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Grimma Grimmaer Geschäfte erlauben Blick hinter Kulissen
Region Grimma Grimmaer Geschäfte erlauben Blick hinter Kulissen
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11:11 17.03.2019
Orthopädieschumacher Christoph Mätzold führt die Teilnehmer in die Werkstatt und damit hinter die Kulissen. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Der bekannte Grimmaer Drogerist Georg Dornig greift aufs Regal und zieht ein Stück Tonseife hervor. „Das wurde in den Hungerjahren des Ersten Weltkrieges verkauft und enthielt nur zehn Prozent Seife“, erzählt der Senior und hält die Rarität in die Höhe. „Kennen Sie noch Badusan?“ Ja-Gemurmel ist zu vernehmen. Doch als Dornig fragt, was die Literflasche Badeschaum zu DDR-Zeiten kostete, liegen alle weit daneben. 23,50 Mark. Ata, Imi, Fewa, Eggü, Gemol – Dornig zeigt einige Produkte, die seine Drogerie einst führte und weiß so manchen Firmenschwank zu erzählen.

Auftakt für die neue Führung „Hinter den Kulissen“ in Grimma. In den drei Gruppen aufgeteilt erfuhren die 60 Teilnehmer in drei Innenstadt-Geschäften viel Interessantes.

Die Drogerie Dornig gehörte Freitagabend zu den drei Stationen der Grimmaer Premieren-Führung „Hinter den Kulissen“. 60 Teilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt und steuerten im Ringtausch drei alteingesessene Geschäfte der Innenstadt an. Nach der zweistündigen Tour fiel die Meinung einhellig aus: Es war sehr interessant.

Älteste noch existierende Drogerie in Sachsen

Laut Senior Dornig gab es zur Wende in Sachsen 395 Drogerien in Familienhand. Nur noch fünf seien es heute. Und die Grimmaer können sich mit dem Titel „Älteste noch bestehende Drogerie in Sachsen“ schmücken. 1892 gründete Dornigs Großvater den Laden in der Brückenstraße, Anke Rüssel führt ihn inzwischen in vierter Generation. Die Tochter von Georg Dornig bittet die Besucher in eine Ecke. „Das ist das Herzstück der Firma“, sagt sie stolz und zeigt auf eine computergesteuerte Farbmischmaschine der Firma Caparol. Fünf Millionen Farbtöne könne sie damit mischen und 225 verschiedene Produkte herstellen, berichtet sie den staunenden Zuhörern. Lack-, Wand- und Fassadenfarben seien am gefragtesten.

Schuhmacher seit 1888 am Platz

Auf eine lange Familientradition kann auch Christoph Mätzold verweisen. In einem kleinen Raum seiner Orthopädieschuhtechnik Myonso in der Weberstraße wirkt das Gestern und Heute wie ein scharfer Kontrast. Neben einem modernen 3D-Gerät zur berührungslosen Beinvermessung prangt ein großes schwarz-weißes Wandbild. „Das ist mein Urgroßvater. Wir sind seit 1888 am Platz“, weist Mätzold auf den Mann auf der Fotografie. Es war Schuhmacher Feodor Jubisch, der seinerzeit die Firma begründete. Mit Christoph Mätzold ist nun die fünfte Generation am Ruder.

Ein Blick hinter die Kulissen in der Werkstatt

Gipsabdruck war gestern. Die Teilnehmer verfolgen, wie heute mit modernster Technik und sekundenschnell die Maße und Auffälligkeiten eines Fußes gescannt und eingelesen werden. Auch Rückenscanner, Fußdruckmessung und Laufbandanalyse kommen zum Einsatz. So können die Einlagen, Maßschuhe und Kompressionsstrümpfe passgenau gefertigt werden. Orthopädieschuhmacher Mätzold führt die Besucher schließlich in die Werkstatt, wo nicht nur die orthopädischen Produkte entstehen, sondern auch wie eh und je Schuhe repariert werden.

Seit 1985 gibt es die Augenoptik Beckel. Christian Beckel unterhält heute Geschäfte in Leipzig und in der Langen Straße in Grimma und beschäftigt sieben Fachkräfte. Und auch bei ihm gibt es so manchen Aha-Effekt, als er die moderne Technik im wahrsten Sinne des Ortes vor Augen führt. Zu Beginn aber hält er erst mal eine Flasche Essig und ein Baumwolltuch hoch und erntet fragende Blicke. „Daraus entsteht Zellulose, und daraus werden die Brillen gefertigt“, verrät der Augenoptikermeister. Den 3D-Sehtest können alle ausprobieren, für die Wellenfrontanalyse und Ermittlung der Augengesundheit nehmen freiwillige Probanden Platz. Sekundenschnell hat Beckel die Ergebnisse auf dem Monitor und kann präzise Augen und Sehkraft einschätzen.

Grimmaer Optiker bezieht Gläser aus der Schweiz

Die Brillengläser lässt Beckel in der Schweiz anfertigen, „wenn sie bei uns sind, geht’s ans Handwerk“, so der Fachmann. In der Werkstatt werden sie –natürlich computergesteuert –passgerecht geschliffen. Beckel, auch Prüfungsdozent an der Fachschule Jena, hält ein Glas nach dem Schleifvorgang in der Maschine hoch. „Jetzt müssen wir es noch nachschleifen“, erklärt er. Und das ist noch gute, alte Handarbeit.

Von Frank Prenzel

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