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Grimma Gesperrte Brücke sorgt für Frust in Colditz – Autofahrer missachten Verbotsschilder
Region Grimma Gesperrte Brücke sorgt für Frust in Colditz – Autofahrer missachten Verbotsschilder
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19:53 28.12.2018
Die Furtwegbrücke über die Mulde ist in Colditz allgemein als Porzellanwerkbrücke bekannt. Quelle: Thomas Kube
Colditz

 Es regt sich Unmut. Immer mehr Colditzer stimmen ab. Nicht mit den Füßen – das wäre noch erlaubt. Sondern mit ihren Autos. Bewusst missachten sie die Sperrschilder und fahren über die Brücke. Sie schimpfen: Ein ganzes Jahr sei die Brücke nun schon dicht. Nichts habe sich getan. „Ein Trauerspiel“, nennt es Michael Völkl (Pro Colditz). Er ist dafür, die marode Brücke abreißen und neu bauen zu lassen. Illusorisch, wiegelt das Bauamt ab.

Colditz hat – für eine vergleichbare Kleinstadt durchaus unüblich – zwei große Brücken: die Muldenbrücke und die Furtwegbrücke, im Volksmund auch Porzellanwerkbrücke genannt. Während erstere intakt ist, gilt letztere als Sanierungsfall. Die Flut 2013 tat ihr übriges. Das Land will die Kosten für die Reparaturen zu 100 Prozent tragen. Fast eine Million Euro stellte der Freistaat in Aussicht.

Anziehende Konjunktur lässt Preise steigen

Viel Wasser ist seitdem die Mulde hinunter geflossen. Die Konjunktur zieht weiter an, was zu höheren Preisen und knapper werdenden freien Kapazitäten führt. Inzwischen verlangen Firmen das Doppelte. Ein Problem für Colditz: „Wir sind nicht in der Lage, die Differenz zu schultern“, sagt Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) auf LVZ-Anfrage. Die Zeit drängt: Bis Mitte 2019 muss alles fertig sein, sonst droht die Förderung zu verfallen.

Ex-Bürgermeister Matthias Schmiedel, Chef der Freien Wähler „Für unsere Heimat“, stärkt seinem Nachfolger den Rücken: „Robert muss die Brücke sperren. Das verlangen die Gutachten. Er hat letztlich die Verantwortung.“ Nein, Colditz treffe keine Schuld. Man habe zunächst eine fast 700 Meter lange Umgehungsstraße bauen müssen, damit das Werk Magmalor der Ferro-Gruppe bei einem bevorstehenden Brückenbau nicht von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Krisengipfel Anfang Januar in Leipzig

Besagte Straße ist fertig. Was fehlt ist der Brückenbau. Sie könne die Wut der Möselner, Schwarzbacher, Thierbaumer, Leupahner, Hohnbacher und Thumirnichter gut verstehen, sagt Sonja Schilde (Bürgerinitiative Colditz): „Alle müssen Umwege fahren. Dazu staut es sich an der Ampel. Wieso können wir die Brücke nicht wenigstens für Autos öffnen – all die Jahre ging es doch auch?“ Es wundere sie nicht, dass sich Anwohner trotzig über die Verbote hinwegsetzten.

Ähnlich sehen es Gottfried Schröpfer (Pro Colditz) und Manfred Heinz (FDP). Doch auch sie hoffen auf das Gespräch der Colditzer Rathausspitze mit Vertretern der zuständigen Straßenbaubehörde in Leipzig. Auf dem Krisengipfel Anfang Januar will Bürgermeister Zillmann das weitere Vorgehen besprechen. „Es ist ein Politikum, ich weiß“, sagt Zillmann. An der Sperrung der Brücke halte er fest, mit zusätzlichen Schikanen wolle er weitere Schwarzfahrten verhindern.

Zillmann: Wir sitzen alle in einem Boot

Wie berichtet, ist der Beton der Widerlager zu sanieren. Die Fahrbahn soll abgefräst und neu aufgebaut werden. Alle Stahlbauteile erhalten einen Korrosionsschutz. Gebaut werden kann, sobald die Temperaturen sowohl am Tag als auch in der Nacht acht Grad Celsius nicht unterschreiten. So ist der Plan. Sollte es keine Einigung über die Finanzierung geben, heißt es in der Stadtverwaltung, müsse über eine Notsicherung nachgedacht werden.

Einen Trumpf habe er jedoch im Ärmel, weiß der Bürgermeister. Der Freistaat plant den Ausbau der Kreuzung B 107 in Richtung Geithain/Rochlitz. Das Land könne damit jedoch nur beginnen, wenn die Brücke fertig sei. „So gesehen sitzen wir alle in einem Boot“, betont Zillmann. Und die Colditzer? Die schütteln auch weiter den Kopf. Sie können nicht verstehen, wie noch so viel Porzellan zerschlagen werden kann, wo doch das eigentliche Werk gar nicht mehr steht.

Von Haig Latchinian

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