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Grimma Geopark Porphyrland residiert in historischer Grimmaer Senffabrik
Region Grimma Geopark Porphyrland residiert in historischer Grimmaer Senffabrik
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14:34 18.01.2017
Der Geopark Porphyrland hat eine neue Adresse: Kerstin Fiedler ist mit ihrem Büro in die historische Grimmaer Senffabrik in der Leipziger Straße umgezogen.
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Grimma

An historischer Stätte, der früheren Grimmaer Senffabrik, hat der Geopark Porphyrland jetzt seine Zelte aufgeschlagen. Seit Jahresanfang steht der Schreibtisch von Geopark-Managerin Kerstin Fiedler in dem traditionsreichen Fabrikgebäude in der Leipziger Straße. „Wir schlagen mit dem Umzug mehrere Fliegen mit einer Klappe“, so die promovierte Geologin. Zum einen ist das Grundstück bereits angestammte Adresse des Leader-Regionalmanagements Leipziger Muldenland. „Andererseits gehen wir mit gutem Beispiel voran und nutzen ein leerstehendes Gebäude um.“

Kurze Wege zum Regionalmanagement

Bisher war der Geopark direkt im Grimmaer Zentrum, vis-à-vis des historischen Rathauses, eingemietet. Doch die Räumlichkeiten hätten nicht mehr ausgereicht. „Deshalb waren wir auf der Suche nach Alternativen“, berichtet Kerstin Fiedler. Die Entscheidung, in die Leipziger Straße zu ziehen, fiel auch vor dem Hintergrund kurzer Entscheidungswege. Denn im Vorderhaus, der Hausnummer 17, residiert bereits Regionalmanager Matthias Wagner mit seinem Team. „In unserer Arbeit gibt es viele Überschneidungen“, bestätigt Wagner die Synergieeffekte. So könnte man sich im Rahmen der aktuellen Leader-Förderperiode schneller abstimmen. „Im Zweifelsfall reicht ein Gang über den Hof, um aufkommende Fragen schnell zu klären“, erläutert der Regionalmanager. Künftig sollen auch Versammlungs – und Beratungsräume gemeinsam genutzt und damit Kosten gespart werden.

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Das Fabrikgebäude, das viele Grimmaer noch als Senffabrik kennen, hat eine interessante Geschichte. Mit dem Eisenbahnanschluss entstanden Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Firmen in der Stadt an der Mulde. Wie an einer Perlenschnur reihten sich in der heutigen Leipziger Straße – zwischen Altstadt und Bahnhof – etliche repräsentative Gebäude aneinander. Neben vielen Villen und dem Postamt entstand auch die Essig- und Senffabrik – 1894 erbaut von Anton Lange. Vorgänger war ein Geschäft in der Innenstadt, das ab 1824 mit einem „vorzüglich scharfen Weinessig“ handelte, wie aus Aufzeichnungen hervorgeht. Ein weiterer Meilenstein war 1913 der Übergang der Fabrik an die Gebrüder Höme. Diese erbauten zuerst auf dem Gelände der Großmühle eine Senf- und Ölmühle, später wurde die Produktion in die heutige Leipziger Straße verlegt. Jens Müller, Mitarbeiter des Grimmaer Kreismuseums, entnimmt historischen Dokumenten, das hier zeitweilig auch Konserven abgefüllt wurden. Am 31. Januar 1971 schließlich meldete Georg Höme das Gewerbe aus Altersgründen ab. Damit endete die Geschichte der erfolgreichen Grimmaer Essigherstellung. „Sein begehrtes Senfrezept soll der letzte Besitzer mit ins Grab genommen haben“, weiß Müller zu berichten. Später wurden die Räume übergangsweise noch als Werkstatt für eine Bilderrahmenproduktion genutzt.

Historische Fabrikmauern

Nun also residiert der Geopark in den historischen Fabrikmauern. „Für uns war wichtig, dass wir auf jeden Fall an der Mulde bleiben“, berichtet Kerstin Fiedler. „Grimma ist der geografische Mittelpunkt unseres Aktionsraumes, der von Rochlitz bis Röcknitz reicht.“ Außerdem sei die Geschäftsstelle auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Zum Bahnhof beispielsweise seien es nur wenige Schritte. Personell will sich der Geopark in diesem Jahr weiter verstärken. Eine zusätzliche Stelle, die sich um die Entwicklung von Angeboten kümmert, soll aus Leader-Mitteln finanziert werden. „Zu gegebener Zeit erfolgt die Ausschreibung“, kündigt Managerin Kerstin Fiedler an. Arbeit warte zur Genüge. „Schließlich haben wir von der Unesco einige Hausaufgaben erhalten.“ Vor allem gehe es darum, den Geopark erlebbarer zu machen und Offerten für Touristen zu entwickeln. Diesem Ziel dient unter anderem die Ausbildung von Geo-Rangern, die wahrscheinlich im Sommer startet. Interessenten sollen als zertifizierte Natur- und Landschaftsführer ausgebildet werden. „Aktuell“, so Kerstin Fiedler, „arbeiten wir an den Ausbildungsinhalten.“

Auch im Regionalmanagement soll die Zahl der Mitarbeiter steigen. Ab 1. Februar werden sich insgesamt vier Personen sowie ein Werksstudent um die Umsetzung von Leader-Projekten kümmern. „Dabei gilt es, Projektvorschläge anhand der von der Region bestimmten Schwerpunkte und Kriterien zu bewerten“, erläutert Matthias Wagner. Aktuell können unter anderem Projekte zum Thema Siedlungsstruktur eingereicht werden. Der Koordinierungskreis entscheidet das nächste Mal am 15. März über die Bewilligung von Zuschüssen. Noch im Januar soll ein weiterer Aufruf für gewerbliche Projekte veröffentlicht werden. Dabei gehe es um die Sanierung oder Umnutzung von Gebäuden oder auch die Ausstattung von Unternehmen. „Aktuell finden in allen 14 beteiligten Kommunen Informationsveranstaltungen statt, die sehr gut besucht sind“, berichtet der Regionalmanager. Noch bis Mitte März werde zu den Terminen eingeladen.

Nähere Infos zum Geopark:
www.geopark-porphyrland. de,
Leipziger Straße 17a, 04668 Grimma,
Telefon 03437/707361,
info@geopark-porphyrland.de

Nähere Infos zum Regionalmanagement Leipziger Muldenland:
www.leipzigermuldenland.de,
Leipziger Straße 17, 04668 Grimma,
Telefon 03437/707071,

Von Simone Prenzel