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Grimma Die Vorleser: Naunhof ist Ausrichter des Sachsenfinales
Region Grimma Die Vorleser: Naunhof ist Ausrichter des Sachsenfinales
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14:54 10.05.2019
Die Organisatorinnen Gisela Reißmann und Annett Martin (v.l.) bereiten in Naunhof den Sachsenentscheid im bundesdeutschen Vorlesewettbewerb vor.
Die Organisatorinnen Gisela Reißmann und Annett Martin (v.l.) bereiten in Naunhof den Sachsenentscheid im bundesdeutschen Vorlesewettbewerb vor. Quelle: Thomas Kube
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Naunhof

Man stelle sich vor, Suhl bekommt den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele, bereitet sich akribisch vor, ist in heller Aufregung und plötzlich heißt es April, April, das Olympische Komitee habe sich getäuscht, die Spiele gingen nach Seoul.

So ähnlich passierte es im Vorjahr. Mit dem Unterschied, dass es sich nicht um Olympia handelte. Schlimmer: um den Sachsenausscheid im bundesdeutschen Vorlesewettbewerb. Um dessen Ausrichtung hatte sich Naunhof beworben. Doch nicht nur Naunhof bekam die Zusage. Fälschlicherweise auch Leipzig. Knapp drei Wochen vorm mit Spannung erwarteten Finale cancelte der Frankfurter Börsenverein des Deutschen Buchhandels das Finale in Naunhof. Statt an der Parthe lasen die Sechstklässler an der Pleiße. Und Naunhof schaute in die Röhre.

60. Auflage des Lesewettbewerbes mitten in Naunhof

Stefanie Teichmann, Leiterin der Bibliothek Naunhof. Quelle: Andreas Döring

Um seinen Fehler halbwegs wettzumachen, versprach der Börsenverein rasch, den Jubiläumswettbewerb 2019 definitiv nach Naunhof zu vergeben. Zur Freude der rührigen Organisatorinnen Annett Martin, Gisela Reißmann, Brigitte Thiel, Ilona Janek und allen voran Stefanie Teichmann, Leiterin der Stadtbibliothek Naunhof. Am Sonnabend, 10 Uhr (Besucher willkommen), erwarten die Nimmermüden im Bürgersaal des Stadtgutes die sechs besten Vorleser Sachsens – vier Mädchen und zwei Jungs aus Bautzen, Dresden, Chemnitz, Neukirchen, Markkleeberg und Leipzig.

Naunhof ist die Lesehauptstadt des Muldentals

Nach 2011 und 2013 ist die Parthestadt somit zum dritten Mal Gastgeber des Sachsenausscheids. Für Stefanie Teichmann ist es ein weiterer Höhepunkt innerhalb einer Serie von mehr als 50 kleineren und größeren Vorlesewettstreiten seit 1991. Naunhof ist die Lesehauptstadt des Muldentals. Das weiß auch Sachsens Kultus-Staatssekretär Herbert Wolff, der sich in Naunhof persönlich die Ehre geben wird: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, denn Lesen macht schlau!“

Die Finalisten, die in Naunhof aus einem Lieblingsbuch sowie einen unbekannten Text lesen, setzten sich zuvor in ihrer Schule, ihrer Stadt und ihrer Region durch. Der Sieger von Naunhof vertritt Sachsen am 26. Juni beim Bundesfinale in Berlin. Sie bedauere, dass diesmal kein Schüler aus dem Muldental in Naunhof dabei sei: „Unvergessen bleiben die Triumphe von Anna-Maria Sehrt und Maria Krell, die es 2009 beziehungsweise 2015 von Naunhof bis Berlin schafften.“

Erich Kästner saß auch in der Jury

Der diesjährige Vorlesewettbewerb ist ein ganz besonderer: Bereits zum 60. Mal geht er über die Bühne. 1959 soll beim Finale im Frankfurter Goethehaus kein Geringerer als Erich Kästner in der Jury gesessen haben. Der beliebte Kinderbuchautor gehörte mit zu den heimlichen Vätern des Wettstreits.

Nichts überlassen die Naunhofer dem Zufall: So überreichen sie den Teilnehmern eine Lampenfiebertüte mit Taschentüchern für schwitzige Hände, Lutschern gegen den Hustenreiz und Lesezeichen zur Orientierung. Es hagelt Buchschecks und Bücherpreise. Norman Käckermann gestaltet das Bühnenbild. Magier Stefan Gärtner wird genauso erwartet wie Bürgermeister Volker Zocher.

Verlage unterstützen den Wettbewerb

In der Jury sitzen Britta Selle von MDR Kultur, Lucie Palisch, Geschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverbandes Sachsen, Antje Klyk von Hugendubel, Oliver Grimm, Kanzler der Hochschule für Musik und Theater, Ilona Janek, Schulleiterin im Ruhestand, Christa Winkelmann, ehemalige Geschäftsführerin vom Verlag für die Frau, sowie Angelika Snicinski-Grimm von der Universität Leipzig.

Von Wolke sieben grüßt die Finalisten ganz sicher Erich Kästner. In der Nähe, in Falkenhain, verlebte das Dresdener Großstadtkind seine Ferien. Dort schrieb Klein-Erich auch die allererste Postkarte seines Lebens. Seine Mutter, so kritzelte er auf dem Dachboden, brauche sich nicht zu sorgen. In Falkenhain gäbe es keine Straßenbahnen, sondern ab und zu höchstens einen Mistwagen, und vor dem nähme er sich schon in acht.

Von Haig Latchinian

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