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Grimma Erster Wasserstoffzug aus Leipzig in Grimma angekommen
Region Grimma Erster Wasserstoffzug aus Leipzig in Grimma angekommen
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17:02 01.02.2019
Der weltweit erste Wasserstoffzug ist in Grimma angekommen. Quelle: Thomas Kube/Simone Prenzel
Leipzig/Grimma

Punkt 10.36 Uhr ist der weltweit erste Wasserstoffzug am Freitag aus dem Leipziger Hauptbahnhof Richtung Grimma gerollt. Eine knappe halbe Stunde später erreichte die Bahn schon den Bahnhof in Grimma. Dann fuhr der Zug wieder retour in die Messestadt.

Dutzende Fahrgäste waren auf der Jungfernfahrt an Bord, darunter Grimmas Oberbürgermeister Mattias Berger. Im Zug sitzen auch fünf glückliche Preisträger des LVZ-Gewinnspiels. Sie konnten sich im Vorfeld über Freikarten freuen.

Premierenfahrt des Coradia I-Lint

Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) organisiert die Premierenfahrt des Corodia iLint. Entwickelt hat den Zug der französische Bahntechnik-Konzern Alstom. Er nimmt die innovative Bahn mit ihrer Brennstoffzellentechnologie erstmals in Ostdeutschland in Betrieb.

In schickem Blau präsentiert sich der neue Wasserstoffzug, der am Freitag leise von Leipzig nach Grimma fuhr.

„Wir freuen uns über die große Resonanz auf die Testfahrt. Uns haben viele Reaktionen von Menschen aus Leipzig und dem Umland erreicht, die gern zur Testfahrt von Leipzig nach Grimma in den Wasserstoffzug einsteigen würden“, so ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch.

Einer, der zu den 150 Fahrgästen gehörte, war Christian Finkenstein aus Krostitz. „Die Fahrt hat mich begeistert, der Wasserstoff-Technik gehört die Zukunft.“ , reckte er sein Plakat mit entsprechender Aufschrift in die Höhe.

Fahrgast Christian Finkenstein aus Krostitz war begeistert vom neuen Wasserstoffzug. Quelle: Simone Prenzel

Auch Kommunalpolitiker wie Landrat Henry Graichen genossen das Fahrgefühl: „Grimma ist genau der richtige Zielbahnhof für so einen Antrieb.“ Entlang der Strecke hatten sich zudem etliche Eisenbahnfreunde postiert, um den strahlend blauen Zug aufs Foto zu bannen.

Grimmas OBM Matthias Berger will Anschluss ans S-Bahnnetz

Matthias Berger wünscht sich lieber heute als morgen einen zeitgemäßen Anschluss ans S-Bahn-Netz. „Technologisch ist mit der heutigen Fahrt der Beweis erbracht, dass Grimma an die Leipziger Innenstadt angebunden werden kann.

Der neue Wasserstoffzug stieß am Freitag am Leipziger Hauptbahnhof auf großes Interesse - von Medienvertretern und Schaulustigen. Quelle: Thomas Kube

Wenn es nach uns geht, sollten die alten Dieselloks, die bislang eine Durchfahrt durch den City-Tunnel verhindern, so schnell wie möglich ins Depot geschickt werden.“ Noch aber laufen die Verträge für die Strecke. „Aber spätestens mit der Neuausschreibung im Jahr 2025 muss Grimma über einen S-Bahn-Anschluss verfügen, der auch bis Großbothen reicht.“ Bereits vor reichlich einem Jahr wurde in Grimma eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Chancen der Zukunftstechnologie auslotet, berichtet Berger. Eingebunden seien auch ortsansässige Unternehmen wie die Faun Viatec, deren Kehrmaschinen künftig ebenfalls mit Wasserstoff fahren sollen. „Wir verfolgen die Idee, das Thema intensiv voranzutreiben, von der Wasserstofferzeugung bis zu einem Real Labor.“

Auch Arno Jesse, Bürgermeister von Brandis, freute sich über die Testfahrt: „Aus unserer Vision, mittels Hybridlösungen das Muldental in das Mitteldeutsche S-Bahn Netz einzubinden, ist ab heute ein klar definiertes Umsetzungsziel spätestens zur Neuvergabe des S-Bahn-Netzes 2025 geworden.“

Das ist die Strecke, die der Wasserstoffzug künftig nehmen könnte. Quelle: pd

Dass in der Muldestadt in Zukunft eine Wasserstoff-Tankstelle entstehen könnte, ist für Berger zudem kein Hirngespinst. „Wir verfolgen gemeinsam mit der Verbundnetz Gas den konkreten Plan, in Grimma grünen Wasserstoff zu erzeugen.“

Hintergrund Wasserstoffzug

Alstom ist weltweit der erste Hersteller von Schienenfahrzeugen, der einen von einer Brennstoffzelle angetriebenen Nahverkehrszug gebaut hat. In Niedersachsen sind zwei dieser Züge bereits in Betrieb, weitere sollen in Kürze folgen. Auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen sowie in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gibt es diesbezügliche Vorhaben. Weitere Schienenhersteller entwickeln mittlerweile eigene Züge auf Wasserstoffbasis, wie zum Beispiel Siemens mit dem Mireo.

Wasserstoff bietet das Potenzial, den Diesel als Antriebstechnologie im Schienenverkehr abzulösen – das ist gut für das Klima und dient auch der regionalen Wirtschaftskraft, wenn wie im mitteldeutschen Industrierevier Wasserstoff als Abfallprodukt chemischer Prozesse entsteht und eine Leitungsinfrastruktur zum Transport des Wasserstoffs zumindest in Ansätzen vorhanden ist.

Allerdings verursacht die neue Fahrzeugtechnologie höhere Kosten, da eine Serienproduktion bislang wirtschaftlich noch nicht rentabel ist. Insofern bedarf es einer öffentlichen Förderung, der Bund, aber auch der Freistaat Sachsen haben bereits entsprechende Förderprogramme aufgelegt.

In naher Zukunft werden sich die zuständigen Gremien des ZVNL mit der Grundsatzfrage befassen, welche Antriebstechnologie für die zukünftige Anbindung zum Beispiel des Muldentals an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz am besten geeignet ist. Erst im Anschluss daran ist über den Zeitpunkt der Einführung und die betriebliche Ausgestaltung des alternativen Schienenantriebs zu entscheiden. Ein Termin steht aber jetzt schon fest: Spätestens zum Fahrplanwechsel 2025 wird es eine Lösung geben müssen, da dann das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz zur Wiedervergabe ansteht.

Von Simone Prenzel und Gina Apitz

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