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Grimma Dürrweitzschener Räte kehren der SPD den Rücken
Region Grimma Dürrweitzschener Räte kehren der SPD den Rücken
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15:47 15.03.2019
Am Festplatz in Dürrweitzschen stehen eine Verkaufsstelle und das Begegnungszentrum. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Noch sitzen sie für die SPD im Ortschaftsrat Dürrweitzschen: Ortsvorsteher Helmut Hering, Michael Hans, Jörg Lochmann und Kerstin Vogel. Doch das Ticket der Sozialdemokraten werden sie bei der anstehenden Ortschaftratswahl am 26. Mai nicht mehr nutzen. Sie haben sich von der Partei abgewendet.

20 Unterstützungsunterschriften kein Problem

Bis auf Michael Hans, der für die Linke ins neue Dorfparlament einziehen will, stellen sich die Ortschaftsräte auf der Liste der Freien Wähler Dürrweitzschen zur Wiederwahl – eine eigenständige politische Vereinigung, die sie dafür erst vor wenigen Wochen ins Leben gerufen haben. Die 20 Unterstützungsunterschriften, die die Freien Wähler Dürrweitzschen als neue Gruppierung für die Kandidatur brauchen, seien an einem einzigen Tag zusammen gekommen, freut sich Ortsvorsteher Hering. Der Wahlvorschlag der Freien Wähler enthält mit Frank Merker, Martin Eckert und Silke Grune drei weitere Kandidaten, die um Stimmen der Einwohner von Dürrweitzschen, Motterwitz und Muschau buhlen. Sechs Bewerber auf einer Liste sind die maximale Zahl für den vier Mitglieder zählenden Ortschaftsrat.

Laut Hering wird die neue Organisation im Dorf nicht unter dem Dach der Freien Wähler Sachsen tätig sein.

Ortsvorsteher will SPD-Parteibuch hinlegen

Helmut Hering, der von 1990 bis 1993 Bürgermeister von Dürrweitzschen war und sich seit der Eingemeindung als ehrenamtlicher Ortsvorsteher engagiert, ist vom jetzigen Ortschaftsrat-Quartett das einzige SPD-Mitglied. Doch nach 20 Jahren will er nun sein Parteibuch hinlegen. „Meine Vorbilder waren Willy Brandt und Helmut Schmidt. Von denen hat sich die SPD weit entfernt“, nennt der 71-Jährige den Grund. Mit der Politik sei er schon lange nicht mehr zufrieden.

Enttäuscht auch von der örtlichen Partei

Hering und die anderen bisherigen Sympathisanten sind aber auch von der örtlichen SPD enttäuscht und fühlten sich allein gelassen mit ihren Problemen im Dorf. In den fünf Jahren seit der letzten Wahl habe sich kein SPD-Vertreter im Ortschaftsrat sehen lassen, sagt der 71-Jährige. Zum handfesten Krach kam es dann offenbar im Zuge der Flüchtlingskrise, als sich die Dürrweitzschener laut Hering gegen die Ansicht des SPD-Ortsvereins stellten. Sie waren bereit, zwei Flüchtlingsfamilien im Dorf aufzunehmen, aber keine allein stehenden Männer. „Da hat man uns Vorhaltungen gemacht“, ärgert sich Hering noch heute und ergänzt: „Der Ortschaftsrat lässt sich von einer Partei nicht vorschreiben, wie er zu entscheiden hat.“

Hering, der vor der Wende im Polytechnischen Zentrum Leipnitz unterrichtete und für die SPD sogar eine Zeit lang im Muldentaler Kreistag saß, gibt den Sozialdemokraten einen Rat: „Die sollten dem Bürger mehr auf den Mund schauen.“

Chef des Ortsvereins bedauert die Entwicklung

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Ingo Runge bedauert die Entwicklung. Es tue ihm um jeden weh, „der nicht mehr für die SPD eintritt“. Wenn sich jemand neu orientiert oder wegen geringer Schnittmenge die Partei verlässt, sei das aber zu akzeptieren. Runge meint, dass die Arbeit im Ortschaftsrat nicht zu einer engeren Verbindung zum Ortsverein geführt habe. Das Ganze sei aber ein zweischneidiges Schwert, so der SPD-Stadtchef: „Herr Hering hätte ja auch mal zu uns kommen können.“

Enttäuscht auch von vielen Stadträten

Enttäuscht ist der scheidende Ortschaftsrat übrigens auch von den meisten Vertretungen im Grimmaer Stadtrat. „Da interessiert sich kaum einer für unsere Probleme“, kritisiert Vorsteher Hering und nimmt die „Bürger für Grimma“ bei dieser Einschätzung aus. Sein Fazit: „Die meisten wissen gar nicht, was in den Dörfern los ist.“

Von Frank Penzel

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