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Grimma Heimathaus Pomßen verschluckt das Geld
Region Grimma Heimathaus Pomßen verschluckt das Geld
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12:07 13.06.2019
Sieht schon gut aus: Bürgermeister Jürgen Kretschel in dem Raum, der innen seine Fachwerkoptik behalten soll. Quelle: Thomas Kube
Parthenstein/Pomßen

Ursprünglich sollte nur der Giebel des Heimathauses Pomßen auf der Wetterseite, also nach Westen hin, saniert werden. Doch dann fällte die Gemeinde eine folgenschwere Entscheidung: Wenn einmal Hand angelegt wird, müsste rundum gleich alles in Schuss gebracht werden. Eins kam zum Anderen, die Kosten kletterten nach oben. Jetzt neigen sich die Arbeiten, die im vergangenen August begannen, dem Ende zu.

Vom Holzwurm angefressene Teile des Fachwerks sollten ausgewechselt, die Lehmausfachungen neu ausgemauert werden. Alles in allem überschaubar aus anfänglicher Sicht. Es folgte die Ernüchterung. Als die Handwerker im Inneren Verkleidungen der Deckenbalken entfernten, wurde auch an tragenden Elementen eine Schädigung durch Hausbock und Nagekäfer erkennbar. Holzmehlhäufchen im Spitzdach ließen vermuten, dass die Dachsparren ebenso angegriffen sind.

Vom Holzwurm befallene Teile ausgetauscht

„Alle befallenen Teile wurden ausgetauscht“, erklärt Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos). „Von einem Querbalken der Decke, auf dem andere Balken aufliegen, wurden die schadhaften Stellen abgebeilt. Er wurde seitlich verstärkt, so dass seine Tragfähigkeit garantiert ist.“ Zwei der aufliegenden Balken mussten komplett getauscht werden, andere wurden neu angeschuht. Damit gelten die Zimmerdecken des Erdgeschosses wieder als sicher.

Verhüllt: So sieht das Heimathaus seit dem vergangenen Sommer aus. Nach Sanierungsabschluss soll es in der gewohnten Zweiteilung neu erstrahlen: unten Bruchsteinmauer, darüber Fachwerk. Quelle: Thomas Kube

Der erste Stock besteht aus Fachwerkwänden. Jene, die im Innern die Räume voneinander abtrennen, wurden in traditioneller Art frisch ausgesetzt. Die Handwerker zogen Holzstaken ein, die ein Stroh-Lehm-Gemisch tragen.

Lehmziegel eingesetzt

Das Ständerbauwerk der Außenwände musste nicht nur in geringem Umfang, sondern größtenteils erneuert werden. „Es wurde neu mit Lehmziegeln ausgesetzt. Innen wird jetzt schichtweise ein Lehmdämmputz aufgetragen, so dass wir glatte Wände haben“, erläutert Kretschel. „Nur bei einem Raum habe ich darauf bestanden, dass das Fachwerk sichtbar bleibt. Dort soll in einer Ausstellung das ländliche Leben gezeigt werden, da passt die historische Optik besser.“

Von außen her wird das Fachwerk, wie gewohnt, rundum zu sehen sein. Dort wird gegenwärtig ein Kalkputz aufgetragen. Als Träger dient Streckmetall, das vorher befestigt worden war.

Entwarnung beim Spitzdach

Einzig beim Spitzdach konnte Kretschel aufatmen – die Schädlinge, die ihre Häufchen hinterlassen hatten, waren schon abgestorben. „Der Befall stellte sich als ungefährlich heraus“, sagt der Bürgermeister. „Es musste nur wenig Holz ausgewechselt werden.“

Sanierung kostet mehr Geld

Die Endrechnung wird trotzdem happig. Von 150 000 Euro war das Planungsbüro zunächst ausgegangen. Daraus werden voraussichtlich 250 000 Euro. Die 80-prozentige Förderung durch das europäische Leader-Programm ließ sich nicht nachträglich erhöhen, so dass Parthenstein die 100 000 Euro Mehrkosten selber tragen muss. „Da es sich um eines der wenigen noch bei uns bestehenden Fachwerkhäuser handelt, sollte es uns das wert sein“, meint Kretschel.

Fertigstellung verzögert sich

Der Fertigstellungstermin verzögert sich nach seinen Worten um vier Wochen auf den 31. Juli. „Der Lehm hat nun einmal lange Trocknungszeiten“, begründet er. „Hinterher wollen wir noch das Gebäude säubern und Außengelände herrichten, so dass Ende August der gesamte Dorfplatz in Schuss sein sollte.“

Heimatverein wartet aufs Einräumen

Sobald das Okay kommt, will der Geschichts- und Heimatverein Pomßen das Gebäude mit allen zwischengelagerten Gegenständen und Materialien einräumen. „Dafür brauchen wir mindestens einen Monat“, sagt der Vorsitzende, Wolfgang Kretzschmar. Eine Fahne des Turnvereins von 1886 lässt er noch in Plauen restaurieren, sie soll zur Eröffnung möglichst hängen. Ihm schwebt vor, bis zum Weihnachtmarkt alles soweit zu haben.

Nach seiner Auskunft handelt es sich um eines der ersten größeren Gebäude im Ortskern von Pomßen. Wahrscheinlich stamme es aus dem 17. Jahrhundert. Es steht gegenüber der Wehrkirche.

Von Frank Pfeifer

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