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Grimma Führungswechsel am Himmel über Colditz
Region Grimma Führungswechsel am Himmel über Colditz
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09:14 27.09.2019
Bleibt dem Hobby treu: Volker Lindner prüft den Gleitschirm auf seinem Grundstück mit Blick auf das Colditzer Schloss. Quelle: Thomas Kube
Colditz

Wer wird schon gleich in die Luft gehen? In Colditz ist die Frage geklärt. Dort gibt es einen Gleitschirmclub, dessen Mitglieder hin und wieder hoch oben am Himmel ihre Runden drehen. Ein Urgestein von ihnen entschied sich jetzt jedoch, etwas tiefer zu fliegen. Im übertragenen Sinne, denn Volker Lindner gab nach 20 Jahren den Vorsitz des Vereins ab, der auf sein Betreiben hin gegründet worden war.

„Ich bin Volleyballer, außerdem Mitglied im Schützenverein und Verein für Städtepartnerschaft und internationale Begegnung“, begründet der 75-Jährige seine Entscheidung. „Dazu kommt ein großes Grundstück, das ich zu beackern habe. Mir wurde das alles einfach zu viel.“ Für ihn kam die Zeit, dass Jüngere die Leitung übernehmen. Volker Hübner übernahm diesen Monat den Staffelstab.

Mitglieder des Gleitschirmclubs Colditz vor kurzem im italienischen Meduno. Volker Lindner (re.) gab dort den Vorsitz an Volker Hübner (Mitte) ab. Quelle: Mirko Hänchen

Mit Fallschirmspringen fing es an

Für Lindner heißt der Wechsel nicht, jetzt gänzlich bodenständig zu werden. Zeit seines Lebens ist er schon viel zu oft abgehoben, als dass er jetzt auf das Fliegen verzichten könnte. Anfangs brauchte er allerdings noch eine motorgetriebene Maschine, um abheben zu können. Nach der Armeezeit begann er 1964 bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) in Grimma, das Fallschirmspringen zu erlernen. Danach wechselte er zum Bezirksaeroklub der GST in Leipzig-Mockau, wo er andere in diesem Sport ausbildete.

Westfernsehen weckt Neugier

1974 war für ihn mit den Sprüngen aus dem Flugzeug Schluss. „Ich hatte einfach keine Zeit mehr dafür, weil ich beruflich stark beim Kreisbetrieb für Landtechnik Rochlitz in Methau eingespannt war“, bedauert er. Im Hinterkopf behielt er aber immer das Hobby – zumindest bis ihn eines Tages im Westfernsehen ein Bericht über etwas anderes fesselte, das Drachenfliegen. „In der DDR war das verboten wegen der Fluchtgefahr“, erklärt er und fügt lächelnd an: „Sogar die Sportflieger in Leipzig durften nur so viel tanken, dass sie mit dem Sprit nicht die Grenze zur Bundesrepublik erreichen konnten.“

Gleitschirmfliegen als neues Hobby

Seit der TV-Dokumentation hat er mit dem Drachenfliegen geliebäugelt. Doch es mussten noch lange Jahre vergehen, bis die Mauer fiel, die Deutschland trennte. „Ein Grimmaer Fallschirmspringer, den ich noch kannte, brachte 1991 einen Gleitschirm mit nach Colditz.“ Es war jene wilde Zeit, in der manches ging, was heute unvorstellbar wäre. Ohne sich dafür anzumelden gingen Lindner und einige andere Enthusiasten am 5. Mai 1991 zu einem Hang am Heimatturm. „Dort wagte ich meinen ersten Flug und hatte sofort Blut geleckt“, berichtet er. „So kam mir die Idee, einen Verein zu gründen.“

1991 gründete sich der Gleitschirmclub in der damaligen Colditzer Station junger Techniker und Naturforscher. Vorsitzender wurde seinerzeit schon einmal Volker Hübner (4. v. re.). Sein Stellvertreter war Volker Lindner (3. v. re.). Quelle: Wolfgang Stadler

Schon im Juli des selben Jahres hoben ihn sechs Männer aus der Taufe. Pflicht war, gleichzeitig dem Deutschen Hängegleiterverband beizutreten. Erster Vereinsvorsitzender wurde jener Volker Hübner, der den Posten nun wieder innehat; Lindner übernahm dessen Stellvertretung. „Wir kauften uns Schirme. Wer neu hinzu kam, konnte sie sich zunächst von uns ausleihen“, beschreibt er die Anfänge.

Verein kauft Hang am Heimatturm

Zu den ersten Schritten gehörte es auch, den Hang am Heideberg, an dem er seinen ersten Versuch unternahm, für den Verein zu sichern. „Wir kauften ihn von den Eigentümern und verpachteten ihn an die Agro GmbH Methau, die dort Futter gewinnt für ihre 4000er-Milchviehanlage und den Landeplatz mit Färsen beweidet“, schildert Lindner. Aus seiner Sicht ein Glücksgriff, denn häufig weht dort ein Südwestwind, der ideal für den Start ist.

Zahlreiche Aktivitäten

Der Colditzer, der sich 1998 zum Tandempiloten ausbilden ließ, übernahm im Jahr darauf den Vereinsvorsitz. „Damals hatten wir schon alle zwei Jahre Flugtage veranstaltet“, berichtet er. „Nun kamen die jährlichen Fahrten nach Meduno in Norditalien dazu, wo wir eine Woche lang fliegen und bei schlechtem Wetter Kulturprogramme besuchen oder Ausfahrten unternehmen.“

Mitgliederzahl sinkt

In seiner besten Zeit hatte der Verein 22 Mitglieder. Die Zahl nahm aber kontinuierlich ab auf acht Männer im Alter von 44 bis 84 Jahren. „Ich habe getan, was ich konnte“, meint Volker Lindner. Wir waren auf Festen in der Region, um mit Zielflügen zu werben. Wir sprachen Oberschüler an, hatten Berichte in der LVZ und präsentieren uns auf der Homepage von Colditz.“ Es stießen aber keine neuen Interessenten hinzu.

Stets unfallfrei

Lindner denkt, das hängt mit den Kosten für das Hobby zusammen. Für einen Gleitschirm sind schnell 5000 Euro hingeblättert, hinzu kommen die regelmäßigen Überprüfungen, die ebenfalls ins Geld gehen. „So kann das Fliegen nie ein Massensport werden. Aber die Sicherheit geht nun einmal vor“, urteilt der Colditzer, der mit Stolz betont: „Seit unserer Gründung gab es bei uns keinen Unfall, wenn man mal davon absieht, dass sich jemand bei der Landung den Fuß verstauchte.“

Von Frank Pfeifer

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