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Grimma Freunde der verunglückten Grimmaerin fordern Kreisverkehr
Region Grimma Freunde der verunglückten Grimmaerin fordern Kreisverkehr
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18:00 27.06.2018
Die Trauer ist groß: Kerzen und Erinnerungsstücke führen an der Unfallstelle das tragische Unglück vor Augen. Viele möchten, dass die Kreuzung entschärft wird. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Es bringt die Verunglückte nicht zurück ins Leben. Doch viele, die sie mochten und denen ihr viel zu früher Tod nahegeht, hinterfragen nun die Gefährlichkeit des Knotenpunktes im Grimmaer Westen, Richtung Grethen. Einige junge Leute wollen dabei nicht tatenlos bleiben, sondern mit einer Petition eine Entschärfung der Kreuzung erreichen. Jene Kreuzung von Bundesstraße 107 und Staatsstraße 38, auf der ihre Freundin am 10. Juni bei einem tragischen Verkehrsunfall so schwer verletzt wurde, dass sie Stunden später in einer Leipziger Klinik verstarb. Sie war gerade mal 18.

Kerzen an der Unfallstelle und eine Schweigeminute

Das verunglückte Mädchen, das kurz zuvor an der Bad Lausicker Schule für Sozialwesen mit Bravour die Ausbildung zur Sozialassistentin abgeschlossen hatte, war beliebt. Noch am Abend ihres Todestages versammelten sich etwa 250 junge Leute an der Kreuzung und gedachten ihrer Freundin mit einer Schweigeminute. An der mit Kerzen versehenen Unfallstelle finden sich an einem Kreuz zahlreiche Zeugnisse der Trauer und Erinnerung: Fotos, Kuscheltiere, Gedenkstücke.

Die Unfallkreuzung bei Grimma ist jetzt mit reichlich Stoppschildern ausgestattet. Quelle: Thomas Kube

Mitschüler starten eine Petition

Eine Mitschülerin der Verunglückten ist Initiatorin der Petition, die den Bau eines Kreisverkehrs fordert. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich das Ansinnen rasch. Und seit dem 13. Juni kann das Anliegen auf der Internetseite www.openpetition.de per Votum unterstützt werden. Unter „Bau eines Kreisverkehrs auf der B 107 in Grimma“ fanden sich schon fast 4700 Unterstützer, da­runter mehr als 1100 Grimmaer. Bereits 550 hatten für das Quorum gereicht.

„Die Kreuzung wird normalerweise durch eine Ampel geregelt, aber sie war ausgefallen“, heißt es dort. Es sei bereits der zweite Mensch, der an diesem Schnittpunkt sein Leben lassen musste. „Wäre an dieser Stelle ein Kreisverkehr vorhanden, wäre es nie zu diesem Unfall gekommen, und das Mädchen wäre noch unter uns.“ Eine Autofahrerin, die täglich mit ihrer kleinen Tochter die Kreuzung passiert, bestätigt in einem Kommentar deren Gefährlichkeit bei Ampelausfall.

Schüler sprechen vor dem Grimmaer Stadtrat

Die Verfechter der Petition haben inzwischen auch Politiker mit ihrem Anliegen konfrontiert. Sophie Kolditz (16) und Pascal Gall (17), die jetzt an der Oberschule Grimma die zehnte Klasse beenden und mit der Verunglücken eng befreundet waren, traten in der vergangenen Woche vorm Grimmaer Stadtrat auf und baten um Unterstützung. In den letzten Jahren seien auf der Kreuzung 36 Unfälle mit zwei Toten passiert, verdeutlichte Gall. Neben einem Kreisverkehr gebe es inzwischen auch die Idee, ähnlich wie auf der B 6 bei Machern mit Rüttelstreifen und Blitzern zu arbeiten. Dann sei die Rangfolge der Straßen egal.

„Wir wollen die Reichweite vergrößern“, begründet Pascal Gall den Vorstoß. Dazu haben sie sich ebenso an den Grimmaer Landtagsabgeordneten Svend-Gunnar Kirmes (CDU) gewandt. Er habe zugesagt, so der 17-Jährige, die Petition an die richtige Stelle zu leiten und auch schon das Wirtschafts- und Verkehrsministerium verständigt. Die Grimmaer Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz würde ebenfalls helfen. Die Petition soll aber zunächst noch zwei Monate online bleiben.

Ampelanlage nach Blitzschaden außer Betrieb

Am Unglücks-Wochenende war – möglicherweise wegen eines Blitzschlages – die Ampel ausgefallen. Am Nachmittag des 10. Juni kam es zu dem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Pkw Audi und einem Mercedes-Kleinbus. Die Audifahrerin hätte die Vorfahrt gewähren müssen, vermutlich war der Mercedes auf der B 107 aber auch viel zu schnell unterwegs.

Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) erinnerte im Stadtrat daran, dass die Kommune seinerzeit beim Bau der Umgehungsstraße auf Kreisverkehre gedrängt habe. Mit der Begründung, es seien keine gleichrangigen Straßen, sei das verweigert worden. „Was unlogisch ist“, so der Rathauschef. „Am schwarzen Netto ging es ja auch.“ Nach Bergers Ansicht hätte schon geholfen, wenn die Ampel beim Ausfall gelb geblinkt hätte. Weil es dort nur einen Stromkreis gebe, sei das aber nicht möglich. Berger sagte den jungen Leuten Unterstützung zu und wusste dabei den Stadtrat hinter sich.

Lasuv bezweifelt Sicherheit der Kreuzung nicht

Die Sprecherin des Landesamts für Straßenbau und Verkehr, Isabel Siebert, hatte auf LVZ-Nachfrage den Bau eines Kreisverkehrs als nicht notwendig erachtet. Ein ausnahmsweise aufgetretener technischer Defekt an der Ampel stelle die sichere Kreuzung nicht infrage. In einem Vor-Ort-Termin nach dem Unfall wurde jedoch festgelegt, nunmehr beide Seiten der unterrangigen Straße mit Stoppschildern zu versehen. Bislang ist das nur aus Richtung Leipzig/Grethen der Fall. Die Straßenmeisterei wurde beauftragt, die Beschilderung vorzunehmen. Das könne bei einem Ampelausfall helfen und sei ein kleiner Schritt nach vorn, so Oberbürgermeister Berger.

Von Frank Prenzel

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