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Grimma Grimmas langjähriger Stadtführer: Klaus Büchner quittiert den Dienst
Region Grimma Grimmas langjähriger Stadtführer: Klaus Büchner quittiert den Dienst
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18:03 10.07.2019
Klaus Büchner (80) muss aus gesundheitlichen Gründen seinen Stadtführer-Job in Grimma an den Nagel hängen. Hier zeigt er Notizen für seine Touren. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Tausende hingen an seinen Lippen. Er hat ihnen die schönen und auch die geheimnisvollen Seiten seiner Stadt gezeigt. Jetzt hängt Klaus Büchner die Stadtführer-Mütze an den Nagel. Nach 17 Jahren. Es ist die Gesundheit, die den 80-Jährigen veranlasst hat, der Stadt Grimma ein Schreiben zu schicken und den Dienst zu quittieren. „Der Schritt fällt mir sehr schwer“, sagt Büchner mit Wehmut in der Stimme.

Teppichweber sattelt um und wird Lehrer

Der geborene Wurzener lernte als junger Mensch Teppichweber und arbeitete fünf Jahre in der Teppichfabrik der Stadt, ehe er sich noch einmal auf die Schulbank setzte und umsattelte. An der Pädagogischen Hochschule in Dresden nahm Büchner ein Lehrerstudium für Geografie und Russisch auf – und begann danach seine berufliche Laufbahn in Grimma, das ab 1963 seine neue Heimatstadt wurde. Zuletzt arbeitete der Pädagoge zehn Jahre am Seume-Gymnasium, 2002 endete schließlich sein langes Berufsleben.

Büchner, den neben Geografie auch Geschichte fesselt, dachte aber nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. An der Volkshochschule erwarb er ein Zertifikat für Gästeführung und folgte dem Lockruf der damalige Grimmaer Kulturchefin Bettina Holfter. So kam es, dass Büchner offizieller Stadtführer in Grimma wurde, und er profitierte dabei auch von seiner Erfahrung als Kommunalpolitiker. Für die FDP saß der Mann von 1994 bis 1999 im Stadtrat und führte zehn Jahre lang den Stadtverband der Liberalen. Mittlerweile hat er das Mitgliedsbuch aber abgegeben. „Die Partei hatte sich von meiner DNA sehr weit entfernt“, verrät der 80-Jährige.

Vorbereitung genauso wichtig wie die Führung

Bei seiner allerersten Führung im April 2002 entführte Büchner die Leute in die tiefen Keller beiderseits der Wurzener Straße. Die ehemaligen Bier- und Weinkeller sind als System verbunden, weiß er zu erzählen. Das bekommt man nicht alle Tage zu Gesicht. „Darauf habe ich mich gründlich vorbereitet“, erinnert er sich, als sei es gestern gewesen. Ein Faktum, das sich wie ein roter Faden durch seine 17-jährige Gästearbeit zieht. Denn Büchner hat(te) hohe Ansprüche an seine Touren. Alles soll(te) perfekt sein. Deshalb war die präzise Vorbereitung genauso wichtig wie die kurzweilige Führung.

Grimmas Unterwelt - das Tiefkellersystem. Klaus Büchner nahm seine Gäste mit. Quelle: LVZ

Kaum das Zertifikat in der Tasche, musste auch Büchner miterleben, wie seine Stadt 2002 von der Muldeflut heimgesucht wurde. „Nach der Katastrophe kamen Gäste ohne Ende“, berichtet der 80-Jährige. Als studierter Geograf und Kommunalpolitiker sei er intensiv eingesetzt worden. Es waren nicht nur Gruppen wie die Kirchenleute aus Schwaben oder Mitglieder der juristischen Fakultät Leipzig, die wissen wollten, wir ihr Spendengeld eingesetzt wurde und wie man weiter helfen kann. Büchner führte auch Fachleute für Hochwasserschutz durch die Stadt.

Im Schnitt 40 Grimma-Touren im Jahr

Buch hat Büchner nicht geführt über seine Touren. Er schätzt aber ein, etwa 40 Führungen im Jahr mit durchschnittlich je 30 Gästen absolviert zu haben. Und da war so gut wie alles dabei: Ganz normale Stadtrunden, aber auch Sonderführungen durchs Rathaus, durch die Frauenkirche, an der Klosterruine Nimbschen, in Döben oder im Gymnasium. „Ich hatte ein Privileg“, ist Büchner noch immer stolz: „Ich war der einzige Stadtführer, der einen Schlüssel zum „St. Augustin“ besaß. So konnte er jederzeit die Pracht von Hof und Festsaal zeigen.

Altstadtführung mit Gästeführer Klaus Büchner. Quelle: Röse

Besonders gern nahm Büchner seine Gäste mit in die Gartenhöfe und profitierte dabei von seinen Kenntnissen als Fachberater für Gartenbau zu DDR-Zeiten. „Diese Sonderführung war sehr begehrt“, blickt der Grimmaer zurück. „Als ich sie zum ersten Mal anbot, standen 140 Leute auf dem Markt.“ Zwei- bis dreimal bot Büchner sogar eine Sonderführung über das einstige Exerziergelände am Rumberg an. „70 bis 80 Leute kamen mit“, staunt er noch heute. Zur Vorbereitung habe er sogar Feldpostbriefe gelesen.

Er sei auch oft privat angesprochen worden, erzählt der 80-Jährige. So begleitete er nicht selten Familien oder einstige Schulklassen mit seinem Wissen durch die Stadt.

Wichtige Grimma-Literatur im Bücherschrank

Bei Wind und Wetter, bei Hitze und Dauerregen band sich Büchner die Schuhe und nahm seine Gäste mit auf eine Zeitreise. Er habe viel Anerkennung für seine Arbeit erfahren, freut sich der Grimmaer, in dessen Bücherschrank die wichtige Literatur über Grimma nicht fehlt, darunter ein Erstdruck von Seumes „Spaziergang nach Syrakus“. Die berühmte Chronik der Stadt von Gottlob Lorentz hat er digital vorliegen.

„Es war für mich eine wunderschöne Zeit“, bilanziert Klaus Büchner, der sich eine kleine Hintertür noch offen lässt. Sollte es ihm gesundheitlich wieder besser gehen, „könnte ich kleine Sachen übernehmen oder auch mal einspringen“.

Von Frank Prenzel

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