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Grimma Groitzscher Pflegeheim öffnet Türen für Menschen mit Behinderung und Schwerkranke
Region Grimma

Groitzsch: Pflegeheim öffnet Türen für Menschen mit Behinderung und Schwerkranke

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18:28 10.08.2021
Simone Zimmerling, Leiterin des Diakonie-Altenpflegeheims „Katharina von Bora“ in Groitzsch.
Simone Zimmerling, Leiterin des Diakonie-Altenpflegeheims „Katharina von Bora“ in Groitzsch. Quelle: Diakonie Leipziger Land
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Groitzsch

Sie saßen bisher zwischen allen Stühlen: Menschen mit Behinderung und psychischen Handicaps sowie Schwerkranke, die älter und pflegebedürftig werden. Am besten aufgehoben wären sie oft in einem Mix aus Pflegeheim, Wohnstätte und Klinik, den es so in der Region noch nicht gibt. Ab September wird sich dies ändern, denn das Altenpflegeheim „Katharina von Bora“ in Groitzsch startet neu durch. Als erste Einrichtung im Umfeld wird das Haus seine Türen dann ausdrücklich auch für diese Menschen öffnen. Im Interview spricht Heimleiterin Simone Zimmerling über das neue Konzept der Diakonie-Einrichtung.

Was genau ist im Altenpflegeheim „Katharina von Bora“ geplant?

Jeder Wohnbereich wird einen eigenen Schwerpunkt bekommen. Im Untergeschoss sind Menschen mit psychischen Erkrankungen oder einer Behinderung willkommen. Eine Etage darüber bieten wir weiter klassische Altenpflege. Und im 2. Stock entsteht ein Bereich für Schwerstpflegebedürftige, also zum Beispiel für Ältere nach Krebserkrankungen, mit Dialysepflicht oder Sauerstoffsonde.

Neue Ausrichtung erfordert Umgestaltung

Wie ist die Idee für das neue Projekt entstanden?

Wir haben beobachtet, dass Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in Pflegeheimen oft nicht so richtig heimisch werden. Sie gehören hier nicht hin und fühlen sich auch so. In Wohnstätten, wo sie vorher lebten, sind sie zum Teil unterversorgt. Auch für schwerstpflegebedürftige alte Menschen kann es schwierig sein, einen geeigneten Platz zu finden. Zu Hause geht es nicht mehr, die Klinik hat ihre Arbeit getan, und ein ambulanter Pflegedienst kann die anspruchsvolle Behandlungspflege – zum Beispiel nachts – nicht leisten. Für diese Menschen möchten wir da sein, sie bestmöglich begleiten und versorgen.

Was wird sich im Haus dafür alles ändern?

Es steht einiges an Bauarbeiten an. Wir wollen eine Wohlfühloase mit Licht- und Klangeffekten sowie eine Werkstatt, etwa für Laubsägearbeiten, eröffnen. Geplant ist außerdem ein Appartement, in dem zum Beispiel ein Mensch mit Behinderung und dessen pflegebedürftige Mutter wohnen können. Und unser 800 Quadratmeter großer Garten wird zum Park: richtig schön mit neuen Rundwegen, Ruhe-Nischen, verschiedenen Untergründen für Sinnesanreize und vielem anderen mehr. In unserem Team hat sich eine Deko-Gruppe gebildet, die sehr kreativ und engagiert ist.

Für die Neuausrichtung des Konzeptes sind im Altenpflegeheim „Katharina von Bora“ in Groitzsch bauliche und gestalterische Veränderungen erforderlich. Quelle: Mathias Bierende

Fortbildung für Mitarbeiterschaft

Wie bereitet sich das Team auf die Veränderungen vor?

Es laufen gerade Fortbildungen zu Themen aus der Schwerstpflege, zum Umgang mit psychischen Erkrankungen, zu Deeskalationstechniken und anderem. Wir möchten uns damit fit machen für die anspruchsvolle Arbeit und Berührungsängste nehmen. Außerdem ist abzustimmen, wer in welchem Bereich eingesetzt wird. Es ist für alle eine kräftezehrende Zeit, in der wir uns neu finden müssen.

Wir brauchen außerdem mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Personalschlüssel ist höher, weil wir zum Beispiel im Erdgeschoss die Bewohnerinnen und Bewohner in die Arbeiten des Alltags einbeziehen und mit ihnen gemeinsam Kuchen backen oder den Geschirrspüler ausräumen.

Hoffnung auf Verstärkung fürs Personal

Geeignete Pflegekräfte sind schwer zu finden. Wie wollen Sie diese gewinnen?

Durch die Schwerstpflege sind wir auch für Beschäftigte attraktiv, die bisher die Arbeit in der Klinik mit ihrer Technik und Dynamik bevorzugt haben. Bei uns finden sie beides: die familiäre, ruhigere Atmosphäre einer Altenpflegeeinrichtung, wo man längerfristige Beziehungen zu alten Menschen aufbauen kann, aber auch die Herausforderungen eines Krankenhausbetriebs.

Was wünschen Sie sich für das „Katharina von Bora“?

Ich möchte, dass wir trotz der Schwerpunkte ein Haus und eine Einheit bleiben, in der ein multiprofessionelles Team aus Pflegekräften, Ergotherapeutinnen und Betreuern gemeinsam an einem Strang zieht. Wir wollen, dass die Menschen hier ein neues Zuhause finden und ihr Leben, so gut es geht, selbst gestalten können.

Inklusion ist ein großes Wort, aber genau das wollen wir hier leben. Und mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft und Küche ist dieses Projekt schaffbar, da alle eine gute Arbeit leisten und mich bei der Umsetzung unterstützen.

Von LVZ