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Grimma Grimma stemmt Glasfaser-Ausbau mit eigener Verwaltung
Region Grimma Grimma stemmt Glasfaser-Ausbau mit eigener Verwaltung
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12:15 02.02.2019
Kabelbündel aus Glasfaserkabeln.
Kabelbündel aus Glasfaserkabeln. Quelle: dpa
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Grimma

Zur Schaffung eines städtischen Glasfasernetzes geht Grimma die nächsten Schritte. In zwei europaweiten Ausschreibungen werden der Planer und der künftige Netzbetreiber gesucht. Der Stadtrat gab jetzt grünes Licht, die Verfahren zur Vergabe der Aufträge auf den Weg zu bringen. Des weiteren stimmten die Kommunalvertreter zu, den Breitband-Ausbau mit Hilfe eines Regiebetriebes innerhalb der Stadtverwaltung voran zu treiben.

Ziel: flächendeckendes Glasfasernetz

Wie berichtet, nimmt die Stadt Grimma das schnelle Internet für seine derzeit unterversorgten Gebiete in die eigene Hand und betrachtet das als Daseinsfürsorge. Projektziel ist dabei der flächendeckende Glasfaser-Ausbau. Im ersten Schritt wird die Kommune überall dort, wo private Telekommunikationsfirmen kein Interesse zeigen und momentan weniger als 30 Megabit je Sekunde anliegen, für Glasfaser bis ins Haus sorgen. Nach jetzigem Stand betrifft das etwa 40 Prozent der Grimmaer. Dabei steht eine Investition von 51 Millionen Euro im Raum, wobei Grimma das Vorhaben von Bund und Land gefördert bekommt.

Förderzusage vom Bund liegt vor

Der vorläufige Zuwendungsbescheid aus Berlin liegt seit November im Stadthaus vor. Der endgültige Bescheid ergehe erst nach Vorliegen der Ausschreibungsergebnisse, heißt es. Kurz vor Weihnachten hatte die Stadt auch den Förderantrag beim Land Sachsen eingereicht und rechnet mit einer Zusage im Februar. Die förderfähigen Gebiet – sprich die weißen Flecken – waren 2018 mit Hilfe eines Markterkundungsverfahrens ermittelt worden.

Ausschreibung für Bau noch 2019 geplant

Bereits im August vorigen Jahres hatte der Stadtrat sich für das sogenannte Betreibermodell entschieden, bei dem für das stadteigene Netz ein Pacht zahlender Betreiber geordert wird. Wie für die Planung des Glasfasernetzes wählt die Stadt Grimma bei der Betreiber-Ausschreibung ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Das Prozedere kann sich 35 Wochen hinziehen, rechnet die Verwaltung vor. Dennoch soll noch in diesem Jahr der Bau ausgeschrieben werden. Das letzte Haus wird dann wohl erst 2022 angeschlossen sein. Den größten Aufwand – etwa 70 Prozent der Kosten – verursacht das Legen der Leerrohre.

Regiebetrieb stemmt Breitband-Ausbau

Die Stadt hat sich dafür entschieden, den Bau des Glasfasernetzes mit Hilfe eines sogenannten Regiebetriebes zu stemmen. Das heißt nichts anderes, als dass sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung um den Ausbau kümmern. Beigeordnete Ute Kabitzsch nannte im Stadtrat die Vorzüge dieser Variante. So brauche man keinen extra Wirtschaftsplan und Geschäftsführer, was Kosten spare. Nachteil sei, dass sich die Einnahmen und Ausgaben im städtischen Haushalt niederschlagen. Alternativ hätte die Kommune einen Eigenbetrieb oder eine GmbH gründen können.

Vier sehr arbeitsintensive Jahre stehen bevor

In das Projekt sind mehrere Ämter der Verwaltung involviert, im Kern besteht das Team aus fünf Mitarbeitern. Im Tiefbauamt wird mit dem diesjährigen Haushaltsplan eine volle Stelle zusätzlich geschaffen, heißt es in der Beschlussvorlage. Wenn das Netz dann fertig ist, sei der Aufwand sehr klein, sagte Kabitzsch. Dann gehe es nur noch um das Verbuchen der Pacht, die der Betreiber überweist. Die Begleitung von Reparaturen und Wartungen obliegt später dem Tiefbauamt. Die kommenden vier Jahre aber werden laut Kabitzsch „sehr arbeitsintensiv“.

Stadtwerke als späterer Eigentümer im Gespräch

Das Thema Stadtwerke sei nicht vom Tisch, antwortete die Beigeordnete auf eine Frage von Conrad Hempel (Allianz Stadt+Land). Nach dem Bau komme der Betreiber aber mindestens 20 Jahre zum Zuge. „Nach dieser Zeit sind wir verpflichtet, das Netz an einen privaten Dritten zu übertragen beziehungsweise anzumieten“, erläuterte die Beigeordnete. „Die Stadtwerke Grimma bieten sich dafür sehr gut an, und das ist auch unser Ziel.“ Die Marke Stadtwerke wolle man aber schon vorher nutzen.

Von Frank Prenzel