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Grimma Forst-Experte warnt vor Borkenkäfer-Wolke
Region Grimma Forst-Experte warnt vor Borkenkäfer-Wolke
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17:24 05.03.2019
Forstsachverständiger Robin Späth zeigt eine Fichtenrinde mit Borkenkäferspuren. In diesem Waldstück bei Grimma wurden die befallenen Bäume bereits gefällt. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma

Robin Späth reißt von einer gefällten Fichte die Rinde ab und muss nicht lange suchen. Noch müde streckt ihm ein Borkenkäfer die Fühler entgegen. So winzig das Tier auch ist, im Wald richtet es große Schäden an. Dabei ist der im vorigen Jahr von Sturm und Trockenheit geschwächte Wald besonders anfällig für den Schädling, der vorwiegend Fichte und Lärche befällt. Späth, freiberuflicher Forstsachverständiger und Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Grimma, schlägt deshalb Alarm und appelliert an die privaten Waldbesitzer der Region, ihre Bestände aufräumen zu lassen. Der Freistaat Sachsen fördere Maßnahmen zur Beseitigung der Borkenkäfer-Schäden. Auch über die FBG Grimma bietet der 35-Jährige Hilfe an.

In diesem Waldstück bei Grimma wurden die vom Borkenkäfer befallenen Bäume bereits gefällt. Quelle: Frank Prenzel

„Wir haben ein extremes Jahr 2018 hinter uns, und wir stehen vor einem extremen Jahr 2019“, redet Späth nicht um den heißen Brei herum. „Die Käfer sitzen unter der Borke und warten nur auf warmes Wetter zum Ausfliegen.“ Eine Borkenkäfer-Wolke könne sich dramatisch auswirken.

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Bäume waren permanent im Stress

Die Sturmtiefs Herwart und Friedericke setzten für den Laien kaum erkennbar auch den Bäumen zu, die nicht wie Streichhölzer knickten. „Durch das Hin- und Herwippen reißen im Erdreich feine Wurzeln“, erklärt Späth. So werde die Wasserzufuhr erschwert. Es folgte die lang anhaltende Trockenheit, „die Bäume waren permanent im Stress“, weiß Späth. Ein gesunder Baum wehrt seinen Worten zufolge den Borkenkäfer ab, indem er ihn mit Harz umschließt. Doch geschwächte Bäume sind anfällig für den Schädling, dessen Larven sich durch das Kambium fressen, eine nährstoffreiche Schicht zwischen Holz und Rinde. „Dadurch werden die Leitbahnen für die Wasserzufuhr gekappt, der Baum verdurstet regelrecht“, erklärt der Asessor des Forstdienstes aus dem Grimmaer Ortsteil Seidewitz. „Wegen der optimalen Bedingungen im vorigen Jahr wartet nun eine riesige Population aufs Losfliegen“, sagt er. 15 Grad reichen dafür.

Bei der FBG Grimma die Situation im Griff

In der 2016 gegründeten FBG, die mittlerweile 17 Mitglieder mit 550 Hektar Wald im Forstbezirk Leipzig zählt, fielen im vorigen Jahr durch Sturm und Käfer rund 6000 Festmeter Schadholz an und damit das Dreifache des geplanten Einschlags. „Hier haben wir die Situation aber im Griff“, gibt Späth zu verstehen. „Bis Ende April holen wir die letzten Fichten raus und haben dann keine zusammenhängenden Fichtenbestände mehr.“ Für die Arbeiten setzt die Betriebsgemeinschaft drei Harvester ein, von denen laut Späth auch benachbarte Waldbesitzer profitieren könnten.

Die Forstbetriebsgemeinschaft Grimma geht mit schwerer Technik vor, um vom Borkenkäfer befallene Bäume aus den Beständen zu entfernen. Quelle: Frank Prenzel

Dem 35-jährigen Förster machen die „vielen unaufgeräumten Wälder“, die er ringsum wahrnimmt, Sorge. „Wenn die Besitzer nicht aktiv werden, haben wir eine riesige Käfer-Problematik“, fürchtet Späth um den Befall noch intakter Bestände. Ziel müsse es sein, so viele befallene Bäume wie möglich aus dem Wald zu holen und eine Käfer-Wolke zu vermeiden. Mittlerweile ist seinen Worten zufolge auch das Landratsamt tätig geworden und hat die Waldbesitzer in einen Schreiben zum Handeln aufgefordert.

Fichte ist der Brotbaum der Forstwirtschaft

Die Fichte, die im Forstbezirk Leipzig rund sechs Prozent des Bestandes ausmacht (Stand 2016), ist laut Späth der Brotbaum der Forstwirtschaft. Wegen des geraden Wuchses und der guten Eigenschaften sei die Fichte als Bauholz gefragt. „Zur Zeit verdient man mit ihr noch ein paar Euro“, ermuntert Späth auch deswegen zum Aufräumen und Einschlag befallener Bäume. Zudem fördert der Freistaat Schutzmaßnahmen gegen den Borkenkäfer. Seit Ende Februar sind im Internet ein Merkblatt und Antragsunterlagen abrufbar. Der Zuschuss soll Anreiz geben, mit der Holzaufbereitung die Vermehrung des Schädlings zu verhindern.

Gefördert werden unter anderem die Aufarbeitung von Restholz, das Entrinden sowie der Abtransport und die Lagerung der Stämme. Die Förderung gilt für Holz von Fichten, Kiefern und Lärchen, die von rindenbrütenden Insekten befallen oder unmittelbar bedroht sind. Waldbesitzer müssen dazu ihre Vorhaben beim zuständigen Revierförster des Staatsbetriebes Sachsenforst anzeigen. Es gilt ein vereinfachtes Verfahren.

Informationen und Antragsformulare zur Forstförderung: www.smul.sachsen.de/foerderung/3527.htm / Kontakt zur Forstbetriebsgemeinschaft Grimma: Telefon 0163 / 2532482

Von Frank Prenzel

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