Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Eine Grimmaer Buchautorin kennt den Wolf wie kein anderer
Region Grimma Eine Grimmaer Buchautorin kennt den Wolf wie kein anderer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:44 10.12.2019
Ein Bild, das das Leben von Buchautorin Andrea Weil aus Grimma am besten beschreibt – im Spiel mit 15 Wochen jungen Wolfswelpen. Quelle: Privat
Grimma

Sie stammt aus Hessen, studierte in Bayern und wohnte nacheinander in Stuttgart, Hamburg, in der Nähe von Lübeck, in Frankfurt/Oder sowie zuletzt sieben Jahre in Schwedt. Die freischaffende Lektorin, die Autoren bei ihren Buchprojekten begleitet, wechselte ihren Wohnsitz bisher immer arbeitsbedingt. Erstmals zog sie jetzt der Liebe wegen um – ins schöne Sachsenland, nach Grimma! Gert heißt er. Er misst zwei Meter und ist damit fast genauso hoch wie der legendäre Lange Gert, jener inzwischen gesprengte Schornstein, dessen Spitzname auf den Generaldirektor eines in Grimma ansässigen Chemiebetriebes zurück ging.

20 Jahre hat Andrea Weil aus Grimma mit Wölfen gearbeitet und jetzt ein Buch geschrieben.

Ein Wunder eigentlich, dass sich Andrea Weil nicht in einen Wolfgang, Wolfram oder Wolfhart verguckte. Denn der Wolf ist es, der die passionierte Schriftstellerin ihr bisheriges Leben begleitete. Von Odin, Leitwolf im Zoo Eberswalde, bekam sie bereits einen sehr enthusiastischen Kuss. Im Yellowstone Nationalpark in den USA studierte sie mit dem Fernrohr das Sozialverhalten frei lebender Wölfe. Im Wolfcenter Dörverdenin Niedersachsen betreute sie als Praktikantin 15 Wochen alte Wolfswelpen. Damit nicht genug: Ihr aktuelles Buch heißt Menschenwolf.

Wölfe als soziale Wesen

Es gebe kein Tier, das dem Menschen so ähnlich sei wie der Wolf. „Vom Verhalten her haben wir mehr mit dem Wolf gemein als mit dem Affen“, sagt die 37-jährige Neu-Grimmaerin und stützt sich dabei auf Erkenntnisse von Elli Radinger. Die Bestseller-Autorin und Chefredakteurin des Wolf Magazins habe die weit verbreitete These von einer ausgeprägten Hierarchie unter Wölfen relativiert: „Lange Zeit konnten Wölfe nur in Gehegen untersucht werden. Dort verhalten sie sich nicht viel anders als Menschen im Gefängnis. In Freiheit aber agieren sie sehr sozial.“

>> Lesen Sie auch: 22 Rudel sind in Sachsen bestätigt

Wolfseltern, so Andrea Weil, genießen in der Gruppe eine natürliche Autorität. Im Rudel herrsche eine gewisse Aufgabenteilung. So spezialisiert sich ein Wolf etwa auf das Spurenlesen und führt seinen Trupp auf der Suche nach Beute – der nächste ist besonders gut im Treiben und geht auf der Hetzjagd voran. „Wölfe umsorgen geschwächte und kranke Artgenossen. Ist ein Wolf zu alt für die Jagd, bekommt er Fleisch von seiner Familie. Nahe Angehörige kauen es ihm sogar vor, als sei er ein Welpe.“ Auch weil die Wolfsforschung immer weiter voran schreite, habe die Autorin ihr Buch dreimal überarbeitet.

Andrea Weil beweist Sensibilität

Andrea Weil war 17 und noch Schülerin, als sie die erste Fassung ihres Fantasy-Romans zu Papier brachte. Die vierte und nun veröffentlichte Version hat bis auf die Grundidee kaum noch etwas mit der ursprünglichen Handlung zu tun. Es ehrt die Autorin, dass sie den Stoff seit nunmehr 20 Jahren in ihrem Herzen bewegt. Es spricht für ihre Tierliebe und ihren Anspruch als Schreiberin. Schon als Kind bewies sie nötige Sensibilität: Das in einem kleinen Ort in der Nähe von Limburg an der Lahn aufgewachsene Mädchen soll sogar zu spät zur Schule gekommen sein, weil sie Regenwürmer vor heran nahenden Autos rettete.

Käfer, Würmer, Schnecken – alles sammelte sie. Als Achtjährige bat die Naturschützerin um einen offiziellen Termin beim Bürgermeister. Und bekam ihn! In seinem Amtszimmer monierte sie das radikale Zurechtstutzen der Feldhecken, die somit ihre Funktion als Rückzugsort für Vögel und Hasen verloren hätten. Mit zwölf verfasste sie erste Artikel für Umwelt- und Jugendzeitschriften. Eines ihrer Dauerthemen: Die Abholzung des Regenwaldes. Mit 14 schrieb sie eine Kurzgeschichte für das Wolf Magazin, damals die Vereinszeitschrift der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe.

Vom Leitwolf beschnuppert

Viel beachtet ihr Porträt über Werner Freund, jenen sagenumwobenen „Wolf unter Wölfen“. Im Stile einer Wolfsmutter zog er in seinem Wolfspark junge Welpen auf: „Er spuckte vor seinen Lieblingen sogar das Hackfleisch aus – wie eben in der freien Wildbahn, wo die Mama das Fressen auswürgt“, erinnert sich Andrea Weil an einen ganz besonderen Typen. Es war jener Aufsatz, bei dem sie zum ersten Mal auch wortwörtlich auf Tuchfühlung mit den Wölfen ging: „Ich wollte ein Foto durch den inneren Zaun schießen, als mich plötzlich der Leitwolf beschnupperte.“

Sie habe volles Verständnis für die wachsende Sorge von Schäfern, sagt die Grimmaerin. „Wildzäune, Untergrabschutz, Ausbildung von Herdenschutzhunden – alles kostet Zeit und Geld, dazu kommt die nervende Bürokratie im Schadensfall.“ Aber es sei über Jahrtausende die Arbeit des Schäfers gewesen, seine Herde vor wilden Tieren zu schützen. Erst in den letzten 100 Jahren sei dies nicht mehr in dem Maße nötig gewesen, da der Wolf hierzulande für ausgerottet erklärt wurde. Inzwischen sei er wieder da und werde zum Politikum.

Wolf als Inbegriff des Bösen

„Einzelne Politiker machen mit dem Wolf gezielt Stimmung“, bedauert die Frau, die selbst Vorträge über Wölfe hält. Ja, räumt sie ein, es gebe Ängste, die man auch ernst nehmen müsse. Was ihr jedoch auffalle: Selbst mit Fakten komme man gegen diese Ängste nicht an. Seit einer halben Ewigkeit hätten wir den Wolf als Bösewicht eingetrichtert bekommen, als wilde Kreatur, die wir uns zum Untertan machen, also ausrotten müssten. „Dabei war der Wolf in älteren Kulturen noch der Gute.“

„Menschenwolf“

„Menschenwolf“in seiner vierten Fassung ist aktuell erschienen im Isegrim-Verlag. Das Werk umfasst 244 Seiten und ist für 12,90 Euro (Print) sowie als eBook für 4,99 Euro zu haben. Der Fantasy-Roman handelt vom Biologen Nick, der mit seinen Kollegen einen Wolf einfängt. Das wilde Tier hatte sich zuvor immer wieder dem Dorf genähert und gilt als Problem. Nick staunt nicht schlecht, als sich der Wolf im Käfig in eine Frau verwandelt. Der Wissenschaftler lässt sie daraufhin frei und verspricht, ihr Geheimnis nicht zu verraten. Er ist sogar bereit, ihr zuliebe seinen guten Ruf als Wolfsexperte aufs Spiel zu setzen, schließlich nehmen es ihm seine Kollegen übel, dass er den mühsam eingefangenen Wolf laufen ließ. Nach und nach gewinnt Nick das Vertrauen der Frau. Sie erzählt ihm immer mehr von ihrem Doppelleben. Isa, so heißt die Frau, hat sich mit 14 zum ersten Mal in einen Wolf verwandelt. Nicks Zuneigung ihr gegenüber wächst – und das, obwohl sie mehr Geheimnisse zu haben scheint als ihm recht ist. Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu. Nun gerät Nick sogar ins Visier der Polizei ...

Kein tödlicher Wolfsangriff auf Menschen bekannt

Einen Überblick über Wolfsangriffe gibt eine Studie von 2002, die Attacken auf Menschen ausgewertet hat. Demzufolge wurden in Europa zwischen 1950 und 2000 neun Menschen getötet – bei geschätzten 10.000 bis 20.000 Wölfen. Der Studie ist aus den vergangenen drei Jahrhunderten kein tödlicher Wolfsangriff in Deutschland und Österreich bekannt. Die letzte tödliche Attacke eines wildlebenden Wolfes liege lange zurück: Im Dreißigjährigen Krieg hatten tollwütige Wölfe Menschen gebissen, die dann an der Krankheit starben.

>> Zum Thema: So viel gibt der Freistaat für den Wolfsschutz aus

Oftmals seien Problemwölfe mit menschlichem Fehlverhalten verbunden: „Im Yellowstone Nationalpark hatten Reiseleiter die Wölfe mit Futter angelockt, damit die Touristen was zu sehen bekommen. So etwas ist streng verboten, weil sehr gefährlich. Der Wolf ist ein wildes Tier, darf nicht verhätschelt werden. Er könnte durch solche fatalen Fehlgriffe seine natürliche Scheu verlieren“, warnt Andrea Weil.

Ein Leben ohne Tiere unvorstellbar

Ihr Schäferhund, der sie in Kinderzeiten auf dem Schlitten durch den Winterwald gezogen hatte, hieß Wolf. Er sei ihr treuer Begleiter gewesen. Bis heute könne sie sich ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen. Auch literarisch nicht. Neben einem Vampir-Roman hat sie bereits einen über Katzen geschrieben. Aktuell sitzt sie an einem Krimi, der auf einem Reiterhof an der Nordsee spielt: „Ich bin fast durch. Es fehlen nur noch anderthalb Kapitel. Und die wären auch schon fertig, wenn ich mich nicht erkältet hätte.“

Zu Fuß sei sie in zehn Minuten im Wald. Einen Isegrim habe sie dort noch nicht gesichtet. Dafür umso mehr nette Menschen, sagt die Grimmaer Autorin. Der Kontakt ist ihr wichtig. Wo auch immer sie gewohnt hat – ihre Befragungen sind druckreif. In Schwedt, das die meisten nur mit Petrolchemie und Militärgefängnis verbinden, führte sie 35 Interviews. Veröffentlicht wurden Geschichten von 1945 bis 1990. Titel: „Weißt du noch? Mitten aus dem Schwedter DDR-Alltag.“ Die junge Wessifrau, die sonst mit dem Wolf tanzt, wagte sich an die Ossis – und bekam Komplimente.

Von Haig Latchinian

Der Vorstoß der AfD im Grimmaer Stadtrat, auf dem Rappenberg eine Straße nach dem einstigen Fabrikanten Ferdinand Walther, der auch in der NSDAP war, zu benennen, blieb zunächst stecken. Jetzt soll noch einmal eine Grundsatzdiskussion her.

10.12.2019

Die Vorbereitung für einen gut funktionierenden Winterdienst beginnt bereits im Sommer. Der Landkreis Leipzig hat sich schon vor Monaten für den Kampf gegen Eis und Schnee mit 7300 Tonnen Auftausalz gewappnet.

10.12.2019

Mehrere Schenkungen hat der Förderverein Rittergut Trebsen in den vergangenen Wochen erhalten, neben Gesteinen sogar einen Mammutzahn. Sie kommen nicht nur der Geoerlebniswerkstatt zu Gute, sondern auch einem neuen Kompetenzzentrum.

10.12.2019