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Grimma Großbothen schlägt Brücke zum Bauhaus
Region Grimma Großbothen schlägt Brücke zum Bauhaus
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13:43 01.03.2019
Der Wilhelm Ostwald Park Großbothen zeigt die Verbindung des Nobelpreisträgers zum Bauhaus. Park-Chefin Silke Kral (l.) und ihre Mitarbeiterin Simone Eichler zeigen an Ostwalds Farbenpyramide Bauhaus-Literatur des Museums in Großbothen.
Der Wilhelm Ostwald Park Großbothen zeigt die Verbindung des Nobelpreisträgers zum Bauhaus. Park-Chefin Silke Kral (l.) und ihre Mitarbeiterin Simone Eichler zeigen an Ostwalds Farbenpyramide Bauhaus-Literatur des Museums in Großbothen. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma/Großbothen

Ganz Deutschland schaut in diesem Jahr auf das Bauhaus in Dessau. Auch im Wilhelm Ostwald Park in Großbothen findet das 100. Gründungsjubiläum der einflussreichen Bildungsstätte seinen Niederschlag im Veranstaltungskalender. Und das hat gute Gründe. Schließlich gibt es zwischen dem sächsischen Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald (1853-1932) und dem Bauhaus nicht wenige Verflechtungen.

Kontakte zwischen Ostwald und Gropius

Ab 1928 hielt Ostwald, der sich 1906 in Großbothen niedergelassen hatte, in Dessau Vorträge zu seiner Farbenlehre. P
ark-Leiterin Silke Kral weiß auch zu berichten, dass es zwischen Bauhaus-Gründer Walter Gropius und Wilhelm Ostwald Kontakte gab. Das Bauhaus habe sogar bei Ostwald die Farbenfibel bestellt, die schließlich in 16 Auflagen erschien. „Die Forschung zu den Beziehungen zwischen Ostwald und dem Bauhaus steckt aber noch in den Kinderschuhen“, gibt die 52-jährige promovierte Volkskundlerin und Kulturwissenschaftlerin zu verstehen.

Wilhelm Ostwald. Quelle: Archiv Wilhelm Ostwald Museum

Die Anlage in Großbothen stehe für Ostwalds Farbenforschung, betont Kral. Er habe sowohl eine Formen- als auch eine Farbenlehre entwickelt, und das sei sehr ungewöhnlich. Der Wissenschaftler habe sich gewünscht, auf diesem Gebiet einen weiteren Nobelpreis zu bekommen. Ein Wunsch, der sich bekanntlich nicht erfüllte.

Workshops und Ausstellung in Großbothen

Vorträge, Workshops und eine kleine Begleitausstellung im Museum stehen für die Würdigung des Bauhaus-Jubiläums im Ostwald Park. Zum Auftakt am 13. April (17 Uhr) ist Professor Patrick Rössler von der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt zu Gast und spricht darüber, wie das Bauhaus bis heute unser Sehen prägt. „Er greift dabei auch die Verbindung Ostwalds zum Bauhaus auf“, sagt Simone Eichler, im Park für die Veranstaltungsorganisation zuständig.

Darüber hinaus hat das Park-Management mit der Grimmaer Farb- und Stilgestalterin Annett Antonia Gräske und der Berlinerin Anett Lau zwei Künstlerinnen gewonnen, die im Bauhaus-Kontext die Themen Farbwahrnehmung sowie Formen und Muster beleuchten (Vorträge am 5. Juli und 13. September). „Ostwald ging es schließlich auch um die Harmoniefindung“, erklärt Kral. „Wir gehen das Thema über die Bildende Kunst an und wissen, dass wir die Forschung nachliefern müssen.“ Beide Vorträge rahmen Workshops mit den Künstlerinnen, bei denen die kleinen und großen Teilnehmer das Farbspiel Natur ergründen oder auf die Suche nach Ordnung und Harmonie in Farbe und Form gehen.

Besondere Park-Offerten

Neben den museums- und naturpädagogischen Angeboten enthält der diesjährige Veranstaltungskalender des Wilhelm Ostwald Parks 23 Offerten. Neben der Würdigung des Bauhaus-Jubiläums ragen drei davon heraus:

Zum Internationalen Museumstag am 19. Mai ist der bekannte Schauspieler Olaf Burmeister zu Gast und liest aus der Autobiografie des Nobelpreisträgers. „Diesmal geht es um Ostwalds Zeit in Großbothen“, erläutert Park-Mitarbeiterin Simone Eichler. Burmeister ist nicht zum ersten Mal eingeladen. Bereits 2013, zum 160. Geburtstag des Wissenschaftlers, wartete der Mime mit einer Lesung auf. Zudem gibt es an dem Tag zwei Kinderveranstaltungen. Dabei können die Mädchen und Jungen ihrer Experimentierlust freien Lauf lassen, wenn es „Knifflige Knoten für Outdoorfans“ und „Kochen mit der Sonne“ heißt.

Am 5. Juni sind vor allem Vor- und Grundschulkinder erneut zum „Experimentieren im Park“ eingeladen. Von 9 bis 17 Uhr können sie in die Welt der Naturwissenschaften eintauchen. Mit 16 Zeltstationen verzeichnet der Park eine Rekordbeteiligung seiner Kooperationspartner.

Die dritte Sonderausstellung seit der Park-Eröffnung lädt ab 28. September zum Besuch des Hauses Werk ein. Die Wanderausstellung des Galileo-Parks aus Lennestadt-Meggen trägt den Titel „Bionik – Lernen von der Natur“. Es gehe darum, wie die Natur in der Technik abgebildet wird, erklärt Park-Leiterin Silke Kral. Auch Ostwald habe die Natur zum Anlass genommen, um seine Techniken zu hinterfragen und zu entwickeln. Die Ausstellung soll auch die Smartphone-Generation ansprechen.

Stiftung feiert zehnjähriges Bestehen im Ostwald-Park

Der Wilhelm Ostwald Park liegt seit zehn Jahren in der Hand der Gerda und Klaus Tschira Stiftung. Anlässlich des kleinen Jubiläums haben die 14 Mitarbeiter um Silke Kral ein erweitertes Programm auf die Füße gestellt. „Wir feiern praktisch mit jeder Veranstaltung“, freut sich die Park-Chefin. Laut Eichler gilt der 1. Januar 2009 als Gründungstag der Stiftung. Sie erwarb vom Freistaat Sachsen die damalige Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte mit dem Ziel, das Leben und Werk des Nobelpreisträgers der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zu ermöglichen. Nach Umbau- und Sanierungsarbeiten wurde der Park mit seinem Museum im Haus Energie im Jahr 2012 wieder eröffnet und bietet auch Tagungsgästen sehr gute Bedingungen.

Vortrag zu Ostwalds Forschungen

In diesem Jahr steht dabei noch ein drittes rundes Datum im Fokus. Denn am 10. Dezember ist es 110 Jahre her, dass Wilhelm Ostwald für seine Arbeiten über die Katalyse sowie für seine grundlegenden Untersuchungen über chemische Gleichgewichtsverhältnisse und Reaktionsgeschwindigkeiten der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. Am 19. Oktober und damit im Monat der Bekanntgabe der neuen Nobelpreis-Träger ist dazu Professor Grit Kalies zu Gast im Ostwald Park und würdigt den Forscher in dem Vortrag „Mensch und Natur“. Kalies hat eine Professur für Physikalische Chemie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden inne und ist laut Kral tief in das Thema der Katalyse eingedrungen. Der Vortrag beginnt um 17 Uhr.

Von Frank Prenzel