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Grimma Europas größtem Amateur-Pokerturnier droht das Aus
Region Grimma Europas größtem Amateur-Pokerturnier droht das Aus
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18:48 20.09.2018
Pokern – Deutsche Bracelet Meisterschaft der Poker-Bundesliga vor zwei Jahren im Hotel The Westin. Quelle: Christian Modla
Belgershain/Leipzig

Zum neunten Mal soll am 28. und 29. Dezember in Leipzig das europaweit größte Pokerturnier für Jedermann über die Bühne gehen. Soll! Denn die Stadt Leipzig droht überraschend an, Klaus Dietze den Gewerbeschein zu entziehen. Eine interne Prüfung habe ergeben, heißt es aus Insiderkreisen, dass Threnas Tausendsassa die Erlaubnis unrechtmäßig erteilt worden sei. Das Papier jedoch ist nötig, um die fest eingeplanten Deutschen Meisterschaften im Hotel „The Westin“ mit 1000 Teilnehmern ausrichten zu dürfen.

Klaus Dietze reagiert mit Unverständnis auf die Art und Weise des Entzuges seines Gewerbescheines. Quelle: Haig Latchinian

Nach LVZ-Recherchen geht es um den fehlenden Nachweis des Bundeskriminalamtes (BKA). Am 8. Juli 2015 sei er auf Empfehlung des Verwaltungsgerichtes mit Gewerbeamt Leipzig und Glücksspielbehörde Sachsen übereingekommen, dass in seinem konkreten Falle ein polizeiliches Führungszeugnis nicht extra angefordert werden müsse, da er bei diversen Verfahren ohnehin schon geprüft worden sei, so Dietze.

Es steht viel auf dem Spiel

Der 74-Jährige versteht die Welt nicht mehr: „Das kommt nun einem Verbot unserer Veranstaltung gleich.“ Sein Anwalt Thomas Jauch habe bereits Anfechtungsklage angekündigt. Es stehe zu viel auf dem Spiel: „Wir haben uns stets an Recht und Gesetz gehalten. Die Meisterschaften sind längst eine feste Größe im Veranstaltungskalender. Etliche Pokerspieler, deren Familien und Freunde hätten Leipzig ohne unser Turnier womöglich nie besucht. Gerade am Jahresende, der sonst umsatzschwächsten Zeit für Hotels, ist das Pokern fast schon zum Wirtschaftsfaktor geworden.“

Erfolgreiche Prozesse

Der einstige Manager des VfB Leipzig und der Lausitzer Füchse sehnte sich in seiner Rente nach Ruhe, wollte nach Herzinfarkten und Bandscheibenvorfällen vor allem Karten spielen. Tatsächlich halste er sich einen jahrelangen Rechtsstreit auf. Sein Ziel: Das oft als Glücksspiel verrufene Pokern aus der Schmuddelecke zu holen. Etliche Prozesse, bis hin zum Bundesverwaltungsgericht, strengte er an, um das Strategie- und Taktikspiel als „Spiel anderer Art“ listen zu lassen. Mit Erfolg. Die Urteile sind rechtskräftig. Sogar die Tagesschau berichtete.

Ob es im Laufe der Zeit einen personellen Wechsel im Amt gab und deshalb ein Umdenken im aktuellen Prozedere einsetzte – darüber kann nur spekuliert werden. Auf LVZ-Anfrage blieb die Stadt Leipzig bis Redaktionsschluss eine Antwort schuldig. Da die Kollegen in den Fachbereichen in erster Linie ihre originären Aufgaben zu erfüllen hätten und damit voll ausgelastet seien, müsse ihn die Anfrage deutlich eher als am Vormittag erreichen, teilte David Quosdorf vom Referat Kommunikation mit.

Dietze nennt es Behördenversagen

Dietze spricht indes von Behördenversagen. Er wünschte sich, dass Mitarbeiter in Amtsstuben ihren Job ordentlich machten: „Dazu gehört für mich, sich vorher zu informieren, ehe man Verbote erlässt. Warum hat man nicht erst mal das Gespräch mit mir gesucht? Wir, mein Anwalt und ich, waren es schließlich, die vor Jahren auf die Notwendigkeit der Unbedenklichkeitsbescheinigung hingewiesen hatten. Natürlich sind wir bereit, das Führungszeugnis nachzureichen, haben diesbezüglich nichts zu verbergen und den Antrag beim BKA inzwischen auch gestellt.“ Ihm sei sehr an Rechtssicherheit gelegen, betont Dietze. Es gehe ihm auch weniger darum, dass zum damaligen Zeitpunkt eventuell etwas versäumt wurde, das könne schließlich immer passieren, „sondern vor allem um die Art und Weise des Umgangs miteinander“. Es sei genau jener viel zitierte Obrigkeitsstaat, so Dietze, der immer mehr Menschen verärgere.

Die Poker-Veranstaltung im Leipziger Westin lockt jedes Jahr 1000 Fans an. Quelle: Christian Modla

Denn letztlich koste der Bescheid ja Geld, Kraft und Nerven. Am Ende dürfe sich niemand wundern, wenn persönliches Engagement für die Allgemeinheit künftig ausbleibe: „Bei unseren gut vorbereiteten Deutschen Meisterschaften in Leipzig können sich Pokerspieler wie du und ich zwei Tage lang fast so fühlen wie in Las Vegas. Mit dem Unterschied, dass dort die Startgebühr 10000 Dollar beträgt, bei uns 50 Euro. Dort gewinnt der Sieger acht Millionen Dollar, bei uns geht es um Ehre und Ruhm und Sachpreise.“

Gegenteil von dubiosem Geldspiel

Von wegen tief hängende, abgedunkelte Lampen, finstere Gestalten mit Zigarren im Mundwinkel, eingehüllt im Nebel ihrer Ausdünstungen – Dietze betont, dass seine Meisterschaften das ganze Gegenteil vom Geldspiel in Hinterzimmern sei. Ihm liege die Demokratie am Herzen: „Ich kenne keine andere Freizeitbeschäftigung, bei der ein Autoschlosser neben dem Professor, der Student neben dem Steuerberater, der Pegida-Anhänger neben dem Linken sitzt.“

Von Haig Latchinian

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