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Grimma Ein Leben für die Jugend: Colditzer Hans-Dieter Fischer ist Preisträger
Region Grimma Ein Leben für die Jugend: Colditzer Hans-Dieter Fischer ist Preisträger
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13:40 20.06.2019
Hans-Dieter Fischer (68) führt den Colditzer Streichelzoo. Für sein Engagement wurde er von der Stadt Colditz mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Quelle: Haig Latchinian
Colditz

Das Laufen fällt ihm schwer. Und doch könnte sich Hans-Dieter Fischer nicht vorstellen, zu Hause zu hocken. Sein Streichelzoo ist für ihn die beste Medizin. Die frische Luft und vor allem die Tiere helfen ihm über manche Durststrecke. Welch Wechselbad der Gefühle: Nach schwerer Grippe lag er vier Wochen im Koma, dachte schon, sein letztes Stündlein habe geschlagen – dann der Ehrenamtspreis, die laut Kulturchefin Katja Meyer höchste Auszeichnung, die die Stadt Colditz zu vergeben hat.

„Ich habe mich riesig über den Preis gefreut“, sagt der 68-jährige Zoodirektor. Jeden Tag füttert er die Tiere, begrüßt die Gäste und weist die Helfer ein. Sein Gesundheitszustand sei ähnlich angeschlagen wie das knapp sechs Hektar große Waldstück am Colditzer Ortseingang: „134 Bäume riss Sturmtief Friederike mit sich. Den Rest besorgt nun der Borkenkäfer.“ Fischer jammert nicht. Der einstige Boxer kämpft. Und das sieht man. Alles wirkt sehr gepflegt.

Ein Herz für die Schwachen

Er hat ein Herz nicht nur für Lama Henry, Hängebauchschwein Kuno und Pony Manne (benannt nach seinem Freund und Ex-Bürgermeister Manfred Heinz). Er kann sich auch gut in Rollstuhlfahrer oder krebskranke Kinder, seine treusten Besucher, hinein versetzen. Der Familienvater und Opa mag junge Leute, für sie hat er vor 15 Jahren auch den Streichelzoo aus dem Boden gestampft.

Hans-Dieter Fischer (68) führt  den Colditzer Streichelzoo. Für sein Engagement wurde er von der Stadt Colditz mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Quelle: Haig Latchinian

Fischer ist streng genommen ein Zugereister, ein halber Fischkopp. Er stammt aus einem Dorf bei Schwerin. Der gelernte Koch verließ schon früh das Mecklenburgische. Er beköstigte die Gäste in den besten Häusern: Palast der Republik, Astoria, Barthels Hof. Wild, das war immer seine Spezialstrecke. Die Liebe ging bei ihm durch den Magen und führte ihn ins Muldental. Er bildete sich zum Fleischer fort und übernahm eine Metzgerei in Colditz.

Neuorientierung nach der Einheit

Nach der Einheit expandierte er. Zum Schluss hatte er fünf Geschäfte mit 35 Angestellten. Er sei zu blauäugig gewesen, sagt er rückblickend. „Wir hätten uns auf den Kopf stellen können – die Supermärkte waren einfach übermächtig. Mit ihren Preisen konnte ich nicht konkurrieren.“ Er ging pleite und musste sich neu orientieren. Fischer wurde Herbergsvater. Mit Leib und Seele. Seine Ritteressen, Nachtwanderungen und Geisterstunden waren legendär.

In der Jugendherberge am Hainberg ging nicht nur die halbe Welt ein und aus. Auch die örtliche Jugend. Es waren Jano Baumeyer, Martin Opitz, Jörg Börner, Randy Zyma, Morris Uhlig, Markus und Lucien Haubenreißer, die in jenen Colditzer Kanuverein eintraten, den Hans-Dieter Fischer und der damalige Zeltplatzbetreiber Achim Münther zuvor gegründet hatten. Zu einer Zeit, als Colditz noch ein weißer Fleck auf der Karte der Wasserwanderer war.

Suche nach einem Nachfolger

15 Jahre stand Fischer den Kanuten vor, ehe er die Leitung des Vereins in jüngere Hände gab. Fortan konzentrierte sich der Rentner auf seinen Zoo. Die Idee dazu kam ihm bereits als Herbergsvater. „Ich brauchte noch eine Attraktion für die vielen Schulklassen. Ein Naturquiz sollte es sein. Gesagt, getan.“ Für sein Lebenswerk sucht Fischer langfristig nach einem Nachfolger. Bis er den gefunden hat, ist er für seine Schafe und Schweine, Ziegen und Waschbären da.

Er genießt jeden Tag. Es könnte so schön sein, wenn ihm mancher nicht das Leben unnötig schwer machte: „Seitdem das Tierheim in Lastau geschlossen ist, setzen die Leute bei uns ihre Hunde und Katzen aus. Wir sind aber kein Tierheim.“ Ex-Bürgermeister und Förderer Manfred Heinz kann das nur unterstreichen: „Herr Fischer hat hier wahrlich genug zu tun.“ Ob er wisse, dass Pony Manne seinen Namen trägt? Heinz lacht: „Klar. Geritten bin ich ihn aber noch nicht.“

Von Haig Latchinian

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