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Grimma Grund zum Feiern: Colditz weiht Bürgerzentrum ein
Region Grimma Grund zum Feiern: Colditz weiht Bürgerzentrum ein
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18:05 28.05.2019
BSW-Mitarbeiter Annett Naumann und Wolfgang Dähne (v.l.) montieren mit ihren Azubis das neue Eingangsschild. Quelle: privat
Colditz

Was sich in kleineren Orten bewährt hat, dürfte auch in der Kleinstadt nicht falsch sein – ein Gemeinschaftshaus. Das dachten sich die Colditzer und machen nun Nägel mit Köpfen: Am Freitag eröffnen sie auf 1500 Quadratmetern ihr sogenanntes Bürgercenter. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der Versuch, ein Stadtgemeinschaftshaus zu installieren.

Ronny Kriz schwärmt von der Idee eines solch multiplen Hauses. Ausgerechnet was nach Krankheit klingt, soll zur Frischzellenkur fürs überalterte platte Land werden: „So treffen sich etwa an einem Tag die Vereine, am nächsten Tag trainiert die Tanzgruppe, in der Folge berät die Krankenkasse, es gibt Skatturniere, Kurse, Ausstellungen und private Feiern.“

Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Verein

Kriz ist Projektmanager des Bildungs- und Sozialwerkes (BSW) mit Sitz in Tanndorf. Der gemeinnützige Verein, mit über 100 Angestellten einer der größten Arbeitgeber der Region, ist Betreiber des künftigen Bürgerzentrums im Wettiner Ring 17. Vorausgegangen war ein Beschluss des Stadtrates sowie die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen Stadt und BSW.

Seit Wochen waren Auszubildende der Tanndorfer Werkstätten des BSW im Haus aktiv. Angeleitet von Annett Naumann und Wolfgang Dähne strichen sie Wände sowie Türen, arbeiteten Möbel auf und imitierten Fachwerk. Raumausstatter Andreas Voigt verlegte den Boden neu. Axel Schatz sorgte für neue Deckenlampen, Thomas Pönitz für Feuerlöscher. Marko Kiesel und Jana Ansorge mähten Gras und brachten die Hecken in Form.

Kultur ist keine Kunst

Kommentar von Haig Latchinian

Was macht ein Hamburger, wenn er nach getaner Arbeit unter die Leute will? Er geht in die Elbphilharmonie. Und der Leipziger? Er geht in den Academixerkeller? Und der Muldentaler? Er geht zu Kaufland.

Armes Deutschland? Armes Muldenland! Wenn es nicht die Vereine und ihre oft enthusiastischen Mitglieder, wenn es nicht die Friseure geben würde – es gäbe auf dem platten Land kaum noch etwas, wo der Kopf gefragt ist.

Natürlich, da sind die Leuchttürme, engagierte Veranstaltungsreihen wie etwa die Altenhainer Vorträge von Gerd Misselwitz, da sind die Volkshoch- und die Musikschulen, da sind die Kirchen, die Konzerte und der Ringelnatzverein. Aber das Kulturhaus aus Ostzeiten, konzipiert sogar für den einfachen Arbeiter, das gibt es kaum noch.

Weil eines der reichsten Länder der Welt angeblich kein Geld hat, um auch in Dörfern einzelne Menschen zu bezahlen, die hauptamtlich und regelmäßig Kultur unters Volk bringen, müssen es die Leute für lau selber machen.

Umso interessanter der Ansatz in Colditz. Dort wird kein Wähler für sein Abstimmungsverhalten beschimpft. Dort wird ein Bürgerzentrum eröffnet. Jugendarbeit, Lebenshilfe, Lesungen, Vorträge, Tanz – ein gemeinnütziger Verein geht das Wagnis ein, kostenneutral Menschen vom Fernseher loszueisen. Schon jetzt gibt es einen Stamm von Gruppen, der sich dort trifft. Nur zu! Keine Berührungsängste! Wie lautete damals der Titel eines Programms der Academixer: Kultur ist keine Kunst.

Flachbau ist in Colditz eine Institution

Zu Ost-Zeiten diente der Flachbau Wettiner Ring 17 den Erbauern des Wohngebietes als Stützpunkt. Bis 1994 fungierte er als Kaufhalle. Dann trotzten Jugendliche der Stadt das Gemäuer ab. Sie wollten ihren eigenen Klub. Der Internationale Bund übernahm die Trägerschaft. 1996 beendete er seine Starthilfe, seitdem betrieben die Jugendlichen das Haus in Eigenregie.

Im Jugendklub wurde der Staffelstab von Generation zu Generation weiter gegeben. Bis im vorigen Jahr aus Altersgründen der Rückzug des verbliebenen dreiköpfigen Vorstandes bekannt wurde. Weil sich keine geeigneten Nachfolger fanden, übernimmt nun das BSW. Die Tanndorfer organisierten dort seit 2013 ohnehin schon die offene Kinder- und Jugendarbeit.

Haus öffnet sich künftig allen Bürgern

Die Jugendarbeit soll im Haus weiter Schwerpunkt bleiben, verspricht BSW-Geschäftsführer Christian Kamprad. Man werde sich aber allen Bürgern öffnen, sagt Projektleiter Kriz und wirbt fürs multiple Haus: Familien-, Schuldner- oder Jobberatung – es gäbe etliche Institutionen, die Angebote unterbreiteten. Man müsse ihnen nur einen Ort zuweisen. Gerade an Markttagen: „Dann kommen auch die Dorfbewohner in die Stadt.“

Zur Eröffnung ein Fest für die ganze Familie

Sozialpädagogin Maria Sembdner, die auch weiter für die jungen Leute da sein wird, lädt für Freitag zur Eröffnung ein. Ab 14 Uhr startet der bunte Familiennachmittag mit Kinderschminken und Riesenseifenblasen, mit Nussschlagen und Bierkästenstapeln. Die Feuerwehr ist da, die Tanzgruppe, die Colditzer Naturinitiative sowie der Kinder- und Jugendstammtisch.

Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) ist schon jetzt voll des Lobes: „Das Bürgercenter soll Anlaufpunkt für recht viele sein. Deshalb ist das Haus jetzt auch behindertengerecht ausgebaut.“ Zusätzliche Kosten fielen nicht an: „Wir stellen Gebäude und Grundstück zur Verfügung, das BSW erwirtschaftet die Betriebskosten über die Vermietung.“

Von Haig Latchinian

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