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Grimma Diese skurrilen Dinge landen in den Fundbüros der Region
Region Grimma Diese skurrilen Dinge landen in den Fundbüros der Region
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10:00 09.05.2019
Jede Menge Fahrräder stehen im Außenlager des Grimmaer Fundbüros in Nerchau. Stadt-Mitarbeiterin Margit Stula zeigt eins davon. Wenn sich der Besitzer nicht findet, wird es versteigert. Quelle: Thomas Kube
Landkreis Leipzig

Gerda Zenker arbeitet schon seit 27 Jahren in der Gemeindeverwaltung des 1000-Seelen-Ortes Elstertrebnitz bei Pegau. In dieser Zeit nahm sie allerhand Fundsachen entgegen – doch die Geschichte mit dem Ehering war eine Premiere.

Vor zwei Jahren brachte ein ehrlicher Mensch diesen Ring zu ihr und erzählte, dass er ihn auf dem Spielplatz im Dorf gefunden hatte. Einen Ehering zu verlieren, kann ja eine heikle Sache sein.

Der Mann oder die Frau sollte ihn wiederhaben, dachten sich Gerda Zenker und ihr Chef, Bürgermeister David Zühlke. Sie veröffentlichten das gute Stück auf Facebook – und der Ehegatte ohne Ehering kam bald darauf in die Gemeindeverwaltung. „Er war ganz froh, als er ihn zurück bekam“, berichtete die Verwaltungsangestellte.

Motorrad Street Triple landet bei Online-Auktion

Der 34-jährige Marcel Weißenberger aus der Stadtverwaltung Kitzscher ist noch nicht so lange im Fundbüro. „So viel wird bei uns nicht abgegeben, wir haben 15 bis 20 Fundsachen im Jahr“, sagte er. Allerdings: Dabei waren auch schon Autos, Lkw und ein Motorrad.

Die Sache mit dem Motorrad, ein Street Triple des Herstellers Triumph, zog sich lange hin. Polizisten hatten es auf einem Parkplatz in Kitzscher entdeckt, es trug ein falsches Kennzeichen. Die Polizei ermittelte, ohne Erfolg – und übergab es an die Kommune. Mehr als ein Jahr später wurde es im Sommer vergangenen Jahres online versteigert. Auf der Plattform www.zoll-auktion.de, wo ausgemusterte Gegenstände aus Verwaltungsbehörden zu finden sind, aber auch Sachen, die die Polizei sicher stellte oder die von der Justiz gepfändet wurden.

Um dieses Motorrad kümmerte sich das Fundbüro in Kitzscher. Quelle: André Neumann

Im Zusammenhang mit Polizeiaktionen landeten auch schon ein Autos und ein Lkw im Fundbüro in Kitzscher. Entweder die Fahrzeuge wurden gestohlen oder ohne Nummernschild abgestellt. Wenn die Ermittlungen der Polizei nichts ergeben, „gilt es als Fundsache und kommt zu uns ins Fundbüro, egal wie groß es ist“, sagte Weißenberger. „Vor allem bei dem Lkw haben wir nicht schlecht geguckt.“ Immerhin: Das Gefährt wurde verkauft.

Kein Besitzer für „hohen Geldbetrag“ in Kitzscher – Finder freut sich

Der Ordnungsamtsmitarbeiter erinnert sich auch noch an einen „hohen Geldbetrag“, den ein ehrlicher Finder bei ihm abgab. Der Besitzer meldete sich nicht, „so bekam der Finder das Geld zu 100 Prozent ausgehändigt“. Sowas sei jedoch die „absolute Ausnahme“.

Manche Fundsachen will keiner zurück haben. Im LVZ-Archiv gibt es ein Beispiel aus dem Jahr 2002: In Kitzscher wurde damals eine Zahnspange abgegeben – und ordnungsgemäß wie alle Gegenstände mit dem Datum des Abgabetages versehen.

Noch verpackte Puppe wartet auf Besitzer in Grimma

Das Fundbüro Grimma im Bürgerbüro am Markt 17 hat nicht den Platz für so viele Fahrräder. Deshalb stehen die mehr als 20 Drahtesel am Bürgerzentrum im Ortsteil Nerchau. Um Wege zu verkürzen, können Dinge auch dorthin sowie in die Bürgerbüros Mutzschen, Dürrweitzschen und Großbothen gebracht werden.

„Wir haben drei bis vier Fundsachen in der Woche. Rund die Hälfte davon bekommen die Eigentümer zurück“, sagte Sebastian Bachran, Sprecher der Grimmaer Stadtverwaltung. Viele Schlüssel, Brillen, Handys und Fahrräder. Letztere gelangen oft über die Polizei ins Fundbüro. Aber auch ein Notstromaggregat, eine noch verpackte Puppe, Plüschtiere, ein Sport-Rucksack und ein Benzinkanister wurden abgegeben.

Bei Renate Böhler im Grimmaer Bürgerbüro sammeln sich verlorene Schlüsselbunde, Mobiltelefone und Geldbörsen an. Quelle: Thomas Kube

In aller Regel nehmen die Verwaltungsangestellten die Daten der Finder auf. „Aber manche wollen auch anonym bleiben und geben die Sachen nur ab“, so Bachran. Manch einer wirft den gefundenen Schlüssel mit einem Zettelchen einfach in den Briefkasten des Bürgerbüros.

Wie andere Kommunen auch veröffentlicht Grimma alle Fundsachen auf der Homepage. Bei Portemonnaies gibt es allerdings keine nähere Beschreibung – damit sich nicht ein falscher Besitzer meldet. Häufig finden sich in den Geldbörsen Ausweise, so dass die Rathaus-Mitarbeiter Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen können.

Xylophon im Jutta-Park in Kaditzsch gefunden

Auch Tiere werden abgegeben. „Entweder es lässt sich schnell klären, wem das Tier gehört, oder wir bringen es ins Tierheim“, sagte der Stadt-Sprecher. Kurios war im Jahr 2003 ein Xylophon im schwarz-braunen Koffer. Das Instrument hatte jemand im Jutta-Park in Kaditzsch gefunden.

Im Jahr 2005 tauchte unter dubiosen Umständen ein Ölgemälde im Grimmaer Fundbüro auf. Etwa 30 mal 30 Zentimeter, kaum wertvoll, Blumen in einer Vase, gerahmt immerhin. Wie es dahin kam, steht in einer Akte der Staatsanwaltschaft: eine abenteuerliche Geschichte von zwei gemeinen Trickbetrügern und einem Maler.

Trickbetrüger holen ihr Ölgemälde nicht ab

Die beiden Männer standen im April 2004 vor der Tür eines ahnungslosen Malers und fragten nach alten Nähmaschinen. Er hatte keine. Während einer der Männer ihn ins Gespräch verwickelte, schaute sich der andere in der Wohnung um. Schließlich fragten sie den Maler, ob er ihnen etwas Geld wechseln könne. Er öffnete unter den Augen der beiden Gäste eine Schublade. Wechseln konnte er nicht.

Zwei Monate später klingelte einer der beiden wieder an der Tür des Malers. In der Hand hatte er eben jenes Ölbild. Ob er es abmalen könne, wollte er diesmal vom Künstler wissen. Doch das Bild war offenbar nur Mittel zum Zweck. Denn während der Maler es sich anschaute, machte sich der vermeintliche Auftraggeber, der die Wohnung nach dem ersten Besuch gut genug kannte, über dessen Geld her. Mehrere hundert Euro fehlten später in der Wohnung. Das wertlose Gemälde blieb zurück, es hatte seinen Zweck erfüllt.

Versteigerung in vielen Städten üblich

Die Polizei suchte auf dem Bild nach Spuren, fand aber nichts Verwertbares. Da es auch nirgends als vermisst gemeldet war, galt es fortan als Fundsache und landete im Grimmaer Fundbüro. Es holte gewiss keiner ab. Nach Ablauf der Lagerungsfrist sollte es für ein paar wenige Euro bei einer Versteigerung weggehen.

Einmal im Jahr werden in Borna Fundsachen versteigert, bei schönem Wetter draußen. Quelle: LVZ-Archiv

Versteigerungen von Fundsachen haben in vielen Städten Tradition. Auch in Borna. Bei schönem Wetter im Park hinter der Verwaltungsaußenstelle An der Wyhra, ansonsten im Haus, kommt alles unter den Hammer, was sich im Fundbüro angehäuft hat.

Finderlohn für wichtigen Schlüsselbund

Fahrräder gibt es für einen Preis ab fünf Euro. Für Markenräder wird deutlich mehr geboten. In Wühlkisten ist jede Menge zu entdecken: Schwimmbrillen, Rucksäcke, Turnschuhe, Jacken, Stiefel, Regenschirme, Federmappen, Handschuhe und Brillenetuis. Vieles davon bleibt in Bussen, Schulen, Kindergärten, Schwimmhallen und auf Sportplätzen liegen. Schnäppchenjäger können diese Dinge für ein paar Cent oder wenige Euro kaufen. In der Regel werden in Borna mehr als 500 Dinge angeboten. Oft kommen rund 70 Interessenten.

Finderlohn wird mitunter gezahlt, sagte Kerstin Fettke aus dem Ordnungsamt in Groitzsch: „Wenn die Besitzer zum Beispiel einen großen wichtigen Schlüsselbund oder ein Portemonnaie mit vielen Papieren zurück bekommen, sind sie so erleichtert, dass sie gern einen Finderlohn zahlen möchten.“

Stichwort Fundbüro

– Ein Fundbüro ist eine Einrichtung, die für aufgefundene Sachen unbekannter Eigentümer zuständig ist. Fundbüros bestehen meist bei Kommunen oder großen Verkehrsanlagen wie Bahnhöfen oder Flughäfen.

– Laut des Deutschen Sachenrechtes sind Fundbüros in Gemeindeverwaltungen dazu verpflichtet, die Fundsachen ein halbes Jahr aufzubewahren. In dieser Zeit sollte sich derjenige melden, der etwas vermisst. Tut er das nicht, bekommt der Finder, sofern er es möchte, eine Information, dass er die Fundsache erhalten kann. Allerdings tickt für den Finder die Zeit: Noch drei Jahre lang muss er das Erlangte herausgeben, sobald der rechtmäßige Eigentümer Anspruch hegt.

– Es kommt nicht selten vor, dass sich keiner für die Fundsachen interessiert. Viele Kommunen geben an, dass höchstens die Hälfte der Dinge abgeholt wird, mancherorts ist es deutlich weniger. Entweder die Dinge werden dann bis zur nächsten Versteigerung – die in vielen Städten Tradition hat – aufgehoben, vernichtet oder an karitative Einrichtungen weitergegeben. Lebens- und Genussmittel, Medikamente und Chemikalien werden sofort entsorgt.

– Das Fundbüro stellt gegen eine Bearbeitungsgebühr auch Bescheinigungen über abhanden gekommene Fahrräder für die Versicherungsgesellschaften aus, informierte die Stadtverwaltung Grimma. Diese würden die Versicherungen nach etwa vier Wochen brauchen.

– Die Verwaltungsgebühr bei der Abholung einer Fundsache beträgt zwei Prozent vom Wert der Fundsache, mindestens jedoch fünf Euro. Bei Dingen von geringem Wert könne auf die Erhebung der Gebühr verzichtet werden, heißt es aus Grimma.

Von Claudia Carell

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