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Grimma Gefahr in Verzug am Belgershainer Bahnhof
Region Grimma Gefahr in Verzug am Belgershainer Bahnhof
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14:05 29.08.2019
Nur noch eine Ruine: Bernd Weisbrich zeigt auf das ehemalige Stellwerk, dessen Fenster eingeschlagen sind. Das Dreieck auf dem Dach ist der Rest einer Hütte, die Jugendliche gebaut haben. Quelle: Thomas Kube
Belgershain

Wer mit dem Zug aus Leipzig in Belgershain einrollt, sieht linker Hand als Erstes einen der größten Schandflecke auf der gesamten Bahnlinie. Mit von Sprayern verunstalteten Wänden und zersplitterten Fenstern steht es da, das ehemalige Stellwerk, von dem aus früher die Schranken und Signale auf der Oberholzer Seite des Bahnhofs bewegt wurden. Aus Sicht der Gemeinde sollte es dringend abgerissen werden. Doch der Eigentümer sieht dazu keine Veranlassung.

„Das Gebäude ist optisch wie sicherheitstechnisch eine Katastrophe“, sagt der stellvertretende Bürgermeister, Bernd Weisbrich. „Diese Ruine sieht furchtbar aus und stellt keine Reklame für unser schönes Dorf dar. Und es gehen Gefahren von ihr aus.“

Jugendliche steigen ein

Vandalen haben ganze Arbeit an dem Stellwerk geleistet. „Jugendliche, die von auswärts kamen, wurden gesehen, wie sie aus dem Zug ausstiegen und die Schienen entlang zum Stellwerk liefen. Und das mehrere Tage lang“, erklärt Weisbrich. „Das geschah in der Woche, wenn sie in diesem Alter eigentlich zur Schule oder in die Lehre gehen sollten. Die Polizei kam zwar mal zur Kontrolle vorbei, aber an einem Wochenende. Da war niemand da.“

Gefahr für Personenzüge

Ziegel aus dem Mauerwerk haben die Jugendlichen zu einer Treppe aufgeschichtet, die auf der rückwärtigen Seite zu einem Fenster führt und immer noch zu sehen ist. So gelangten sie offenbar ins Haus. Aus Brettern bauten sie eine Hütte, mit der sie das Gebäude krönten. Teilweise ist sie inzwischen zusammengebrochen. Einige der Bretter blies der Wind herunter. „Kommt er aus der falschen Richtung und weht er stark genug, könnte es die anderen Bretter aufs Gleis wehen, auf dem die Personenzüge fahren“, warnt Weisbrich. „Ein Glück, dass noch nichts Schlimmes passiert ist.“

Illegaler Einstieg: Bernd Weisbrich an dem Fenster, durch das Unbekannte ins Gebäude gelangten. Sie haben dafür eigens eine kleine Ziegeltreppe gebaut. Quelle: Thomas Kube

Der Vize-Bürgermeister sprach schon vor längerem die Bundespolizei an, als er einen Blechschrank neben dem Stellwerk sah. „Ihn räumte dann irgendwer weg“, sagt er. „Aber der Müll und die Dachpappe, die hier auch herum liegen, sind bestimmt nicht gut für die Umwelt und das Trinkwasser.“

Belgershainer Stellwerk muss weg

Kommentar von Frank Pfeifer

Unter einem besonderen Schutz steht in der Bundesrepublik das Eigentum. Gut so. Was gerne vergessen wird, ist der folgende Satz im Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet.“ Nicht immer, so scheint es, wird hier mit gleichem Maß gemessen, wie das Beispiel Belgershainer Bahnhof zeigt.

Kommunen und Landratsämter sind schnell zur Stelle, wenn Privatleute ihren Besitz verfallen lassen, der zu einer Gefahr für die Allgemeinheit wird. Da müssen Gebäude gesichert werden, deren Dachsteine auf den Gehweg zu fallen drohen. Da sind Hornzschen mit Bauzäunen abzusperren, damit sie Unbefugte nicht betreten können. Kann sich das der Eigentümer nicht leisten, wird ihm die Ersatzvornahme durch das Amt in Rechnung gestellt.

Heißt der Eigentümer Deutsche Bahn, lässt sich aber offenbar eine Ausnahme machen. Das Belgershainer Stellwerk verfällt zusehends. Nur der vorwiegenden Westwetterlage ist zu verdanken, dass herabstürzende Teile bisher auf der den Gleisen abgewandten Seite landeten. Kommt starker Wind einmal aus Osten, was durchaus möglich ist, könnte er Dachbretter auf die Schienen wehen, über die Personenzüge rollen. Eine beträchtliche Gefahr.

Es kann keine Rede davon sein, dass der Eigentümer seiner Verkehrssicherheitspflicht nachgekommen wäre. Jedes Gebäude, das in diesem Verfallsstadium ohne Absperrung mitten im Ort stünde, wäre sofort im Fokus der Behörden. Doch da draußen auf weiter Flur stört es sie offenbar nicht. Im Gegenteil: Es wird sogar noch mit einem Denkmalschutzstatus belegt, der angesichts des Zustandes wie ein Hohn wirkt.

Das Belgershainer Stellwerk ist längst kein Denkmal mehr, sondern nur noch ein Schandmal, das abgerissen werden muss. Und zwar so schnell wie möglich. Vielleicht fahren die Verantwortlichen einfach mal raus und schauen sich die Bude an. Dem schmucken Belgershain würden sie damit einen echten Gefallen tun.

Stellwerk seit 2004 außer Betrieb

Das Stellwerk war laut Weisbrich 1937 gebaut worden, als im Bahnhof Belgershain noch drei Gleise für den Personenverkehr und ein Gleis für den Güterverkehr lagen. Im Zweiten Weltkrieg waren vorübergehend sogar noch zwei Gleise mit Flakgeschützen in Richtung Oelzschau hinzugekommen. Mit der Modernisierung der Strecke Leipzig-Chemnitz wurde die Technik laut Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost 2004 außer Betrieb genommen. Ihre Aufgabe übernahm das elektronische Stellwerk Geithain.

Bahn sieht Verkehrssicherheit gegeben

Die DB Netz AG, so Poschke-Frost weiter, komme ihren Pflichten in Bezug auf den Altbau nach. „Im aktuellen Zustand ist die Verkehrssicherung des Objektes gegeben“, betont sie. Das Stellwerk dürfe nicht betreten werden, stehe unter Denkmalschutz und könne deshalb nicht abgerissen werden. Ein Schutz vor weiterem Vandalismus sei allerdings schwierig.

Bernd Weisbrich widerspricht

Es gibt keinen Zaun, kein Betreten-verboten-Schild, das Fremde vom Stellwerk abhält. Deshalb kann Bernd Weisbrich über die Aussage der Deutschen Bahn nur den Kopf schütteln. „Ich sehe hier keine Verkehrssicherheit gegeben“, meint er. „Was soll ein Denkmalschutz bewirken? Die Bude muss abgerissen werden. In Otterwisch hat man das auch gemacht. Dort handelte es sich um ein Stellwerk vom selben Typ und Baujahr.“

Besprüht und heruntergekommen: Das Stellwerk von der Bahnlinie aus. Quelle: Thomas Kube

Wiederbeleben lässt sich das Gebäude aus Weisbrichs Sicht sowieso nicht. „Es hat keine Zuwegung. Außerdem steht es für eine Nachnutzung zu nahe am Gleis“, begründet er. „Aussichtslos, da was zu machen.“

Von Frank Pfeifer

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