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Grimma Colditz: Anona investiert weitere 16 Millionen
Region Grimma Colditz: Anona investiert weitere 16 Millionen
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00:21 24.06.2018
Der langjährige Geschäftsführer Wolfram Eismann (65) vor Werk 2. Quelle: Haig Latchinian
Colditz

Philipp Friedemann ist Kraftsportler. Doch er stemmt Gewichte nicht nur in der Muckibude, sondern viel lieber an der frischen Luft. Wie ein Highlander stößt er Steine auf der grünen Wiese, wirft Hämmer und dreht Baumstämme. Die meiste Zeit am Tag ist der 32-jährige Vorzeigeathlet jedoch Prozessoptimierer bei Anona in Colditz.

Mit seinem wohlproportionierten Körper könnte er glatt als Maskottchen von Europas führendem Sport- und Fitnessnahrung-Hersteller durchgehen. Der Ingenieur gehört zum inneren Kreis der Macher von Werk 3, das derzeit am Stadtrand von Colditz entsteht. Wie berichtet, fließen auf dem Gelände eines ehemaligen Baumarktes 16 Millionen Euro in eine neue Fertigungshalle nebst Büros und Sozialtrakt mit Kabinen sowie Kantine. Die Sächsische Aufbaubank fördert das Projekt mit zehn Prozent.

440 Beschäftigte

Der Aufschwung des Unternehmens vom einstigen DDR-Hersteller für Instant-Pudding und Softeispulver zum weltweiten Player für diätetische Lebensmittel mit mehr als 440 Beschäftigten ist rasant: 40 Millionen Euro wurden seit 1992 in den Standort investiert. Und das, obwohl im Stammhaus an der Mulde die Mitarbeiterzahl zunächst auf nur noch 34 Mitarbeiter sank. Die Entwicklung ging steil nach oben: 2013 wurde im Gewerbegebiet ein weiteres Werk errichtet, der Absatz erreichte 2016 mit fast 15 000 Tonnen ein Rekordhoch, inzwischen laufen die Arbeiten für einen dritten Betriebsteil auf Hochtouren.

Mitarbeiter gesucht

Colditz wird die kinderfreundlichste Stadt Sachsens“, frohlockt der langjährige Geschäftsführer und Gesellschafter Wolfram Eismann. Anona ist das Lebenswerk des 65-jährigen Lokalpatrioten. Gemeinsam mit Geschäftsführerkollegen Matthias Dietzsch und Produktentwicklerin Katrin Bendix sucht er auch überregional ständig weitere Mitarbeiter, „Leute mit Herz und Seele und Verstand“.

Schon jetzt pendelten zahlreiche junge Entwickler täglich nach Colditz: „Sie fahren eben nicht wie andere in die sächsischen Metropolen, sondern genau entgegengesetzt – von der Stadt aufs Land, haben so nie Stau.“ Eismann ist überzeugt davon, dass die kreativen Köpfe, die erst kürzlich ihre für zwei Millionen Euro aufgestockte gläserne Forschungsetage beziehen konnten, Colditz als idealen Wohnstandort entdecken werden: „Bezahlbares Bauland, frische Luft, Arbeit direkt vor der Nase.“

Die Anona GmbH aus Colditz, Europas führender Hersteller von innovativer Sporternährung, diätetischen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungen, erweitert ihre zweite Produktionsstätte im Heimatort um eine neue Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Quelle: Andreas Döring

„Woller“ denken mit

Selbst Personalchef Andreas Paul, zwischenzeitlich in Niedersachsen engagiert, konnte den Verlockungen aus Colditz nicht widerstehen, kehrte 2016 zurück. Der 51-jährige, der in der Region wohnt, sucht bundesweit ganz gezielt „Woller“, wie er sie nennt, Kollegen, die mitdenken. „Verwaltung war gestern, Gestaltung für morgen ist heute.“ Im Zeitalter von Sparzwang, geringfügiger Beschäftigung und Leiharbeit biete das Unternehmen bei Betriebszugehörigkeit von mindestens sechs Monaten einen Leistungsbonus.

Ronny Seidler, 39-jähriger Prokurist und Betriebsleiter, ist derzeit genauso in den Bau des dritten Werkes eingebunden wie Technischer Leiter Ralf Wiedenbeck (50) und Max Quedenbaum (25). Der junge Mann, der im Vorjahr als Prozessingenieur eingestellt wurde, stammt aus Colditz und konnte so direkt nach dem Studium in die alte Heimat zurückkehren. Er wohnt vor Ort bereits mit der Freundin im „eigenen Nest“ und managt im Betrieb den Weg des Produkts vom Rohstoff zum fertigen Riegel.

Weil er auch untersucht, welche Maschinen nötig sind, kooperiert er ganz eng mit Projektingenieur Hasso Freytag (65) und Steven Schlender vom ortsansässigen Ingenieur- und Planungsbüro. „Seit 1999 arbeiten wir mit den Planern zusammen, für uns zeichnen sie sogar die Maschinen ein, man kennt und schätzt sich, einiges geht da auch auf Zuruf“, sagt die Chefetage.

Werk 4 ist möglich

Wie Pilze schießen die Hallen von Anona aus dem Boden. Das dritte Werk wird nicht das letzte sein. Den verwaisten Lidl gleich nebenan haben die Mannen um Wolfram Eismann bereits gemietet, die Kaufverhandlungen laufen: „Vielleicht wird das ja Werk 4“, lacht der langjährige Geschäftsführer. Für ihn, den gelernten Ossi, zählt aber vor allem eines: „Der Mensch. Alles macht der Mensch, nicht die Maschine.“

Von Haig Latchinian

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