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Grimma Deutsche Regeln helfen in Naunhof nicht weiter
Region Grimma Deutsche Regeln helfen in Naunhof nicht weiter
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12:05 06.08.2019
Gemeinsames Training: Japaner und Deutsche übten ihre Karate-Techniken in der Sporthalle der Oberschule Naunhof. Quelle: Brandon Schramm
Naunhof

Sie kamen, sahen und siegten. Zehn japanische Jugendliche weilen derzeit beim Naunhofer Aktivsportverein Saxonia, der sich dem Karate verschrieben hat.

Beim Besuch geht es aber nicht nur darum, sich mit Gleichaltrigen aus dem ganzen Landkreis kräftemäßig zu messen. Vielmehr sollen die Mädchen und Jungen beider Länder im Rahmen des von der Deutschen Sportjugend organisierten Austauschs Menschen und Kultur des jeweils Anderen kennenlernen.

Aufstellen zum Gruppenfoto: Gäste und Gastgeber vorm Domizil des Kreissportbundes im Naunhofer Bahnhof. Quelle: Brandon Schramm

Dazu gehören auch Regeln, und seien es nur die des Völkerballs. „Sie unterscheiden sich komplett von den unsrigen“, sagt Takuma Kobayashi, dessen Worte Dolmetscher Nils-Eric Schmidt übersetzt. Gespielt wurde am Sonntag in der Halle der Naunhofer Oberschule – freilich nach deutschen Normen. Geholfen hat das den Einheimischen jedoch nicht, sie unterlagen mit 1:2.

Eine Sportart, unterschiedliche Stile

Die Gastgeber trugen es gelassen. „Für uns handelt es sich in erster Linie um die Begegnung mit einem Land, aus dem der Sport stammt, den wir betreiben“, erklärt Saxonia-Präsident Michael Schramm. „Die Japaner, die zu uns kamen, haben ganz andere Stile. Sie zeigten uns ihre Übungen und wir ihnen unsere.“ Neu war für die Asiaten, wie sie verschmitzt lächelnd bekennen, die Kombination aus Karate und brasilianischem Capoeira-Kampftanz, die die Sachsen speziell für Showeinlagen einstudiert haben.

Zu Gast beim Schützenbund Naunhof und Umgebung: Die japanischen und deutschen Jugendlichen probierten sich im Bogenschießen. Quelle: Brandon Schramm

Bogenschießen bei den Naunhofer Schützen, Bowling in Markkleeberg, Beachvolleyball in Deuben – das Programm sah weitere sportliche Begegnungen vor. Doch neben allem Spaß sollten auch ernstere Dinge angesprochen werden. Das Jahresthema des Kreissportbundes, dessen Geschäftsstelle Gäste und Gastgeber im Naunhofer Bahnhof besuchten, lautet Inklusion. Und die Frage stand an, wie beide Länder damit umgehen.

Unterschiedlicher Umgang mit Inklusion

Sie kamen, sahen und entdeckten Unterschiede. „Es gibt in unseren Bahnen schon Behindertensitze, aber die Problematik ist noch nicht wirklich angekommen“, bekennt Takuma Kobayashi, Sprecher der Gruppe aus den Präfekturen Okayama, Hiroshima und Shimane. „Wir haben uns, nachdem wir von Inklusion gehört hatten, erst einmal belesen und gemerkt, wie viel Nachholebedarf wir haben.“

Für Michael Schramm handelt es sich dabei hingegen um einen alten Hut. „Wenn jemand eine geistige oder körperliche Behinderung hat, integrieren wir ihn in unsere normalen Trainingsgruppen, soweit das möglich ist“, erklärt er. „Natürlich nehmen wir auch Rücksicht, doch generell werden alle gleichbehandelt. So etwas muss selbstverständlich sein, ohne viel darüber zu reden.“

Unterschiede bei Rücksichtnahme

Hier bemühen sich die Einen mehr, dort die Anderen. „Bei den Deutschen spielten oft Eltern und Kinder gemeinsam in einem Team gegen uns“, bemerkt Kobayashi. „So etwas kommt bei uns nur selten vor. Und wenn, dann nehmen die Erwachsenen große Rücksicht. Hier hingegen legten sie sich voll ins Zeug und wollten unbedingt gewinnen.“

Zwei Karate-Welten: Japaner und Deutsche zeigten sich gegenseitig ihre Stile. Quelle: Brandon Schramm

Das aber nur auf dem Parkett und der Matte, denn jenseits des sportlichen Wettbewerbs nahmen sie die Japaner herzlich in ihre Familien auf. Einige führten sie zur Burg Gnandstein, andere zum Wermsdorfer Schloss und zur Döllnitzbahn. Scheinbare Kleinigkeiten fielen dabei Nico Nebel aus Naunhof auf: „Bei ihnen gehört es immer dazu, sich einen guten Appetit zu wünschen. Und sie sind stets sehr höflich, entschuldigen sich für alles, selbst wenn sie an einem Missgeschick gar nicht schuld sind.“ Der 17-Jährige fand das zum Teil übertrieben, betont aber: „Die Welt muss doch nicht einheitlich sein!“

Gegenbesuch im nächsten Jahr

Sie kamen, sahen und staunten. Zum Rahmenprogramm des Besuchs gehörte es unter anderem, Naunhof, Dresden mit Landtag und Sächsischer Staatskanzlei sowie Leipzig zu besichtigen, wo ein Besuch der Red-Bull-Arena, des BMW-Werkes und in Auerbachs Keller anstanden. Fasziniert haben die Asiaten aber vor allem zwei Dinge. „Die Menschen sind hier sehr groß, und es gibt so viele alte Kirchen“, sagt Takuma Kobayashi. Damit auch Jugendliche aus den acht Orten von Lossatal bis Frohburg, in denen der Saxonia-Verein Trainings anbietet, ähnliche Erfahrungen sammeln können, werden sie nächstes Jahr zum Gegenbesuch aufbrechen. Einen solchen Austausch hatte es schon einmal 2014/15 gegeben.

Von Frank Pfeifer

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