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Grimma Glasfasertechnik auch für Naunhof
Region Grimma Glasfasertechnik auch für Naunhof
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15:04 19.02.2019
Auf so ein Bild muss Naunhof noch warten: In Brandis startete die Deutsche Glasfaser GmbH im Oktober vergangenen Jahres mit der Verlegung von Leitungen fürs Hochgeschwindigkeitsinternet. Vielleicht kommt aber nun Bewegung in die Sache.
Auf so ein Bild muss Naunhof noch warten: In Brandis startete die Deutsche Glasfaser GmbH im Oktober vergangenen Jahres mit der Verlegung von Leitungen fürs Hochgeschwindigkeitsinternet. Vielleicht kommt aber nun Bewegung in die Sache. Quelle: Thomas Kube
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Naunhof

 Thallwitz hat sie schon, Brandis, Trebsen und Borsdorf kriegen sie, und in Großpösna läuft gerade das Interessenbekundungsverfahren für Glasfaserleitungen bis in die Wohnhäuser hinein. Auch in Naunhof hätte dieses Frühjahr der Ausbau für ein fast flächendeckendes Hochtechnologie-Netz starten können, doch die Stadt zögerte. Jetzt soll neuer Schwung in die Diskussion kommen.

„Ich habe Sorge, dass wir ins Hintertreffen geraten“, sagte Gerold Meyer (CDU) zur jüngsten Stadtratssitzung. Im Umland schreite der Ausbau des superschnellen Internets voran, während Naunhof weiter auf den angekündigten Breitbandkoordinator des Landkreises warte, den es immer noch nicht gibt.

Naunhof wollte erst abwägen

Im September hatte sich die Deutsche Glasfaser GmbH dem Kommunalparlament vorgestellt, sie bemühte sich um einen Kooperationsvertrag mit Naunhof. Die Gesellschaft wollte eine Befragung starten und bot an, fast in der ganzen Stadt Glasfaserkabel in die Häuser zu verlegen, wenn mindestens 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag mit ihr abschließen. Andere Gemeinden empfingen das Unternehmen mit offenen Händen, Naunhof wollte zunächst schauen, was die Telekom zu bieten hat.

Telekom bietet Vectoring-Technik

Der Magenta-Konzern offenbarte dem Stadtrat seine Vorhaben im Oktober. Demnach setzt die Telekom für Naunhof auf die Vectoring-Technik, bei der Glasfaserkabel nur bis zu Verteilerstationen gezogen werden. Von dort aus erreicht das Signal über die herkömmlichen Kupfer-Telefonleitungen die Haushalte – mit einer Maximalgeschwindigkeit von bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Glasfaserleitungen bis in die Häuser könnten hingegen ohne Streckenverluste das Zehnfache der Leistung bieten.

Breitbandgipfel mit Allgemeinplätzen

Ein Breitbandgipfel hinter verschlossenen Türen, den Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) einberief, sollte im November Klarheit für die Abgeordneten bringen. „Wir hatten mit Vertretern der Deutschen Glasfaser und Telekom gerechnet, um abwägen zu können“, sagt Mario Schaller von der Bürgerinitiative Naunhof (BiN) rückblickend. „Von ihnen war aber niemand geladen. Stattdessen kam unter anderem jemand vom Landratsamt. Es gab allgemeine Informationen, die nicht speziell auf Naunhof bezogen waren.“

Naunhof sollte zweite Chance ergreifen

Kommentar von Frank Pfeifer

Neue Lebensadern schafft sich gegenwärtig eine Kommune des Landkreises nach der anderen. Durch sie fließt nicht Wasser zu den Verbrauchern, durch sie strömen die Durststiller der Moderne: Daten. Die Karawane, die moderne Glasfasernetze hinterlässt, brach in Thallwitz auf und rollt seitdem nach Süden – über Brandis, Borsdorf und Trebsen nach Großpösna. Naunhof ließ sie durchziehen. Leider.

Die Stadt setzte, um im Bild zu bleiben, aufs falsche Kamel. Sie traute der Bürokratie mehr zu als der Privatwirtschaft. Dabei übersah sie geflissentlich, dass das Landratsamt überhaupt nicht alle Städte und Gemeinden mit flächendeckenden Glasfasernetzen ausstatten kann. Die Behörde will sich in erster Linie um jene weißen Flecken kümmern, die Anbieter des freien Markts aus wirtschaftlichen Aspekten nicht versorgen.

Als solche engagieren sich im Landkreis – neben kleinen Mitbewerbern – vor allem die Telekom und die Deutsche Glasfaser. Beide treten mit dem Schlagwort „Glasfaser“ auf, doch was sie damit meinen, unterscheidet sich enorm in der Leistung, die beim Kunden ankommt.

Das Vectoring von Marktführer Telekom mag heute vielen ausreichen, morgen vielleicht schon nicht mehr. Seine Nachteile bekommt bereits jetzt jener zu spüren, der weit vom Verteilerkasten entfernt wohnt: Er erhält deutlich weniger Megabit, als er bezahlt. Die Glasfaser bis ins Haus des Konkurrenten lässt eine Übertragung von einem Gigabyte pro Sekunde zu, geliefert wird punktgenau. Sozusagen das schnellere Kamel.

Die Bürgerinitiative Naunhof erkannte das beizeiten, konnte sich aber nicht durchsetzen. Denn – anders als in umliegenden Kommunen – brannte im Rathaus niemand für die Sache, der mit Argumenten Zweifel an der besseren Technik beseitigte. Gerold Meyer von der CDU gab nun den Anstoß, die Karawane in die Stadt zurückzuholen. Die Chance, auch Naunhof mit den zukunftsträchtigsten Lebensadern auszustatten, sollte nicht noch einmal verstreichen.

BiN kämpft für Glasfaseranschlüsse bis in Häuser

Schaller und Heike Barthel (BiN) kämpften vehement dafür, der Deutschen Glasfaser eine Chance zu geben. Doch die meisten Stadträte vertrauten auf eine Unterstützung durch den Landkreis. „Der Bürgermeister empfahl uns, den Ausbau unter der Regie des Breitbandkorordinators voranzubringen“, erinnert sich Gerold Meyer.

CDU will nicht mehr auf Koordinator warten

Da der Landkreis einen solchen aber immer noch nicht eingesetzt hat, ist die Situation für Meyer mittlerweile eine andere. „Viel Zeit ging ins Land, ohne dass sich in Naunhof etwas tut“, erklärt der Christdemokrat. Er stellte deshalb im Stadtrat den Antrag, das Thema Breitbandausbau wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Die erforderlichen Ja-Stimmen erhielt er, spätestens zur übernächsten Sitzung muss darüber gesprochen werden. Zocher dazu: „Wir müssen entscheiden, ob wir den Ausbau selber machen.“

Mario Schaller weist darauf hin, dass die Telekom mit ihrem Vectoring kaum weiße Flecken im Gebiet von Naunhof hinterlässt. „Jetzt geht es um die Frage, ob wir mit der Deutschen Glasfaser den nächsten technischen Schritt in die Zukunft gehen“, sagt er. „In der Bevölkerung herrscht eine große Unsicherheit über die damit verbundenen Ausgaben. Das Unternehmen hat uns versichert, dass es die Leitungen kostenlos in die Häuser verlegt.“

Deutsche Glasfaser bietet Super-Internet an

Auch für Michael Schramm (CDU) bietet die Deutsche Glasfaser „super Leitungen“, er mahnt: „Das Angebot sollten wir nicht verschlafen!“ In Lindhardt, wo er wohnt, würden immer mehr Nutzer an die Vectoring-Technik der Telekom angeschlossen mit dem Resultat, dass die Übertragungsgeschwindigkeit kontinuierlich sinke.

„Wenn Naunhof es möchte, stehen wir grundsätzlich bereit, 99,08 Prozent des Stadtgebiets zu erschließen“, versichert Michael Kölling, Regionalleiter Mitteldeutschland der Deutschen Glasfaser. „Wird es gewünscht, stelle ich unser Angebot gern noch einmal im Stadtrat vor. Der Bürgermeister braucht mich nur einzuladen.“

Von Frank Pfeifer