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Grimma Aus 66 Nationen: Warum Ausländer gern in Grimma leben
Region Grimma Aus 66 Nationen: Warum Ausländer gern in Grimma leben
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14:56 07.02.2020
Eine Montage mit Symbolcharakter. Denn in Grimma leben Menschen aus 66 Nationen – es könnten also viele Fahnen auf dem Rathaus wehen. Quelle: Foto: Thomas Kube / Montage: Patrick Moye
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Grimma

Nicht selten verschlägt sie die Liebe oder der Beruf nach Grimma. Manche pflücken als Saisonarbeiter die Äpfel von den Bäumen rund um Dürrweitzschen. Nicht wenige stranden als Flüchtling in der Muldestadt. Beachtliche vier Prozent der Menschen mit Hauptwohnsitz in Grimma haben den Pass eines anderen Landes in der Tasche.

Stand 4. November waren das 1173 von insgesamt 28.668 Einwohnern, listet das städtische Bürgeramt auf. Was dabei besonders ins Auge sticht: Die „Grimma-Ausländer“ kommen aus sage und schreibe 66 Nationen. „Das dürfte in Anbetracht der uns Sachsen immer unterstellten Fremdenfeindlichkeit sicher überraschen“, meint Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) und spricht von einem „babylonischen Völkergemisch“ in seiner Stadt. Die hohe Zahl habe ihn positiv überrascht.

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Ein Drittel aller Nationen in Grimma

66 Nationen – das deckt immerhin ein Drittel aller Staaten dieser Welt ab. Fünf Schweizer und sieben Tschechen leben ebenso in Grimma wie sieben US-Amerikaner, vier Spanier, drei Schweden, vier Franzosen oder vier Chinesen. Relativ viele Rumänen (82) und Ungarn (48) haben ihre Hauptwohnung in Grimma, sie kommen oft als Saisonarbeiter für die Obstbauern in Dürrweitzschen und Fischer in Mutzschen. Auch Polen (86), Russen (61), Türken (35) und Vietnamesen (26) sind gut an der Mulde vertreten.

Die Bewohner im „Roter Ochse“ genannten Asylheim im Süden der Stadt zählen ebenfalls zu Bürgern mit Hauptwohnsitz Grimma. Das erklärt wohl unter anderem die hohe Zahl an Afghanen (121), Syrer (158) oder Iraker (49), von denen aber auch schon etliche an der Mulde heimisch wurden.

„Der Ausländer ist nicht der syrische Flüchtling“

Angesichts der Zahlen möchte Rathauschef Berger mit einem verbreiteten Irrglauben aufräumen. „Der Ausländer ist nicht immer der syrische Kriegsflüchtling. Das ist Unsinn.“ Vielmehr seien viele der ausländischen Staatsbürger eine Bereicherung für die Stadt und deren Kultur. Unter ihnen seien hoch geachtete Leute, die das Leben in Grimma mitgestalten und sich engagieren, freut sich Berger. „Das spricht für diese Stadt.“

Diese fünf Menschen aus fünf verschiedenen Nationen finden in Grimma ihr persönliches Glück. Sie erzählen über ihren Weg in die Muldestadt.

Berger kennt ans Herz gehende Geschichten. Da ist die Japanerin, die beim Musikantentreffen ihre Liebe fand und in Grimma blieb. Da ist der Serbe, den der Sport nach Grimma trieb und der sich nach wie vor um Waisenkinder in seiner einstigen Heimat kümmert. Da ist die beliebte Gastronomin aus Polen, die wegen ihres behinderten Sohnes das Lokal abgeben musste. „Ich kenne viele persönlich“, sagt der 52-jährige Rathauschef.

Zuzug bestätigt den Trend in Grimma

Auch wenn es ein ständiges Kommen und Gehen ist: Die Zuzug-Zahlen bestätigen den Trend. Unter den 1377 Menschen, die zwischen dem 1. Juli 2018 und dem 30. Juni 2019 nach Grimma zogen, befanden sich 400 ausländische Staatsbürger aus 42 Ländern. Fast 30 Prozent. Und auch unter ihnen sind Menschen, für die Grimma keine Durchgangsstation ist.

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Darauf reagieren oder sich einstellen müsse die Stadt aber nicht, sagt Berger. Grimma wolle die ausländischen Mitbürger integrieren, nicht assimilieren. Jeder sei herzlich willkommen, müsse jedoch „unsere Grundregeln beachten“. Der Oberbürgermeister nennt als Beispiel in hiesigen Schulen den Umgang mit der Fastenzeit des Islam und fragt: „Müssen Kinder hier den Ramadan leben?“ Das Kindswohl gehe vor, das deutsche Schulrecht gelte für alle.

Nicht zu spüren – „das ist die eigentliche Sensation“

Weshalb es Ausländer nach Grimma verschlägt, bleibt dem Bürgeramt verborgen. Manchmal wird es bei einer Gewerbeanmeldung, etwa für eine Gaststätte deutlich, erklärt Amtsleiterin Martina Lehnigk. Migration ist auch für sie eine ganz normale Sache. Im Prinzip sei es nicht zu spüren, dass in der Stadt so viele ausländische Staatsbürger – teils mit doppeltem Pass – zu Hause sind. „Das ist doch die eigentliche Sensation“, bemerkt der Rathauschef.

Übrigens sind auch in der Grimmaer Kernverwaltung Menschen anderer Länder beschäftigt. „Wir haben einen Vietnamesen und eine Polin, die machen ihre Sache super“, freut sich Berger. Eine junge Kurdin wird derzeit im Haus ausgebildet.

Von Frank Prenzel

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