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Grimma Desolate Altstadt: Mutzschen hängt weiter in der Warteschleife
Region Grimma Desolate Altstadt: Mutzschen hängt weiter in der Warteschleife
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08:00 24.01.2017
Nicht wenige Häuser in Mutzschen sind dem Verfall preisgegeben. Das sogenannte Wapplerhaus ist eines der ältesten Gebäude im Ort. Quelle: Foto: Thomas Kube
Grimma/Mutzschen

Fremde, die sich nach Mutzschen verirren, könnten meinen, hier sei die Zeit stehen geblieben. Nicht wenige Gebäude im Stadtzentrum tragen den mausgrauen Putz aus DDR-Zeiten und sind dem Verfall preisgegeben, Straßen und Gehwege warten auf eine grundlegende Erneuerung. Jetzt keimt die Hoffnung, aus dem Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, kurz SOP, bis 2022 drei Millionen Euro in den Grimmaer Ortsteil zu holen. Doch wegen der schwierigen Haushaltlage der Muldestadt liegen Hindernisse auf dem Weg. Erst vor kurzem gab es dazu ein Gespräch im Dresdner Innenministerium.

Im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden hat Mutzschen seit der deutschen Einheit nur wenig von Förderprogrammen profitieren können. „Alle Bürgermeister hatten sich bemüht, scheiterten aber“, sagt Grimmas Leiter des Stadtentwicklungsamtes, Jochen Lischke. „Die Formel ist einfach, aber traurig“, ergänzt Ortsvorsteher Carsten Graf: „Aus Dorfentwicklungsprogrammen bekam Mutzschen kein Geld, weil es Stadtrecht besitzt, aus den Programmen für Städte gab es nichts, weil die Einwohnerzahl unter 2500 liegt.“ In der Kleinstadt, die seit 2012 zu Grimma gehört, leben 1300 Menschen, mit den acht einstigen Ortsteilen sind es rund 2250.

Immerhin war es laut Graf nach langem Kampf gelungen, im Jahr 2006 Aufnahme ins Stadtentwicklungsprogramm SEP zu finden. 700 000 Euro flossen aus dem Topf nach Mutzschen, „mit denen wir drei Maßnahmen umgesetzt haben“. Die Kleinstadt kaufte für den späteren Neubau der Feuerwehr die sogenannte Großküche an. Zudem wurden zwei städtische Häuser saniert und der sogenannte Töpfermarkt und ein Teil der Unteren Hauptstraße in Schuss gebracht. „Wir sollten bis 2022 im SEP bleiben, doch 2009 bestellte uns die Sächsische Aufbaubank ein und teilte mit, dass das Geld aus dem Programm alle sei“, so Graf enttäuscht.

Unter Ägide der Stadt Grimma wurde 2015 ein neuer Anlauf unternommen und eine Bewerbung fürs SOP eingereicht, ein Förderprogramm, bei dem Bund, Land und Kommune je ein Drittel der Investitionskosten tragen. „Wir wurden zunächst nicht aufgenommen und erhielten die Auflage, das städtebauliche Entwicklungskonzept für Mutzschen nachzuarbeiten. Das haben wir getan“, erläutert Graf, dessen Amtszeit als hauptamtlicher Ortsvorsteher am 30. April endet. Im vorigen Jahr gab es dann grünes Licht für Mutzschen – der Geldhahn ist jedoch nach wie vor verschlossen.

„Beim Antrag gingen wir davon aus, 2017 ein bisschen und 2018 so richtig einzusteigen“, erklärt Amtsleiter Lischke. „Wir waren voller Enthusiasmus, in Mutzschen wieder loslegen zu können, doch dann kamen die Schwierigkeiten durch unsere Haushaltlage.“ Wegen der Konsolidierung, die Grimma 2016 verordnet wurde, „könnten wir uns Maßnahmen in Mutzschen eigentlich nicht leisten“. Also fuhr im Dezember eine Grimmaer Abordnung ins Innenministerium, um Möglichkeiten auszuloten. „Beim Gespräch gab es eine Erkenntnis“, verdeutlicht Ortsvorsteher Graf: „Wenn wir diesen Strohhalm nicht nutzen, bleibt für die schöne Altstadt von Mutzschen nur noch ein Abrissprogramm.“ Offenbar fanden die Grimmaer Gehör. Lischke: „Eine Befreiung vom Eigenanteil wurde uns nicht versprochen, aber für Einzelmaßnahmen bei Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten Hilfe zugesagt.“ Im Klartext: Möglicherweise muss die klamme Kommune für einige wichtige Projekte in diesem und im nächsten Jahr nur zehn Prozent der Kosten tragen. „Wir sind in einer Phase, wo sich das Blatt zum Positiven wandeln könnte“, formuliert es Lischke vorsichtig. Und Graf: „Jetzt geht es darum, auf Sparflamme im Programm zu bleiben und in vier, fünf Jahren – bei verbesserter Haushaltlage – richtig durchzustarten.“

Mit seiner Altstadt soll Mutzschen zunächst bis 2022 aus dem Sanierungsprogramm SOP Geld schöpfen – die Kommune ebenso wie Private. Für diesen Zeitraum stehen drei Millionen Euro im Raum. Im Entwicklungskonzept sind bis zu 20 dringende Maßnahmen dargestellt, darunter auch Infrastruktur wie die Obere Hauptstraße. Das Schloss, das die US-Amerikanerin Deborah Hey 2015 erwarb, soll laut Graf ein Schwerpunkt sein und könnte „wieder zum Kristallisationspunkt für Mutzschen“ werden. Das sogenannte Wappler-Haus, in dem anno dazumal der Amtsschösser lebte, wird aber wohl weiter verfallen. „Wir sind nicht Eigentümer der Liegenschaft. Vom Erwerb und der Sanierung haben wir uns verabschiedet“, sagt Amtsleiter Lischke.

Von Frank Prenzel

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