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Grimma Eine Tafel erinnert an den Mutzschener Storchenvater Berger und an die Störche
Region Grimma Eine Tafel erinnert an den Mutzschener Storchenvater Berger und an die Störche
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00:18 04.01.2018
An der Toreinfahrt seines früheren Wohnhauses erinnert jetzt eine große Informations- und Gedenktafel an den Mutzschener Storchenvater Rudolf Berger. Quelle: Bert Endruszeit
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Grimma/Mutzschen

An den Mutzschener Storchenvater und Ehrenbürger Rudolf Berger wird jetzt an seinem früheren Wohnhaus am Töpfermarkt erinnert. Am vorletzten Tag des alten Jahres brachte Cornelia Gey gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Gero Weigelt eine große Informations- und Gedenktafel am Haustor an. Viele Jahre lange betrieb der von vielen Einwohnern nur Storchen-Rudi genannte Tier- und Heimatfreund in dem Gebäude einen Tante-Emma-Laden, bis er diesen 1983 schloss. Ein Anlaufpunkt blieb diese Adresse jedoch für die Storchenfreunde, denn hier gab es immer Auskunft über die Mutzschener Adebare.

Bis zur Sanierung des Hauses hing die örtliche Storchenstatistik für jeden sichtbar draußen. Dann wanderte sie in den Vorraum der Toreinfahrt. „Das wurde zum Problem“, erzählte Cornelia Gey, die das Haus von Berger übernahm und heute hier ihr Blumengeschäft betreibt. „Immer wieder schlichen Auswärtige etwas ratlos um das Haus herum und suchten etwas.“ Keinesfalls in böser Absicht - wie sich herausstellte, waren es Geo-Cacher, Freunde dieser modernen Art der Schnitzeljagd, bei der mit Hilfe eines GPS-Empfängers bestimmte Punkte gefunden werden müssen. „Wir wussten nicht, dass unser Haus ein solcher Punkt ist, im Internet wurden Geo-Cacher ausdrücklich auf die berühmte Tafel zur Mutzschener Storchenstatistik hingewiesen.“

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Gey entschloss sich, den Geo-Cachern die Suche zu erleichtern und zugleich in würdiger Form an Rudolf Berger zu erinnern. Und so weist seit dem 30. Dezember eine große Informationstafel auf den bekannten Mutzschener hin. Darauf findet sich nicht nur die berühmte Mutzschener Statistik über die hier von 1968 bis zum Jahr 2009 brütenden Störche, sondern auch ein Foto Bergers. Es zeigt ihn so, wie ihn viele Ortsansässige erlebten: Umringt von Kindern, denen er das Leben der Störche erklärt.

Rudolf Berger wäre im vergangenen Oktober 100 Jahre alt geworden. Er starb am 7. Mai 2016 in einem Grimmaer Pflegeheim. „Noch mit 80 Jahren ist er zum Storchennest hinauf, bis ihm seine Frau diese gefährliche Kletterei verboten hat“, weiß Cornelia Gey. Und er habe sich nicht nur um die gefiederten Gäste gekümmert. Er engagierte sich für die Mutzschener Kirche, fegte noch mit 93 den Kirchenboden und „bückte sich nach jedem Abfall“, wie die Gedenktafel vermerkt.

Der Ehrung wohnten die beiden ehrenamtlichen Storchenbetreuer Klaus Döge und Uwe Seidel bei. Döge kümmert sich im Altkreis Grimma um die Adebare, Seidel hat den Landkreis im Blick. „In den letzten zehn Jahren ging die Storchenpopulation in Ostdeutschland etwas zurück. In Mutzschen hatten wir ja in diesem Jahr auch kein Brutpaar“, sagte Seidel. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Viele Tiere wurden beispielsweise in Mecklenburg Opfer von Unwettern.“ Deutschlandweit nehme die Zahl der Störche jedoch wieder leicht zu. In Sachsen wurden im vergangenen Jahr rund 300 Paare gezählt, im Altkreis Grimma gab es nur fünf Paare. Häufig fehle es am Futter. „Wo gibt es denn noch vernässte Wiesen und Kuhweiden?“, fragte sich Döge. Und Heuschrecken, ein wichtiges Futter, würden seltener. Wenig bekannt sei jedoch, dass vor 100 Jahren die Störche hierzulande fast ausgerottet waren. „Die wurden nach den Kriegen bejagt und verspeist“, sagte Seidel: „Erst vor rund 40 Jahren nahm die Zahl der Brutpaare wieder zu.“

Von Bert Endruszeit