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Grimma Grimma: Riesiger Blickfang im Kreisverkehr
Region Grimma Grimma: Riesiger Blickfang im Kreisverkehr
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15:03 06.05.2019
So soll der Farbkegel von Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald auf dem Kreisel am Schwarzen Netto in Grimma Gestalt annahmen und als Blickfang auf den Ostwald-Park weisen.
So soll der Farbkegel von Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald auf dem Kreisel am Schwarzen Netto in Grimma Gestalt annahmen und als Blickfang auf den Ostwald-Park weisen. Quelle: Architekt Udo Steinborn
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Grimma

Seit eh und je sieht der Grimmaer Verkehrskreisel am Schwarzen Netto eher trist aus. Doch das ist bald Geschichte. Im Spätsommer soll sich dort ein 4,50 Meter hoher Hingucker erheben – ein Blickfang mitten auf der Bundesstraße 107, der auf den Wilhelm Ostwald Park in Großbothen weist. Dazu erfährt der berühmte Farbkegel des Nobelpreisträgers Ostwald, der von 1853 bis 1932 lebte, eine künstlerische Großgestaltung. Bauherr ist die gemeinnützige Gerda und Klaus Tschira Stiftung, seit zehn Jahren die Trägerin des Ostwald Parks im Grimmaer Ortsteil Großbothen.

Nutzungsvertrag wurde unterzeichnet

Die Idee, auf der Insel des Kreisverkehrs eine Hinweis-Installation zu errichten, wurde vor Jahren geboren. Bereits 2015 hatten dann das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) sowie die Stadt Grimma bezüglich der Gestaltung einen Nutzungsvertrag signiert, der zwei Jahre später auf Wunsch der Kommune modifiziert wurde. Die Stiftung ist der dritte Partner im Boot. Vor Vertragsabschluss war die Gestaltung des Kreisels mit der zuständigen Straßenmeisterei des Landkreises abgestimmt worden, informiert auf Nachfrage Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert, so dass dem optischen Vorhaben aus Sicht der Straßenwächter nichts mehr im Wege stand.

Noch ist er leer, der Kreisel am Schwarzen Netto in Grimma. Hier entsteht ein optischer Hingucker als Hinweis auf den Wilhelm Ostwald Park in Großbothen: Ein Abbild der Farbenpyramide des Nobelpreisträgers. Quelle: Frank Prenzel

Eigentlich sollte der Bau schon 2018 beginnen. Das Projekt erlitt aber einen Rückschlag, als Museumsgestalter Matthias Runge im vorigen Jahr unerwartet verstarb. Der Mann, der im Ostwald-Museum Stelen entwarf und dessen Handschrift sich auch im Kreismuseum Grimma findet, hatte sich der Gestaltung des überdimensionalen Doppelkegels angenommen. Nach seinem Tod führte die Arbeit der Dresdner Architekt Udo Steinborn fort.

Eines der prägnantesten Ausstellungstücke

Das sechs Meter breite und 4,50 Meter hohe Modell des berühmten Doppelkegels wird auf einer kleinen Erhebung auf der Kreisel-Insel Platz finden. Das kleine Original gehört laut Park-Leiterin Silke Kral zu den prägnantesten Ausstellungsstücken des Museums im Wilhelm Ostwald Park. Mit seinem Farbkegel habe Ostwald im vergangenen Jahrhundert in Großbothen ein dreidimensionales Ordnungssystem geschaffen, das nicht nur einen Farbenkreis berücksichtigt, sondern auch eine sogenannte Grauleiter. Es entstand „erstmalig ein System verbindlicher Farbtöne für Industrie, Wissenschaft, Produktion und Kunst, das zur damaligen Zeit auch im Bauhaus Dessau zur Diskussion kam“, würdigt Kral Ostwalds Verdienste.

Der Doppelkegel von Wilhelm Ostwald. Quelle: Anna Katharina Rowedder

Im Kreisverkehr wird die Anzahl der Farbquadrate im Vergleich zum Original jedoch wesentlich reduziert. Auf einem der aus jeweils 28 Quadraten bestehenden Farbfächer wird der Hinweis zum Ostwald Park platziert. „Das ist eine wunderbare Sache, die nicht nur auf den Park, sondern auch auf Ostwald aufmerksam macht“, schwärmt Park-Chefin Kral. Das Objekt stelle eine Würdigung des Nobelpreisträgers dar. Die Wahl sei auch deshalb auf den Farbkegel gefallen, weil er ein schönes Symbol und Ostwalds Hauptwerk in Großbothen sei. Kral betont, das bei der Werbeoffensive die Stadt und der Park-Träger an einem Strang ziehen.

Stiftung trägt als Bauherrin die Kosten

Finanziert wird das vergrößerte Abbild des Ostwaldschen Farbsystems von der Stiftung, die sich zu den Kosten wie gewohnt bedeckt hält. Laut Kral soll im Spätsommer der Baubeginn in der Wurzener Straße sein.

Im Grimmaer Ortsteil wird das Erbe des ersten sächsischen Nobelpreisträgers wach gehalten, dort, wo sich nach 1900 die Wohn- und Wirkungsstätte des Physikers und Chemikers Ostwald befand. 2012 hatte die Gerda und Klaus Tschira Stiftung den Park wieder eröffnet.

Von Frank Prenzel