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Grimma Grimma schafft sich eigenes Glasfasernetz
Region Grimma Grimma schafft sich eigenes Glasfasernetz
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13:45 24.08.2018
Grimmas Pressesprecher Sebastian Bachran zeigt den Plan, wo es in der Stadt an schnellem Internet fehlt. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Es ist ein zukunftsträchtiger Beschluss, den die Grimmaer Stadträte Donnerstagabend gefasst haben. Sie machten den Weg frei für die Schaffung eines Glasfasernetzes, das in der ersten Stufe etwa 50 Prozent der Bevölkerung erreicht und in städtischer Hand verbleibt. Die gigantische Summe von 51 Millionen Euro bezeichnete Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) – abgesehen von den Hochwasserschutz-Maßnahmen – als die bislang größte Investition für Grimma. Sie habe eine historische Dimension. Haushalte, Unternehmen und Einrichtungen, die bereits schnelles Internet haben oder durch Telekommunikationsfirmen erhalten – Richtgröße nach der aktuellen Förderrichtlinie sind 30 Megabit je Sekunde (Mbit) – können zunächst nicht an den Strang.

100 Prozent Förderung

Die Stadt Grimma will die Gunst der Stunde nutzen. Denn Bund und Land seien beim Breitbandausbau endlich aufgewacht und Sachsen bei der Kostenübernahme vorgeprescht, so Berger. „100 Prozent Förderung für unterversorgte Gebiete – das sind optimale Bedingungen“, warb er im Stadtrat für ein positives Votum. Die Kommune muss sich dennoch 13 Millionen Euro leihen, um die Pacht des künftigen, europaweit auszuschreibenden Betreibers vorzustrecken.

Der Rathauschef kann ein Lied vom lahmen Internet singen. Bei ihm in Förstgen liegen gerade mal 1,6 Mbit an. Wenn seine Kinder etwas für die Schule tun wollen, sind ihnen die Hände gebunden. „Es ist, als ob man eine Volldusche nehmen möchte, und es tröpfelt nur“, sagt Berger. In seiner Stadt will er nun Nägel mit Köpfen machen und Grimma für die Zukunft aufstellen. „Momentan reichen vielleicht 30 Mbit, aber in fünf bis sieben Jahren liegt der Bedarf im Gigabereich“, ist er überzeugt. Das von der Telekom angebotene Vectoring mit Kupferkabel und maximal 250 Mbit sei nicht zeitgemäß. „Wir brauchen Glasfaser im ländlichen Raum, das ist wie täglich Brot“, so Berger, der überzeugt ist, dass es der freie Markt nicht richten wird: „Wir wollen das Netz dem Markt entziehen und es selber betreiben.“ Als Vision hat er vor Augen, dass in ferner Zukunft die Stadtwerke Grimma einsteigen.

Flächendeckendes Glasfasernetz

Ein flächendeckendes Glasfasernetz schwebt der Rathausspitze schon lange vor. Um nicht in Kupferkabel zu investieren, ließ die Stadt sogar Fördergeld sausen. Jetzt scheint sie am Ziel ihrer Vorstellungen. Nach dem Stadtratsbeschluss werde schon am Montag beim Bund der Antrag auf die Fördermittel eingereicht, informiert Beigeordnete Ute Kabitzsch. Erst mit dem Berliner Bescheid in der Tasche, kann sich die Stadt ans Land wenden und dann die Leistungen ausschreiben. „Wenn alles gut läuft, fangen wir Ende 2019 an“, zeigt sich Berger optimistisch. Grimma sei derzeit ganz weit vorn. „Wir sind eine von fünf Kommunen in Sachsen, die sofort loslegen können“, sagt er. Der ganze Prozess werde sich aber drei bis vier Jahre hinziehen.

9200 Haushalte, Firmen und Einrichtungen

Zunächst geht es um rund 9200 Versorgungseinheiten, also Haushalte, Firmen oder Kindertagesstätten und Schulen, die nach einer im Juni beendeten Markterkundung zu den weißen Flecken zählen. Für sie fällt voraussichtlich kein Anschlussbeitrag an, wenn das Glasfaser einmal bis an der Hauswand liegt. Begehrlichkeiten wurden schon in den Vorab-Debatten geweckt. So machten sich Ortsvorsteher stark, dass auch ihre Dörfer einmal vom stadteigenen Glasfasernetz profitieren können – selbst wenn sie jetzt über 30 Mbit liegen. „Wir wollen möglichst viele Dörfer reinnehmen“, bekräftigt Berger. Die Kommune betrachte das Projekt als Daseinsfürsorge für die Bevölkerung. Ziel sei es, perspektivisch auch den verdichteten Raum zu integrieren.

Breite Zustimmung im Stadtrat

Im Stadtrat, der sich in den Ausschüssen und eine Woche zuvor in einem Workshop ausgiebig mit dem Thema befasst hatte, gab es breite Zustimmung. Der Fraktionschef der Bürger für Grimma, Hans-Jörg-Dossin, stellte jedoch das Betreibermodell in Frage und sorgte auch für die einzige Nein-Stimme. Seiner Meinung nach ist das Risiko für die Stadt zu hoch, wenn sie das Glaserfasernetz in eigene Regie nimmt. Beim weit verbreiteten Wirtschaftlichkeitslückenmodell, argumentierte er, liege das wirtschaftliche Risiko beim Netzbetreiber, der organisatorische Aufwand für die Kommune hielte sich in Grenzen. Er glaube auch nicht an eine Marktdurchdringung von 40 bis 50 Prozent, so Dossin.

Hoher Bedarf in den Dörfern

Mit dieser Meinung stand er im Ratssaal allein. Ortsvorsteher bekräftigen den hohen Bedarf in den Dörfern ebenso wie Stadträte. „Wir brauchen schnelles Internet ganz dringend, es wird höchste Zeit“, meinte etwa Ute Kniesche (Freie Wähler) auch mit Blick auf Unternehmer und Schulkinder. „Es ist das Zukunftsmodell, dann hat die Stadt immer Zugriff aufs Netz“, sagte Steffen Grimm (CDU). „Dass die Grundlagen in kommunaler Hand sind, wollen wir auch bei vielen anderen Dingen“, so Kerstin Köditz (Linke). Es sei der richtige Weg. Laut Rathauschef Berger ist das Betreibermodell sogar das günstigere. Beim Wirtschaftlichkeitslückenmodell habe die Stadt später keinen Einfluss mehr aufs Netz.

Von Frank Prenzel

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