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Grimma Colditz bittet zum Pfingstsingen in den Tiergarten
Region Grimma Colditz bittet zum Pfingstsingen in den Tiergarten
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09:21 09.06.2019
Lange Tradition: Das Pfingstsingen im Colditzer Tiergarten. Quelle: Robin Seidler
Colditz

Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche. Es heißt, nachdem Jesus am „Vatertag“ zum Himmel fuhr, sei er dort nun angekommen – bei Herrgott und Heiligem Geist. Im Segenswort wird Pfarrer Johannes Herberholz daran erinnern. Passend dazu erklingt Conradin Kreutzers Hymne aufs Pfingstfest „Das ist der Tag des Herrn“.

Das montägliche Colditzer Pfingstsingen ist eine der traditionsreichsten Veranstaltungen im Landkreis Leipzig. Seit 1886 zieht es die Bürger der Stadt jedes Jahr zu früher Stunde in den nahe gelegenen Tiergarten, um pünktlich ab 9 Uhr das Trällern nicht allein den Vögeln zu überlassen. Im 133. Jahr ist noch fast alles so wie bei den Altvorderen.

„Ertönet mit lautem Schalle“

Nur geschossen wird nicht mehr. Statt des Ehrensaluts müssen es die Protagonisten nun selber krachen lassen. Sie tun es auf ihre Art: „Ertönet mit lautem Schalle“ heißt die Komposition von Colditzern für Colditzer. So treffen Männerchor Colditz, Trebsener Blasmusikanten und Musikfreunde Colditz garantiert ins Schwarze.

Es war Bürgermeister Johannes Müller, der das Colditzer Pfingstsingen einst begründete. Müller selbst war Mitglied der „Liedertafel“, wie der Männerchor noch heute heißt. Der Chor besteht seit 172 Jahren und ist damit eine der ältesten Formationen Sachsens. Der Männerchor veranstaltet das kultige Singen auf dem Konzertplatz in Eigenregie.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt

Die 30 Mannen um Peter Bräuer, Jörg Schülert, Dieter Tänzer, Joachim Gutschale, Dieter König, Klaus Hempel, Reinhard Richter, Gerhard Brachvogel und Gunter Neustadt treffen fast immer den richtigen Ton – während sich Sangesbruder Danilo Köppen, seines Zeichens stellvertretender Vergnügungsvorstand, um das leibliche Wohl der 300 Besucher kümmert.

Sohn Daniel Köppen steht mit Schwager René Mertinat am Grill, Mutter Angelika Köppen, Petra Knochenmuß und Heidi Staskewitsch servieren aus dem Getränkewagen der Firma Hofmann heraus. Singen macht hungrig. Und durstig! Auch diesmal gibt es Programmhefte – zu einem symbolischen Euro. Der soll helfen, um die Auslagen zumindest halbwegs einzuspielen.

Hohe Ehrung vom Bundespräsidenten

1997 wurde der Colditzer Männerchor vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog mit der Zelter-Plakette ausgezeichnet. Zelter (1758-1832), Komponist und Chordirigent, war Begründer der Singebewegung, auf ihn gingen zahlreiche Liedertafeln und Liederkränze zurück. Gerade in der Weihnachtszeit erfreute sich schon damals das Singen besonderer Beliebtheit.

Es gab weder Radio noch Plattenspieler, die Leute trafen sich in Gasthäusern oder – wie in Colditz – auf dem Markt. Im Archiv des Männerchores findet sich ein Eintrag, wonach es 1871 ein erstes Weihnachtssingen gab. Stille Nacht, O du fröhliche, Macht hoch die Tür – noch immer animiert der Chor am Heiligen Abend rund 1000 Colditzer zum gemeinsamen Singen.

Königliche Besuch hat sich angekündigt

Beim Pfingstsingen wird neben Bürgermeister Robert Zillmann auch Birkenkönigin Sandy I. erwartet. Gisela Kirchner kommt mit den Musikfreunden. Für zünftige Begleitung sorgen die Trebsener Blasmusikanten. Die feierten erst kürzlich ihr 50-jähriges Bestehen. In Colditz werden sie mit der Ehrenplakette der Liedertafel Colditz gewürdigt.

Kein Wunder: Die Trebsener sind langjährige Unterstützer des Pfingstsingens. Wer wüsste das besser als deren musikalischer Leiter Tilo Gründel: „Einmal hatte es im Wald so stark geregnet, dass wir mit unserem Bus im Morast stecken blieben. Bei dem ziemlichen Gefälle waren zehn Anschieber nötig, um uns aus der misslichen Lage zu befreien. Unvergesslich!“

Wetter spielt mit – fast immer

In den vergangenen 40 Jahren ist das Pfingstsingen wegen schlechten Wetters nur ein einziges Mal ausgefallen. Das war in den Achtzigern, es schüttete wie aus Kannen und trotzdem erschienen 34 Zuhörer mit Regenschirm. Die Colditzer schreckt eben nichts so schnell ab. Sollte es am Montag tröpfeln –kein Problem: Gesungen wird schließlich unterm schützenden Blätterdach.

Von Haig Latchinian

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