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Grimma Grimmas Bürgerpolizist: „Wir sind auch oft Sozialarbeiter“
Region Grimma Grimmas Bürgerpolizist: „Wir sind auch oft Sozialarbeiter“
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10:00 02.02.2019
Bürgerpolizist Marco Neumann ist in Grimma für die Innenstadt und den südlichen Stadtteil verantwortlich.
Bürgerpolizist Marco Neumann ist in Grimma für die Innenstadt und den südlichen Stadtteil verantwortlich. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma

Der Schnapsdieb macht sich keine Mühe, sein Gesicht zu verbergen. Edeka-Marktleiterin Katja Böhlke und Bürgerpolizist Marco Neumann sind sich bei der Videobetrachtung schnell sicher, wen sie da vor sich haben. „Mit dem hatten wir schon öfter zu tun“, winkt Neumann ab. Auch ein Einbruch geht auf das Konto des Mittdreißigers; im Supermarkt im Grimmaer Süden hat er nicht zum ersten Mal zugelangt.

Grimmas Bürgerpolizist Marco Neumann schaut sich mit Edeka-Marktleiterin Katja Böhlke auf einem Überwachsvideo an, wie ein Ladendieb vorgeht. Quelle: Frank Prenzel

Für Hauptmeister Neumann gehört es zum Alltag, Ladendieben nachzuspüren und ihnen das Handwerk zu legen. Der 42-Jährige ist Bürgerpolizist für die Altstadt und Grimma-Süd und bezeichnet in seinem Beritt Ladendiebstähle als einen Schwerpunkt krimineller Energie. Das komme fast täglich vor, weiß er zu berichten. Auch Fahrraddiebstähle seien immer wieder ein Thema, genauso wie Graffiti-Schmierereien.

Weniger gewaltsame Einbrüche in Grimma

Doch Neumann zieht mit Blick aufs zurück liegende Jahr durchaus eine positive Bilanz, auch wenn er nicht mit konkreten Zahlen aufwarten kann. Gewaltsame Einbrüche zum Beispiel, etwa in Arztpraxen, Apotheken und Getränkemärkten, seien zurückgegangen. Diese Einschätzung fällt er auch zu Drogendelikten, wobei er weiß, dass sogar schon Siebt- und Achtklässler unter jenen sind, die zu Marihuana und Cannabis greifen.

Familiäre Probleme sind ein Keim für Straftaten

2018 sei ruhiger gewesen als andere Jahre, konstatiert Neumann und führt das unter anderem auf den brummenden Arbeitsmarkt zurück. Mittlerweile fänden Leute einen Job, „die früher ohne Chance waren“, sagt er. Menschen also, denen eine Perspektive fehlte und die nicht selten auf- und sogar straffällig wurden und damit ein Fall für die Polizei. Neumann lässt das Schicksal von Heranwachsenden, die abzugleiten drohen, nicht kalt.

Das seien etwa junge Leute, denen familiärer Halt fehlt, berichtet er. Mit ihnen sucht der Bürgerpolizist ebenso das Gespräch wie mit den Eltern. „Wir sind oft auch Sozialarbeiter“, sagt der 42-Jährige und sieht darin einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Er weiß, dass in familiären Problemen der Keim für Straftaten stecken kann.

Insgesamt 19 Bürgerpolizisten im Revier Grimma

Marco Neumann ist im Grimmaer Revier einer von insgesamt 19 Bürgerpolizisten. Fünf von ihnen sind allein in der Flächenkommune Grimma unterwegs. Neumann teilt sich sein Büro mit René Behncke, der für die Mutzschen-Dürrweitzschener Ecke zuständig ist, und kann auf die drei Dienstfahrzeuge der Grimmaer Bürgerpolizisten zurück greifen. „Ich gehe aber auch viel zu Fuß“, verdeutlicht der 42-Jährige. In seinem Bereich ist er bekannt wie ein bunter Hund.

Neumann ist gelernter Fachangestellter für Arbeitsförderung, sattelte aber bald um und absolvierte eine Ausbildung an der Polizeifachschule in Leipzig. Sein Sinn für Gerechtigkeit erwog ihn ebenso zu dem Schritt wie die soziale Komponente des Berufs. Seine ersten Meriten in Uniform verdiente sich Neumann bei der Bereitschaftspolizei der Messestadt. Mittlerweile arbeitet der Familienvater, der 1998 nach Grimma zog, bereits seit sechs Jahren als Bürgerpolizist und kennt Hinz und Kunz in der Innenstadt und in Süd.

Bahnhof nebst Umfeld ist ein Hotspot

Ein Hotspot etwa sei der Bahnhof nebst Umfeld, sagt der 42-Jährige. In seinen Bereich fällt auch das Flüchtlingsheim Roter Ochse. „Das läuft dort sehr gut“, berichtet er. „Wir haben kaum Probleme.“ Treffen neue Asylbewerber ein, sei er meist mit vor Ort.

Bürgerpolizist ist Kontaktbeamter für alle

Neumanns Aufgabenspektrum ist breit gefächert. „Wir betreuen auch Einrichtungen“, gibt er zu verstehen und nennt die Schulen als Beispiel. Weil er auch noch Großbardau, Grethen und Beiersdorf unter seinen Fittichen hat, fallen sechs Bildungsstätten in seinen Verantwortungsbereich. Wenn künftige Abc-Schützen das Revier besuchen, ist Neumann gefragt, in Schulen hält er hin und wieder Vorträge über Mobbing im Internet. Ein Bürgerpolizist sei Kontaktbeamter für alle, betont der Hauptmeister – ob Ordnungsamt, Gewerbetreibende, soziale Vereine oder Projekte wie die Waldwerkstatt, mit der er einmal im Jahr ein Fußballturnier auf die Beine stellt. „Es ist ein Netz, das man sich aufbaut“, erklärt der Grimmaer.

Polizeibeamter Neumann besucht auch regelmäßig die Sitzungen des Stadtrats. „Die Beschlüsse können Auswirkungen auf meine Arbeit haben“, nennt er einen Grund. Wichtig sei ihm auch, die Probleme der Bürger, die in der Fragerunde auftreten, zu hören.

Von Frank Prenzel