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Grimma Grimmaer Waldbesitzer mit Sturmschäden und Käfern überfordert
Region Grimma Grimmaer Waldbesitzer mit Sturmschäden und Käfern überfordert
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12:00 15.08.2019
Der Wald leidet: Vom einstigen Fichtenbestand auf dieser Acht-Hektar-Fläche im Thümmlitzwald ist nichts mehr zu sehen. Robin Späth, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Grimma, rät Waldbesitzern, beim Aufforsten auf Fördermittel zurück zu greifen. Quelle: Frank Prenzel
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Auf der Acht-Hektar-Fläche mitten im Thümmlitzwald reihte sich noch vor Monaten eine Fichte an die andere. Jetzt sind die Bäume verschwunden. Sie haben Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer nicht überlebt. Allein im 1100 Hektar umfassenden zentralen Thümmlitzwald sind aktuell etwa zehn Prozent der Fläche kahl. „Da steht kein Baum mehr“, sagt Robin Späth, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Grimma, die derzeit 22 Waldbesitzer vereint. Ein ähnliches Bild bilden seinen Worten zufolge Wermsdorfer Wald, Colditzer Wald und auch die zahlreichen kleinen Bestände in der Region.

Vom einstigen Fichtenbestand auf dieser Acht-Hektar-Fläche im Thümmlitzwald ist nichts mehr zu sehen. Quelle: Frank Prenzel

Die Situation hat sich nach dem Sturm- und Dürrejahr 2018, das die Nadelbäume anfällig für den Borkenkäfer machte, nicht verbessert. Auch wenn es bislang in diesem Jahr nur wenige Hitzewellen gab und vor allem im Mai und auch jetzt Regen gefallen ist: Für eine Erholung der Bäume reicht es nicht. „Die Grundwasserspeicher sind nicht aufgefüllt“, weiß Späth.

Nadelgehölze verschwinden aus unseren Wäldern

Fichten, Lärchen, Kiefern – die Nadelgehölze sind am meisten betroffen und werden wohl aus unseren Wäldern verschwinden. Auch die Birke leidet. „Momentan beobachten wir über alle Arten hinweg ein Baumsterben, so dass die Bestände licht werden“, konstatiert der Forstexperte. Noch am stabilsten stünden Eichen und Roteichen. Ein mildernder Umstand, denn die Eiche ist als heimischer Baum am stärksten im Forstbezirk Leipzig anzutreffen. Sie stellt ein Viertel der Waldfläche.

Selbst der staatliche Forstbetrieb stößt bezüglich der Waldschäden an seine Grenzen. Späth befürchtet, dass aber vor allem die vielen kleinen Waldbesitzer mit der Situation überfordert sind und resignieren könnten, „wenn es sie hart getroffen hat“. Immerhin befinden sich 55 Prozent der Waldflächen im Forstbezirk Leipzig in privater und kommunaler Hand.

Waldsterben in der Hohburger Schweiz

Multimedia-Reportage über das Baumsterben im Hohburger Wald.

Zwar könne man den gefallenen Wald auch der Natur überlassen und habe dann nur die Pflegekosten, sagt der 36-jährige freiberufliche Forstsachverständige. „Dann kann man es aber nicht steuern und weiß nicht, was wächst.“ Späth rät deshalb zur aktiven Verjüngung, zumal das sächsische Waldgesetz vorschreibt, dass Waldflächen, die ihren Bestand zu 60 und mehr Prozent verloren haben, innerhalb von drei Jahren wieder aufzuforsten sind.

Wiederaufforstung pro Hektar kostet rund 15.000 Euro

„Wenn man das richtig macht, kostet es aber viel Geld“, weiß Späth. Mit allem Drum und Dran müsse der Besitzer für die Wiederaufforstung von einem Hektar Wald rund 15.000 Euro hinlegen. Späth rät deshalb den privaten Waldbesitzern, auf die Förderung des Freistaates zurückzugreifen.

Sachsen zahlt 75 Prozent der Kosten für zum Beispiel Bodenvorarbeiten, Vorwuchsbeseitigung, Saat und Pflanzung, erstmaligen mechanischen Wildschutz (Zäune) im ersten Jahr. „Man sollte sich vor den komplexen Förderanträgen nicht scheuen“, empfiehlt der Forstexperte aus dem Grimmaer Ortsteil Seidewitz. Die Waldbesitzer könnten sich an ihren zuständigen Förster oder auch an ihn wenden, bietet Späth Hilfe an. Diese Ausgaben für Fachplanungen und Gutachten können bei der Förderung ebenfalls geltend gemacht werden.

Wer mehr als zehn Gehölz-Hektar sein Eigen nennt, muss aber einen Waldbewirtschaftungsplan vorlegen, sonst kommt er nicht in den Genuss der Wiederaufforstungsförderung. Aber auch dafür steuert der Staat 80 Prozent der Kosten bei.

Robin Späth, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Grimma, rät Waldbesitzern, beim Aufforsten auf Fördermittel zurückzugreifen. Hier hält er auf einer Kahlfläche im Thümmlitzwald eine junge Roteiche in der Hand. Dieser Baumart werden beim Klimawandel gute Prognosen in Forstbezirk Leipzig zugestanden. Quelle: Frank Prenzel

Was aber nun Anpflanzen? Ein Nonplusultra gebe es nicht, sagt Späth. Von Eiche, Roteiche und Robinie verspreche man sich in unseren Breiten noch am meisten, sie trotzten dem Klimawandel. Die Eiche bringe auf dem Holzmarkt auch einen guten Preis. Die viel beschworenen Mischbestände sieht Späth unter dem Gesichtspunkt der Waldbewirtschaftung jedenfalls zwiespältig. Sinnvoll ist in seinen Augen, Kulturen im Wald blockweise zu mischen.

Kontakt: Robin Späth, Forstbetriebsgemeinschaft Grimma, Telefon 0163/2532482, www.fbg-grimma.de

Von Frank Prenzel

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