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Grimma Colditzer gewinnt bundesweiten Fotowettbewerb
Region Grimma Colditzer gewinnt bundesweiten Fotowettbewerb
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11:54 09.04.2019
Der Colditzer Eberhard Jasinski hat beim deutschlandweiten Fotowettbewerb „100 Bilder des Jahres“ einen Hauptpreis abgeräumt.
Der Colditzer Eberhard Jasinski hat beim deutschlandweiten Fotowettbewerb „100 Bilder des Jahres“ einen Hauptpreis abgeräumt. Quelle: Thomas Kube
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Berlin

Die Auszeichnung kam genau zur richtigen Zeit. Gewissermaßen als Kerze auf die Jubiläumstorte. Eberhard Jasinski fotografiert seit 50 Jahren. Mit 14 verdiente er sich auf dem Bau seine erste Exa 500. Seitdem lässt ihn die Kamera nicht mehr los.

Nie hätte sich der heute 64-jährige Apotheker im Ruhestand träumen lassen, jemals bei einem bundesweiten Fotowettbewerb abzusahnen. Umso größer die Freude des Colditzer Hobbyfotografen, der mit dem Hauptpreis der „100 Bilder des Jahres“ gewürdigt wurde.

Seit einem Vierteljahrhundert veranstaltet die in Berlin ansässige Gesellschaft für Fotografie (GfF) den deutschlandweiten Fotowettbewerb „100 Bilder des Jahres“. Diese Hobby-Fotografen aus dem Muldental waren bei dem Wettbewerb erfolgreich.

Apotheker im Ruhestand trifft sich zu Shootings

Sechs Fotos sandte der 64-Jährige ein. Drei seiner Bilder kamen in die Wertung. Unter ihnen „Pique Dame“. Die Montage zeigt Kristin aus Borna. Die Endzwanzigerin posiert in luftig-blauem Tüll. Der Stoff, aus dem Träume sind. „Der Hauch Erotik war gewollt. Ich kenne die lebensfrohe Kristin schon lange. Wir sind vertraut miteinander. Alle Vierteljahre treffen wir uns zu Shootings“, sagt der Meister.

Die Montage „Pique Dame“ zeigt Kristin aus Borna. Quelle: Eberhard Jasinski

Eberhard Jasinskis Fotos sind von langer Hand geplant

Das Besondere nicht nur das goldblonde Haar, auch der etwas andere goldene Schnitt: „Und zwar genau Höhe Bauchnabel. Am Computer habe ich beide Aufnahmen deckungsgleich zusammen gefügt. So entsteht eine Pik-Dame wie beim Kartenspiel.“ Der Betrachter kann noch so nah an das Bild heran treten, er wird den Übergang des Spiegelbildes nicht entdecken. Alles ist fließend und blau wie die Mulde an einem Sonnentag.

Weitere Bilder aus dem Landkreis Leipzig

Thomas Kube, Leiter des Fotovereins Grimma, freut sich für seinen ehemaligen Mitstreiter: „Eberhard Jasinski war bei uns viele Jahre Mitglied, hat sein fotografisches Handwerk hier weiterentwickelt.“ Der Verein ist für sein hohes Niveau bekannt: „Wir alle sind bereit, ständig hinzuzulernen. Ich denke, das macht uns aus: Niemand glaubt, dass er unfehlbar ist, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Dieses kritische Klima macht Erfolge erst möglich“, so Kube, Fotograf bei der Leipziger Volkszeitung. Er selbst ist in diesem Jahr mit bei den „100 Bildern des Jahres“ vertreten – genauso wie seine Vereinskollegen André Heidner, Sylvia Jassmann, Annette Jünger, Hubertus Letzner, Ulla Schaefer, Günther Schulze und Gerhard Weber.

Es ist kein Schnappschuss, sondern eine Arbeit, von langer Hand geplant und vorher bis ins kleinste ausgetüftelt: „Ich habe zunächst etliche Skizzen gemalt. Die Armhaltung musste genauso sein wie auf dem Foto zu sehen. Andernfalls hätte es bei der Bildbearbeitung mit dem bruchlosen Übergang nicht funktioniert“, so der bekennende Kartenspieler: „Beim Doppelkopf gilt die Pik-Dame als einer der höchsten Trümpfe“, lacht er.

Aufnahme dem Colditzer vom Bootssteg aus

Wie bei „Pique Dame“ ist auch bei seinem nächsten Foto „Falsch rum“ völlig egal, wie es an der Wand hängt. Es steht niemals auf dem Kopf. Wer kann das von seinen Bildern schon sagen? Entstanden ist die Arbeit am Göta-Kanal in Schweden. Die 190 Kilometer lange Wasserstraße verbindet die Ostsee mit der Nordsee. Dabei überwindet sie einen Höhenunterschied von mehr als 90 Metern. 58 Schleusen zwischen Stockholm und Göteborg machen das möglich.

Das Foto „Falsch rum“ entstand am Göta-Kanal in Schweden. Quelle: Eberhard Jasinski

„An einer Schleuse mussten wir länger warten. Da entdeckte ich dieses Haus. Zwischen Seerosen spiegelte es sich im Wasser“, sagt Eberhard Jasinski. Ein Bild, bei dem Wellen zu Wolken werden. Ein fotografisches Aquarell. Die Aufnahme gelang dem Colditzer vom Bootssteg aus. Er erfreut sich daran, wie die Betrachter ihre Hälse beinahe im Stil der Schwäne verdrehen: „Bei meinen früheren Bildern musstest du weiter weggehen, um sie zu durchschauen. Inzwischen ist das genau anders herum.“

Germany’s Next Topmodel ist Hexe aus Colditz

Nicht von dieser Welt scheint auch das dritte Gewinnerfoto: „Germany’s Next Topmodel“, lautet der Titel. Das Foto zeigt keine Hochglanz-Schönheit. Zu sehen ist Petra Kreller, die eine Hexe mimt. Das Bild ist bei der Colditzer Schlossweihnacht entstanden. Dabei verkleiden sich Bürger der Stadt traditionell als Märchenfiguren: „Meine Frau Ute zum Beispiel ging als Frau Holle. Mit ihren Goldmarien Marie Günther und Annett Baronius schüttelte sie auf dem Rathausbalkon die Betten aus.“

Das Hexen-Bild ist bei der Colditzer Schlossweihnacht entstanden. Quelle: Eberhard Jasinski

In der Pause legte Petra Kreller ihre lange Hexennase ab, um einen Kaffee zu trinken. Der Fotograf saß ihr direkt gegenüber. Die Stimmung war gelöst. Das Licht toll. Die Gelegenheit günstig. „Ich sagte: Petra, zeig’ mir mal bitte deine Teelichter. Sie spielte mit und plötzlich färbten sich ihre Augen im Kerzenlicht glutrot – Wahnsinn!“

Hans-Jürgen Horn Quelle: Mario Jahn

Sie sehe klasse aus, witzelte Eberhard Jasinski und schlug ihr vor, sich auf der Stelle bei Heidi Klum zu bewerben. So kam das Bild zu seinem Titel. Fast ohne Hexerei.

Das sagt der Präsident

Hans-Jürgen Horn, Präsident der Gesellschaft für Fotografie, ist voll des Lobes über die prämierten Arbeiten des Hauptpreisträgers: „Eberhard Jasinski besticht mit Vielfalt, Originalität und Qualität. Die Jury honorierte vor allem die optische Anziehungskraft, die von seinen Bildern ausgeht.“ Entscheidend, so der Präsident, sei nicht die Wirkung des Erlebnisses auf den Fotografen, sondern die Magie, die von dem Werk ausgeht.“ Die Ausarbeitung zeuge von höchster Meisterschaft, attestiert die Jury. Nach Angaben von Hans-Jürgen Horn beteiligten sich bundesweit 329 Fotografen mit knapp 2500 Bildern an dem Wettbewerb. Zu 80 Prozent handele es sich um Amateure, die Übrigen seien Profis.

Genau dieses Miteinander von Hobby- und Berufsfotografen mache auch die Einzigartigkeit des zum 25. Mal ausgeschriebenen bundesweiten Wettbewerbes aus. In vier Wochen erscheine der Katalog mit den ausgewählten 100 Bildern. Wie immer gehen die Fotos auch in diesem Jahr auf Reisen. Noch bis Mai sind sie in Berlin zu sehen, ehe sie bundesweit gezeigt werden – im Oktober auch in der Heimat des Hauptpreisträgers, in Colditz.

Horn: „Im Rahmen der Jubiläumsausstellung erinnern wir an zwei weitere wichtige Jahrestage – an 180 Jahre Fotografie und den 140. Geburtstag von Oskar Barnack. Barnack gilt als Erfinder der Kleinbildkamera. In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit Naturfotografie, war aber wegen seines Asthmas nicht in der Lage, die großen und schweren Platten- und Großformatkameras zu transportieren. „Daher entwickelte er die erste Leica, die die Fotografie demokratisieren sollte. Von da ab war das Metier kein Privileg einiger weniger mehr“, sagt Hans-Jürgen Horn: „Mittlerweile sind auch unsere Telefone mit fotografischen Funktionen ausgestattet – Millionen von Deutschen haben Lust, selber Bilder zu machen.“

Von Haig Latchinian