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Grimma Grimmaerin schaffte große Gesellen aus Wolle
Region Grimma Grimmaerin schaffte große Gesellen aus Wolle
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14:04 16.09.2019
Die Grimmaerin Sylvia Gretschel greift gern zur Stricknadel - und verziert mit ihren Werken aus Wolle Objekte im Freien. Ihr jüngster Coup: Aus Betonsäulen an der Grimmaer Umfahrung wurden spielende Kinder. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Ihr jüngster Coup fällt nicht sofort ins Auge. Nur wer genau hinschaut und weiß, wo er suchen muss, sieht aus dem Auto den Farbtupfer im Dreieck von Ortsumfahrung und Beiersdorfer Straße. Sylvia Gretschel hat hier am Feldrand acht mannshohe Betonsäulen in spielende Kinder verwandelt.

Die steinernen, grauen Pfähle tragen bunte Mützen und Armkleider, die „Mädchen“ sind mit einem farbenfrohen Rock versehen, lustige Augen blicken auf einen Ball in der Mitte. Die Kleidungsstücke sind aus Wolle gestrickt – entstanden unter den geschickten Händen der 62-jährigen Grimmaerin.

Fliegenpilz, Rekord-Ente oder ummantelte Lärche: Sylvia Gretschel sucht Objekte, die sie umgarnen kann.

Sylvia Gretschel hat es also wieder getan. Ihr Markenzeichen ist es, in und um Grimma triste Objekte zu umstricken und so in einen hübschen Hingucker zu verwandeln. Nach einer längeren Pause ist sie jetzt wieder aktiv – zuletzt fiel der Fliegenpilz nahe der Wallgraben-Oberschule auf, dem die dreifache Mutter einen Wollmantel nebst Haube verpasst hatte.

Weltrekord: Grimmaerin kommt ins Guinness-Buch

Gretschel schaffte es mit ihrem Steckenpferd sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Mit ihrer Tochter Sandy schuf sie vor vier Jahren eine menschengroße Strickente, setzte sie auf eine schwimmende Matte und verankerte sie auf der Mulde. Ihre Tochter hatte den Draht des ungewöhnlichen Tieres gebogen, während Gretschel Masche an Masche fügte für den Riesenkörper. Noch heute zeigt die 62-Jährige stolz die Urkunde vor, mit der ihr der Weltrekord für die „größte schwimmende Strickente“ bescheinigt wird.

Eigentlich wollte sie mit der Ente mitten auf dem Fluss einer Beschädigung vorbeugen. Denn ihre Kunstwerke sind vergänglich und fallen nicht selten dem Vandalismus zum Opfer. Doch auch der Ente an der Hängebrücke war nur ein kurzes Dasein beschieden. Nach etwa zwei Monaten sei sie zerstört gewesen, ärgert sich die Grimmaerin, die zu DDR-Zeiten als Elektromechanikerin arbeitete und sich seit der Wende mit verschiedenen Jobs durchs Leben schlägt.

In Bahren fing alles an – mit einem Baum

Als sie vor etwa fünf Jahren in Bahren in der Küche der Trakehner-Stube aushalf, fing alles an. Es sehe aus, als ob da einer steht, meinte die Köchin zu einem geköpften Baum am Weg. Für Gretschel war das die Initialzündung. Zunächst setzte sie dem Stamm eine Zuckertüte auf, doch weil die der Regen bald in Mitleidenschaft gezogen hatte, formte sie mit ihrer Tochter aus Draht einen Hut und bestrickte ihn. Tage später ummantelte die Grimmaerin dann die gesamte Lärche mit kunterbunten Faden-Reihen. Ihr erstes Werk.

Mega-Hut für die Litfaßsäule an der Pöppelmannbrücke

Ein größeres Projekt war der Mega-Hut für die Litfaßsäule an der Pöppelmannbrücke. „Da hatte ich über 400 Maschen auf der Nadel“, erzählt die Frau, die auch gern zu einem Buch greift. „Bei einer Socke sind es gerade mal 48.“ Apropos Nadel. Gretschel nimmt für ihre Dekor-Arbeit ganz gewöhnliche Stricknadeln, bevorzugt läuft der Fernseher, wenn ihre Finger wirbeln. Sie stricke in Reihen, weniger in Mustern, sagt sie. Viel Geld verschlingt das Hobby nicht – oft wird ihr Wolle geschenkt.

Ihr Motiv für die imposante Objekt-Verzierung ist so schlicht wie ihre Muster. Die Leute „sollen an was Schönes denken und einfach mal lächeln“, wenn sie die Werke sehen. Deshalb müsse es auch schön bunt sein, bekräftigt die 62-Jährige.

Dabei muss Gretschel immer wieder Rückschläge hinnehmen. Nicht nur, dass ihre Verzierungen beschädigt oder zerstört werden, sie sind auch nicht immer erwünscht. Städtische Papierkörbe etwa durfte sie nicht schmücken. Aber auch das Wetter macht ihre Schöpfungen vergänglich.

Giraffe und Schwein – Opfer eines Diebstahls

Einmal musste Gretschel sogar einen Diebstahl hinnehmen. Im eigenen Garten auf dem Rappenberg hatte sie mit ihrer Tochter, die geschickt den Draht formt, eine mehr als zwei Meter große Giraffe aufgestellt, neben der ein Schwein stand. Die Wolltiere erfreuten Passanten und spazierenden Kita-Kinder, wurden aber geklaut. Als Gretschel der Polizei anzeigte, ihr fehle eine Giraffe und ein Schwein, wurde sie zunächst nicht ernst genommen. Doch die Beamten gingen der Sache nach und fanden tatsächlich das Diebesgut – bei einem Mann in Kaditzsch.

Gretschel geht wachen Auges durch ihre Heimatstadt, um passende Objekte für ihr lustigen Strickideen zu finden. Und sie hat schon ein neues Projekt im Kopf, das sie aber noch nicht verraten möchte. Man werde es mitten in Grimma sehen, auf dem Markt. Aber erst im Herbst, wenn die Blätter fallen.

Von Frank Prenzel

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