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Grimma Gerhard Fritsch aus Fuchshain gibt Kommando
Region Grimma Gerhard Fritsch aus Fuchshain gibt Kommando
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10:05 28.07.2019
In seinem Element: Die Musik hat Gerhard Fritsch sein Leben lang begleitet. Quelle: Roger Dietze
Naunhof/Fuchshain

Die Überraschung folgte auf dem Fuß: Als Gerhard Fritsch vor einem reichlichen Jahrzehnt die Zusage gab, künftig die Geschicke des Leipziger Männerchores der Bäcker- und Fleischerinnung leiten zu wollen, erfuhr der Fuchshainer ganz nebenbei, dass neben diesem Ensemble noch einen zweiter gemischter Innungs-Chor existierte. „Weil der Männerchor hinsichtlich der Zahl und des Alters seiner Mitglieder im Rahmen von Auftritten nicht mehr singfähig war, habe ich die Sänger in den gemischten Chor integrieren müssen“, erinnert sich der heute 78-Jährige. „Dafür war zwar viel Überzeugungsarbeit vonnöten. Die Einsicht, auf diese Art und Weise das Repertoire des Männerchores erhalten zu können, hat am Ende aber den Ausschlag gegeben.“

Dirigat in Naunhof, Belgershain und Großpösna

 Die Leitung des Leipziger Innungs-Chores ist jedoch nicht Fritsches einziges Engagement in diesem Metier. Zuvor schon hatte er den Naunhofer Männerchor übernommen, wenig später wurde ihm zudem die zunächst kommissarische Leitung des Belgershainer Männerchores im Anschluss an einen verunglückten Auftritt des Klangkörpers übertragen. „Ich habe die Aufgabe mit den Worten ‚so schlecht, wie ihr bei diesem Konzert gesungen habt, könnt ihr gar nicht sein’ übernommen“, erinnert sich Fritsch, der mittlerweile auch beim Großpösnaer Frauenchor den Taktstock schwingt, dafür aber die Naunhofer Sänger nur noch bei Konzerten und in der heißen Vorbereitungsphase betreut. „Aber weil ich mein Hobby aus Spaß an der Freude betreibe, wird es mir noch nicht zuviel.“

Noch bekannt als Monsieur Malheur

Zumal dem gebürtigen Leipziger für seine dreieinhalb Chorleiterengagements heute deutlich mehr Zeit zur Verfügung steht, nachdem er seine über 30 Jahre gemeinsam mit seiner Frau aufgeführte Musik-Comedy-Show „Monsieur Malheur“ im November 2013 an den Nagel gehängt hat. „Man soll bekanntlich aufhören, wenn es noch schön ist. Zudem wollte ich nicht eines Tages auf der Bühne umfallen, weil das peinlich sein würde“, so 78-Jährige augenzwinkernd.

Den Schalk, den der studierte Musiker und ausgebildete Hornist im Nacken trägt, pflegt er auch nicht bei den Chorproben abzulegen. „Lachen ist wichtig“, lautet sein Motto. Umso mehr, als laut Fritsch das Einstudieren neuer Lieder bisweilen Kärrnerarbeit ist. „Zudem ist eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl vonnöten, um bei fehlerhaftem Singen niemanden bloßzustellen“, so der Fuchshainer.

Schon vor 1989 im Westen

Er muss zudem damit umgehen, dass nicht jeder seiner Sänger respektive jede seiner Sängerinnen bereit ist, Noten zu lernen. „Da allein nach dem Gehör zu singen sehr schwierig ist, bediene ich mich spezieller Handzeichen, um Tonfolgen quasi zu visualisieren“, so der umtriebige Chorleiter, für den persönlich der Eiserne Vorhang bereits drei Jahre vor dem Jahr 1989 fiel. Nach einem dreijährigen Engagement beim Peenemünder Musikcorps der Volksarmee, einer sich daran anschließenden Lehrtätigkeit an einer Oberschule, der Gründung der Band „Fritsch-Quartett“, mit der der Namensgeber 15 Jahre lang durch die Leipziger Clubs und an der Seite von Größen der DDR-Unterhaltungsbranche quer durch die Republik zog, startete er 1981 seine „Monsieur-Malheur“-Touren.

Fünf Jahre später führten diese Anne und Gerhard Fritsch erstmals in den Westen. „Ausgerechnet beim Karneval im Ruhrpott schlugen wir wie eine Granate ein“, erinnert sich der Fuchshainer Vollblutmusiker, der diese Jahre bis zur deutschen Wiedervereinigung als „die spannendsten meines Künstlerlebens“ bezeichnet. „Aufgrund der vielen Kontakte, die wir das Privileg hatten, im Westen knüpfen zu können, sind wir nach 1990 vom Wegbrechen der Aufträge im Osten nicht allzu hart getroffen worden.“ Im Ergebnis hatte der letzte der von den Fritsches auf ihren Tourneen eingesetzten VW-Busse am Ende 450 000 Kilometer auf dem Tacho.

Heesters ist kein Vorbild

Mittlerweile haben sich die Fahrwege von „Monsieur Malheur“ im Ruhestand deutlich verkürzt, geruhsam aber geht es auch bei seinen dreieinhalb Chorleiterengagements nicht in jedem Fall zu. „Um etwa die Naunhofer dazu zu bringen, Nabuccos Gefangenenchor auf Italienisch zu singen, musste ich dicke Bretter bohren, mittlerweile gehört das Stück zu den Favoriten unseres Publikums.“

Die Zeit, die das Publikum jedoch noch hat, um Gerhard Fritsch in Chorleiter-Aktion zu erleben, ist indes begrenzt. „Ob ich mit 80 die Chöre noch werde leiten können, ist fraglich, auf keinen Fall möchte ich wie Johannes Heesters am Ende meiner musikalischen Tage an den Flügel gelehnt werden.“

Von Roger Dietze

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