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Grimma Die Qual der Wahl beim Internetanbieter
Region Grimma Die Qual der Wahl beim Internetanbieter
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00:21 21.07.2018
Glasfaser direkt ins Haus oder übers vorhandene Kupferkabel per sogenanntem Vectoring surfen? Die Trebsener Einwohner haben es selbst in der Hand. Quelle: Archiv
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Trebsen

 Telekom, Deutsche Glasfaser AG oder im Ortsteil Altenhain zusätzlich die Firma Drahtlos DSL? Viele Trebsener stehen momentan vor der schwierigen Entscheidung, welchen Anbieter sie fürs schnelle Internet wählen sollen, zumal die Stadt noch zwei weitere Eisen im Feuer hat. Sie fragen sich, wie sie sich verhalten sollen – auch im Hinblick auf Altverträge. Die LVZ versucht, den Wirrwarr zu entflechten.

Was bietet die Telekom?

Grob gesagt, versorgte die Deutsche Telekom bisher ganz Trebsen mit Telefon und Internet. Neichen sowie große Teile der Kernstadt und von Seelingstädt haben schon schnelle Breitbandverbindungen oder sollen sie in Kürze erhalten. Der Marktführer bietet dort das sogenannte Vectoring an. Die Höchstgeschwindigkeit der Leitungen beträgt hierbei 100 Megabit pro Sekunde. Diese Bandbreite erhält aber nur, wer in direkter Nähe des Kabelverteilers wohnt. Alle anderen bekommen weniger zum vollen Preis. Für Altenhain, wo immer noch mit Modemgeschwindigkeit gesurft wird, fällt die Telekom als Anbieter von Zukunftstechnologie ganz weg. „Wir planen keinen Ausbau in Altenhain“, teilt deren Sprecher Georg von Wagner mit.

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Was bietet die Deutsche Glasfaser?

Neu ins Spiel gebracht hat sich die Deutsche Glasfaser AG (DG), die in der Region gegenwärtig eine Kommune nach der anderen flächendeckend erschließt. Und zwar mit Kabeln, die eine Geschwindigkeit von maximal einem Gigabyte zulassen, die wirklich in jedem Haushalt ankommt, der sie bucht. Die Stadt Trebsen hat mit dem Unternehmen aus Borken an der holländischen Grenze einen Wegenutzungsvertrag abgeschlossen. Als nächstes läuft eine Nachfragebündelung. Entscheiden sich mindestens 40 Prozent eines Ortsteils für die DG, bringt die Firma dort Glasfaserkabel bis in den entlegensten bewohnten Winkel – die Kernstadt inbegriffen. Dazu fräst sie die Gehwege pro Tag auf rund 800 Metern Länge auf und verschließt sie nach der Verlegung am selben Abend. Vorgärten durchschießt sie mit Erdraketen. Wer im Vorfeld einen Vertrag abschließt, bezahlt für diese Arbeiten nichts.

Was bietet Drahtlos DSL?

Weil die Telekom schon damals keine Ambitionen zeigte und die DG noch nicht auf der Matte stand, begann die Grimmaer Firma Drahtlos DSL im Frühjahr mit der Erschließung von Altenhain. Ihr Ziel war es, Glasfaserkabel in der Trebsener Landstraße über die Hauptstraße bis in die Ammelshainer Straße zu verlegen und die meisten anderen Ortsgebiete mit Vectoring zu versorgen. In der Stadt wird davon ausgegangen, dass Drahtlos DSL dieses Vorhaben weiter verfolgt, auch wenn sie jetzt Konkurrenz erhielt; von der Firma war jedoch keine Stellungnahme zu erhalten.

Was wird aus Randbereichen?

In der Kernstadt, Seelingstädt und Altenhain würden Randbereiche übrig bleiben, die niemand mit schnellem Internet versorgt, falls in diesen Orten nicht genügend Haushalte der DG ihr Vertrauen schenken. Für diese entlegenen Gebiete, unter anderem Walzig, hat die Stadt eine Notsicherung eingebaut und einen Förderantrag für den Glasfaserausbau gestellt. Bauamtsleiterin Marika Haupt geht davon aus, dass der Freistaat die Verlegung zu 100 Prozent bezahlen würde.

Und wenn alle Stricke reißen?

Die Stadt schloss auch noch einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Landratsamt, der über eine eigene GmbH bis 2022 den staatlich geförderten flächendeckenden Ausbau eines Breitbandnetzes im Landkreis steuern und koordinieren will. „Alles, was wir angeschoben haben, bleibt davon unberührt und läuft weiter“, sagt Bürgermeister Stefan Müller (CDU). „Aber wir wissen nicht, ob bei uns weiße Flecken bleiben. Für diese wäre das Vorhaben des Landkreises eine weitere Absicherung.“

Für wen soll ich mich entscheiden?

Einen Ratschlag, welcher Anbieter für wen der richtige ist, darf Steffen Lämmel vom Trebsener Bauamt nicht geben. „Würde ich einen bevorzugen, wäre das Wettbewerbsverzerrung“, erklärt er und gibt zu bedenken: „Die Frage ist, was ich als Hauseigentümer will. Reicht mir das Vectoring oder brauche ich Glasfaser, weil ich zum Beispiel im Homeoffice arbeite?“ Viele Experten meinen, das Vectoring sei nur eine Übergangstechnologie, schon in naher Zukunft würden verbreitet höhere Geschwindigkeiten als 100 Megabit pro Sekunde gebraucht.

Wie komme ich aus Altverträgen raus?

Normalerweise bestehen zurzeit Verträge mit der Telekom. Wer sie kündigen will, dem rät das Unternehmen, im Grimmaer Telekom-Shop unter Telefon 03437/70 71 70 oder auf der kostenlosen Hotline 0800/3 30 10 00 anzurufen. Die Deutsche Glasfaser AG bietet potenziellen Neukunden in dringenden Fällen die Nummern 02861/8 13 34 00 und 89 06 00. Wenn die DG einen bestellten Anschluss installiert und zu diesem Zeitpunkt noch eine Restlaufzeit von maximal zwölf Monaten beim alten Anbieter besteht, fallen bei ihrem Unternehmen keine Kosten an, versichert Nancy Pfaff, Koordinatorin Marketing & Kommunikation der DG. Es müsse also nicht doppelt gezahlt werden.

Von Frank Pfeifer

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