Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Grimmas millionenschwerer Flutschutz ist auf der Zielgeraden
Region Grimma Grimmas millionenschwerer Flutschutz ist auf der Zielgeraden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 07.01.2018
Ist zur Zeit die größte Baustelle an der Hochwasserschutzanlage für Grimma: Das künftige Schöpfwerk für den Thostgrundbach. Quelle: Foto:
Anzeige
Grimma

Beim Bau der Grimmaer Flutschutzanlage biegt die Talsperrenverwaltung im neuen Jahr auf die Zielgerade ein. Die Funktionalität der komplexen Anlage werde im Laufe des Jahres 2018 hergestellt, sagt Projektleiter Thomas Zechendorf. Fertiggestellt wird das Bauwerk aber erst 2019. Zechendorf rechnet mit den letzten Handgriffen in der Mitte jenes Jahres.

Noch genießen die Baufirmen ihre Betriebsruhe zum Jahreswechsel. Doch wenn es die Witterung zulässt, soll es im Januar weitergehen auf Grimmas größter Baustelle. „Wir schließen jetzt die letzten Lücken, die Anlage liegt im Zeitplan“, verdeutlicht Zechendorf. Bereits seit 2007 wird an der 2056 Meter langen Hochwasserschutzanlage gebaut, einschließlich der Planung wurden bislang 42 Millionen Euro investiert. „Wir werden am Ende zwischen 45 und 50 Millionen Euro landen“, rechnet der 43-jährige Projektsteuerer vor, der im Betrieb Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster der Landestalsperrenverwaltung arbeitet.

Anzeige

Unliebsame Überraschungen hielt das Jahr 2017 nicht bereit. Größte Herausforderung ist laut Zechendorf momentan der seit Mai laufende, „sehr aufwendige“ Bau des Schöpfwerkes für den Thostgrundbach. „Denn hier greifen viele Gewerke ineinander“, erklärt der Projektleiter. Mit der Netzersatzanlage sowie Mess- und Steuertechnik verschlingt allein dieses Bauwerk annähernd vier Millionen Euro. Im Ernstfall wird es das Bachwasser in die Mulde pumpen und so einen Rückstau hinter der Mauer verhindern. Das gilt auch bei starkem Regen, den der verrohrte Bach aufnehmen muss. Der Thostgrundbach sei das einzige Gewässer, das entlang des Bauwerks zu bändigen ist, sagt Zechendorf. Es gebe aber weitere Leitungsübergänge in freiem Gefälle.

Abgeschlossen wurde im alten Jahr – und zwar im Mai – das Teilstück an der Großmühle. Hier klaffte bis dahin die letzte große und gefährliche Lücke entlang der Altstadt. Es war eine aufwendige Baustelle, auch weil die Ruine der Roggenmühle stehen bleiben musste. „Allein hier haben wir eine reichliche Million Euro verbaut“, erklärt Zechendorf, der seit 2010 für die Grimmaer Anlage den Hut aufhat. 2017 wurde auch die Schutzwand zwischen Gymnasium und Etuifabrik errichtet. Zudem begann im Frühjahr das Abdichten von Klosterkirche und Gymnasium. So wurden die Außenwände angebohrt, um die Hohlräume zu verpressen. An der Klosterkirche sind die Fachleute damit fertig, hier muss im neuen Jahr nur noch der Dichtputz drauf. Im Gymnasium, wo allein 2000 Bohrungen vorgenommen wurden, soll es in den nächsten Tagen weiter gehen.

Im neuen Jahr wird dann auch die Lücke zwischen Klosterkirche und Gymnasium geschlossen, die Pergola. Auf den sogenannten Bohrpfählen, die auf den gesamten zwei Kilometern bis auf den Fels ins Erdreich gebracht wurden und eine unterirdische Dichtwand bilden, liegt bereits die erste Kopfbalken-Lage aus Beton. Im Frühjahr wird der hier etwa drei Meter hohe Schutz dann sichtbar wachsen. Im ersten Quartal beginnt bereits der Rückbau der Baustraße entlang der Mulde. „Derzeit ist die Ausschreibung am Markt“, sagt Zechendorf. Zunächst wird die Baustellenzufahrt zwischen Fährtor und Kreismuseum-Höhe entfernt und das Gelände mit Fuß- und Radweg versehen. „In der zweiten Jahreshälfte wollen wir den Bereich für die Öffentlichkeit schon frei geben“, erklärt der Projektchef. In der Folge soll auch bis zum Schloss die letzte Stunde der Baustraße schlagen. Und im letzten Jahresquartal soll der Bau des letzten Teilstücks der Schutzmauer beginnen. Es umfasst 35 Meter an der Pöppelmannbrücke. „Das zieht sich bis 2019 hin“, verdeutlicht Zechendorf. Auch ein Fluttor sei an der Stelle noch einzubauen.

Weil die Stadt Grimma an der Brücke Big Bags gestapelt hat, ist die Funktionalität der gesamten Anlage zu diesem Zeitpunkt aber gegeben. Denn das Schöpfwerk für den Thostgrundbach soll in diesem Jahr in Betrieb gehen. Droht ein Hochwassers, sind übrigens 78 Öffnungen im Schutzwall zu schließen – vom neueinhalb Meter großen Tor bis zur Fenster-Schottplatte.

Von Frank Prenzel

Anzeige