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Grimma Colditz kauft Streckenteil der alten Muldentalbahn
Region Grimma Colditz kauft Streckenteil der alten Muldentalbahn
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10:51 02.04.2019
Ein Wasserstoffzug führt Probe: Am Grimmaer Bahnhof warten viele Fans.
Ein Wasserstoffzug führt Probe: Am Grimmaer Bahnhof warten viele Fans. Quelle: Thomas Kube
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Colditz

Grimma will den Anschluss ans S-Bahn-Netz. Rochlitz will ihn. Und Colditz auch. Alle drei Kommunen setzen auf die bahnbrechende Neuerung namens Wasserstoffzug. Wie berichtet, fuhr der weltweit erste, mit Wasserstoff betriebene Zug kürzlich in Grimma ein. Die Werbetour des französischen Konzerns Altstom, der den blauen Blitz baut, brachte seitdem einiges ins Rollen.

In schickem Blau präsentiert sich der neue Wasserstoffzug, der am Freitag leise von Leipzig nach Grimma fuhr.

Muldentalbahn von Colditz nach Großbothen reaktivieren

Die parteilosen Stadtoberen Robert Zillmann (Colditz) und Frank Dehne (Rochlitz) waren bei ihrem Grimmaer Amtskollegen Matthias Berger. Sie baten um Unterstützung für das gemeinsame Projekt, ein Teilstück der alten Muldentalbahn von Rochlitz über Colditz nach Großbothen zu reaktivieren.

Der ebenfalls parteilose Berger sicherte ihnen Rückendeckung zu. Er weiß, eine Anbindung der Städte Rochlitz, Colditz und Grimma an die S-Bahn würde das Lebensgefühl der Bewohner maßgeblich erhöhen. Grimma möchte fortan zum Standort für den Wasserstoffantrieb als Schlüsseltechnologie werden. Aber auch Rochlitz und Colditz sind am Zug.

Colditz erwirbt für 20.000 Euro Gleise

So besitzt Colditz nicht nur das Vorkaufsrecht für Abschnitte der alten, unter Denkmalschutz stehenden Muldentalbahn, sondern macht es nun auch geltend. Für 20 000 Euro wird die Kommune die Gleise von Zschetzsch bis Lastau erwerben. Der Stadtrat nickte den Antrag der Verwaltung einstimmig ab. Ähnliche Schritte wurden in Rochlitz eingeleitet.

Anfang des Jahres bekam das Rathaus Wind davon, dass die Mittelsächsische Eisenbahninfrastrukturgesellschaft mbH mit Sitz in Chemnitz besagtes Teilstück an die acies GmbH in Eilenburg veräußern will. Da eine mögliche Anbindung der Muldentalbahn ans S-Bahn-Netz konkreter geworden sei und außerdem Unternehmen an der Strecke ihren Güterverkehr über die Bahn abwickeln würden, zog Colditz sein Vorkaufsrecht.

Anbindung an die S-Bahn Zukunftsmusik

Der Zweckverband Nahverkehr lässt die Realisierbarkeit dieser potenziellen Strecken für den Wasserstoffzug prüfen. Quelle: pd

Wählervereinigung entdeckt Herz für die Bahn

Für Dirk Kießling von der Bahnnostalgie Muldental bedeutet das Votum der Colditzer Stadträte mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Er begrüßt die Kaufabsichten ausdrücklich. Bis zuletzt veranstaltete der Eisenbahnfreund touristische Sonderfahrten auf den verwaisten Schienen. Fassungslos reagierte Kießling, der zur Stadtratswahl am 26. Mai für die FDP kandidiert, auf die jüngst in der LVZ abgedruckten Einlassungen der Freien Wählervereinigung „Für unsere Heimat“.

Jahrelang habe sich Ex-Bürgermeister Matthias Schmiedel kein bisschen um die Muldentalbahn geschert, kritisiert Kießling: „Und jetzt entdeckt ausgerechnet er sein Herz für die Bahn – das nenne ich scheinheilig“, so Kießling, der stets das Gefühl hatte, von Schmiedel als Spinner betrachtet zu werden.

Anbindung an Leipzig ist Schlüssel für weitere Entwicklung

Wie berichtet, bezeichnet die Liste „Für unsere Heimat“, für die Schmiedel kandidiert, die öffentliche Verkehrsanbindung an das Ballungszentrum Leipzig als zentrales Anliegen. Die S-Bahn von Grimma über Colditz bis Rochlitz sei der Schlüssel für eine kontinuierliche Entwicklung zur familienfreundlichen Stadt. Er habe nie etwas gegen Kießling gehabt, stellt Schmiedel auf Nachfrage klar: „Ich war und bin ein Verfechter der Anbindung des ländlichen Raumes an die Bahn. Nur muss diese den richtigen Betreiber haben. Auf die Deutsche Regional Eisenbahn jedenfalls trifft das nicht zu.“

Von Haig Latchinian

01.04.2019
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