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Grimma Grimma: Disput um Dorf der Jugend
Region Grimma Grimma: Disput um Dorf der Jugend
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12:46 04.04.2019
Blick auf die Alte Spitzenfabrik am Mulderadweg in Grimma, wo sich das Dorf der Jugend etabliert hat. Quelle: Frank Prenzel
Landkreis Leipzig/Grimma

Das Dorf der Jugend in Grimma will eine autarke und unabhängige Jugendarbeit im ländlichen Raum etablieren. Doch aktuell steht das Vorhaben in der Alten Spitzenfabrik am Muldeufer unter keinem guten Stern. Der Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit (FJZ) - seit Jahren Träger des Projektes – kämpft um die Anerkennung als freier Träger der Jugendarbeit. Diesen Status will das Jugendamt dem FJZ nicht gewähren. Der Titel ist allerdings wichtig, um langfristig gefördert zu werden und auch andere Geldquellen zu erschließen.

Förderverein bemüht sich um Anerkennung

Jugendliche, die die ehemalige Industriebrache seit Jahren als Treffpunkt und Freiraum schätzen, machten am Dienstag im Jugendhilfeausschuss ihrem Unmut Luft. Nicht selten fällt die laut Tagesordnung bei jeder Sitzung vorgesehene Fragerunde flach, weil keine Besucher da sind. Am Dienstag allerdings herrschte Andrang, wollten zwei Dutzend junger Leute wissen, was aus ihren Visionen wird. Fragen über Fragen prasselten auf das Podium nieder. Ob der Hartnäckigkeit der Gäste sichtlich irritiert, wollte Sitzungsleiter Günter Schwarze (SPD) gar nicht alle Wortmeldungen zulassen.

Jugendliche verschaffen sich Gehör

Dies wiederum sorgte bei den Muldentalern um so mehr für Widerspruch. „Wann, wenn nicht hier und jetzt, sollen wir unsere Fragen sonst stellen?“, insistierte eine gut vorbereitete Wortführerin. Vor allem interessierte die Jugendlichen, mit welcher Begründung dem Trägerverein des Dorfes der Jugend die Anerkennung verwehrt werden soll. „Welche Voraussetzungen muss ein Verein erfüllen, um anerkannt zu werden?“, wollte eine Jugendliche wissen. Jugendamtsleiter Jens Ranft erklärte, dass die Voraussetzungen im Sozialgesetzbuch VIII geregelt seien. „Demnach muss ein Verein mindestens drei Jahre im Bereich der Jugendhilfe tätig gewesen sein, personelle und fachliche Voraussetzungen erfüllen sowie gemeinnützige Ziele verfolgen.“ Außerdem, so Ranft, müsse die Aufgabe der Jugendhilfe mindestens ein Jahr in der Satzung verankert sein. Der Amtsleiter sprach allerdings auch von einem gewissen Ermessensspielraum, welcher der Behörde zustehe.

Jugendamtsleiter spricht von „Ermessensspielraum“

Ob es üblich sei, dass Vereine erst nach drei Jahren anerkannt werden, obwohl wie im Fall des FJZ nachweislich schon seit längerem eine gute Arbeit geleistet wird, lautete ein weiterer Einwurf aus dem Zuhörerraum. Immerhin: Der Verein gründete sich bereits 2007. Seitdem wurden zahlreiche Veranstaltungen wie das Crossover Festival, das 24-Stunden-Baskettballturnier in Grimma und etliche andere Events organisiert. Sogar ein Baskettballverein ging aus der Arbeit hervor.

Dorf der Jugend ist Thema hinter verschlossenen Türen

Die Konstanz des Projektes, das nicht zuletzt durch die Verleihung des Fernsehpreises „Goldene Henne“ 2016 bundesweit Schlagzeilen machte, kann zumindest die Kreisbehörde aktuell nicht beeindrucken. „Das Thema Dorf der Jugend werden wir heute im nichtöffentlichen Teil behandeln“, erklärte die Zweite Beigeordnete, Ines Lüpfert. Deshalb könne auf die Fragen der Jugendlichen nicht konkret eingegangen werden. Dies lasse die Landkreisordnung nicht zu, so Lüpfert. Den Jugendlichen wurden weitere Gespräche – auch unter Beteiligung von Kreisräten – zugesagt.

Sozialpädagoge Tobias Burdukat (l.) erhielt für das Projekt „Dorf der Jugend“ 2016 den Fernsehpreis Goldene Henne in der Kategorie Charity, hier mit Laudator und Musiker Marius Müller-Westernhagen. Quelle: dpa

„Ein Leuchtturmprojekt, das bundesweit ausstrahlt“

Zumindest noch im öffentlichen Teil konnte Andreas Rauhut vom Kinder- und Jugendring des Landkreises seine Sicht unterbringen und betont die Bedeutung der Jugendarbeit: „Das Dorf der Jugend ist ein Leuchtturmprojekt, das bundesweit ausstrahlt und für seine innovativen Ideen bekannt ist. Zudem genügt es für eine Anerkennung, wenn der Träger ein Jahr im Bereich der Jugendhilfe tätig ist. Wenn er drei Jahre tätig ist, leitet sich daraus ein Rechtsanspruch auf eine Anerkennung ab.“ Insofern unterstütze der Kinder- und Jugendring ausdrücklich die Bemühungen der Grimmaer Akteure. „Wir würden uns wünschen, dass sich die gute und inhaltlich anerkannte Arbeit auch in einer Anerkennung als Träger der Jugendhilfe niederschlägt“, erklärte Rauhut im Nachgang.

Entscheidung ist am Mittwoch gefallen

Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt. Auf LVZ-Anfrage erklärte eine Sprecherin der Kreisbehörde am Mittwoch, dass der Antrag auf Grund formeller Mängel abgelehnt worden sei. Die Förderung der Fachkraft im Dorf der Jugend bleibe jedoch weiter bestehen, so dass das Projekt nicht gefährdet sei. Zeitnah solle der weitere Werdegang mit Jugendlichen und Vereinsvorstand besprochen werden.

Tobias Burdukat, der Initiator des Dorfes der Jugend, ist seit vielen Jahren in Grimma engagiert und äußert sich unter anderem in diesem Video der Tageszeitung taz über seine Sicht auf die Bedeutung von Jugendarbeit im ländlichen Raum.

Von Simone Prenzel

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