend vernetzt.

Dass Naunhof doch noch mit der Karawane mitzieht, ist denjenigen Stadträten zu verdanken, die für die Technologie stritten. Weiterhin dem Gewerbeverein, der sich ebenso einsetzte. Und nun den Ortsvorstehern, die jene Lücke ausfüllen, die Bürgermeister Zocher hinterließ.

Von Frank Pfeifer

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