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Grimma Highlandgames: Trebsen und Blackford planen Partnerschaft
Region Grimma Highlandgames: Trebsen und Blackford planen Partnerschaft
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16:14 22.11.2018
Jedes Jahr werden in Trebsen die Highland Games gefeiert. Dabei geht es naturnah und urwüchsig zu. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen

Einen passenderen Namen könnte Trebsens Schlossherr gar nicht haben: Rockstroh. Wenn bei ihm alljährlich Deutschlands größtes schottisches Event gefeiert wird, erscheint er im Schottenrock und wuchtet den Strohsack. Damit nicht genug: Der britische Botschafter ist offizieller Schirmherr. Die blau-weiße Trebsen-Fahne weht neben der blau-weißen Schottenflagge. Es gibt Whisky und Haggis. Baumstämme fliegen, Dudelsäcke tönen.

Eigentlich ein Wunder, dass in der kleinen Stadt an der Mulde noch immer kein Linksverkehr herrscht. Im nächsten Jahr steigt in Trebsen die 20. Auflage der Internationalen Talisker Highland Games. Vom 13. bis 15. September haben sich einmal mehr tausende Besucher angesagt. Hotels und Pensionen werden gut gebucht sein. Mit Falknershow, Schafe hüten und Militärtänzen sucht das Spektakel selbst auf der Insel seinesgleichen.

Offizielle Informationen im Stadtrat von Trebsen

Womöglich schafft es der knapp 4000-Seelen-Ort nun sogar auf die Titelseiten solch renommierter angelsächsischer Gazetten wie Times, Observer oder Daily Mirror: Während die Insel im Zeitalter des Brexit immer weiter vom Kontinent weg driftet, bahnt sich in Trebsen eine zarte Annäherung an: Die sächsische Kommune und die schottische 1000-Einwohner-Gemeinde Blackford am Fuße der Highlands wollen eine Städtepartnerschaft eingehen.

Wenn alles gut läuft, soll diese im Herbst im Rahmen der Trebsener Schottenspiele besiegelt werden. Bürgermeister Stefan Müller (CDU) wird dazu am Montag erstmals öffentlich Stellung nehmen. Auf der Ratssitzung informiert er zunächst über die Gründung eines Partnerschaftskomitees.

Uwe Schimmel (r.) ist bekennender Schottland-Fan. Er gilt als der Vater der Highland Games in Trebsen. Quelle: Frank Schmidt

Zu den diesjährigen Highland Games weilten Alexandra Stein und Sarah Beddoes von der Schottischen Regierungsvertretung in Trebsen. Sie übergaben Ortschef Müller ein Schreiben der Kommune Blackford – etwa auf halber Strecke zwischen Glasgow und Edinburgh gelegen. Darin teilte Janet Law mit, dass der dortige Gemeinderat im August entschieden habe, mit Trebsen in Verbindung zu treten.

Kommentar: Cheers, auf gute Nachbarschaft

Als die Briten mehrheitlich für den Austritt aus der EU stimmten, hisste Schafzüchter Henry Seifert auf dem Trebsener Kirschberg erfreut den Union Jack. Damit wollte er den Freunden von der Insel symbolisch gratulieren. Sie hätten die richtige Entscheidung getroffen, würden demnächst all die Gängelungen der EU-Bürokratie abschütteln. Der Züchter vom Trebsener Kirschberg war der Erste in der EU, der Schafe mit einem Privatjet einfliegen ließ – die seltene Rasse Blue Faced Leicester aus Wales. Überhaupt ist er gern und oft auf der Insel.

Wie man auch immer zum Brexit stehen mag – er sollte die gewachsenen und noch entstehenden Bindungen zwischen Sachsen und Angelsachsen nicht kappen. Trebsen, die deutsche Hochburg der Highland Games, geht mit gutem Beispiel voran. Während die große Politik gerade die mit einem möglichen Austritt verbundenen Spielregeln festzulegen sucht, bemüht sich die kleine Stadt an der Mulde um einen Partner in Schottland. Die Annäherung ist weit gediehen. Da auch Blackford bekannter Ausrichtungsort von Highland Games ist, wächst zusammen, was zusammen gehört. Vor allem, weil die Schotten ja ohnehin gegen den Brexit votierten.

Ob sie nun in der EU bleiben oder nicht – an seiner Sympathie für die Briten werde sich nichts ändern, sagt Schafzüchter Seifert. Seine Rennschafe von der Insel werden auch im nächsten Jahr wieder im Scheibenholz um die Wette laufen. Möglicherweise sogar bei den Highland Games. Von Trebsen und der dann vielleicht vollzogenen Städtepartnerschaft könnte eine Art Fanal ausgehen. Motto: Sollen die sich da oben doch auseinander dividieren – wir hier unten rücken zusammen und stoßen auf gute Nachbarschaft an – mit Haig Scotch Whisky!

Das Gremium habe bereits Kontakt zu Organisationen und Unternehmen aufgenommen – mit dem Ziel, eine Steuerungsgruppe für die Städtepartnerschaft zu bilden. Zahlreiche positive Rückmeldungen lägen unterdessen vor. Ausdrücklich erwünscht sei die Mitarbeit des Elternbeirats, um auch einen Schüleraustausch mit Trebsen anzubahnen.

Lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung

Der Wunsch der Trebsener nach einer Partnerstadt in Schottland ist nicht neu. Immer wieder streckte die deutsche Hochburg der Schottenspiele ihre Fühler aus. Die Suche gestaltete sich jedoch schwierig: „Die Schotten kontaktierten in Deutschland jene Orte als mögliche Partner, in denen eigene Soldaten stationiert sind – in dieser Hinsicht ist der Markt gesättigt“, sagt Bürgermeister Müller. Und genau hier kam Uwe Schimmel ins Spiel.

Die Flagge der Stadt Trebsen hat dieselben Farben wie die schottische Flagge. Quelle: Frank Schmidt

Mit Zustimmung des Stadtrates ergriff er 2016 die Initiative. Als Cheforganisator der Trebsener Schottenspiele und Mitglied des Rittergutsvereins schaltete er zuletzt gar die britische Botschaft in Berlin ein. Mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt: „Ich bin überglücklich, dass Blackford ernsthaft interessiert ist. Der Ort passt gut zu uns. Dort steigen auch regelmäßig Highland Games.“ Der Vater der Schottenspiele macht Trebsens Ortsgewaltigen ein Riesenkompliment: „Der Stadtrat steht hinter uns, marschiert bei jeder Eröffnung der Highland Games mit ein. Das ist nicht selbstverständlich.“

Schimmel ist Schottland-Fan. Seit der Wende fährt er mit seiner Frau Steffi jedes Jahr auf die Insel: „Wir lieben den Folk, der mindestens so schnell ins Blut geht wie der Whisky.“ Natürlich habe er einen Dudelsack, verrät Schimmel. Wie heißt es so treffend: „Die ersten sieben Jahre lernt man Dudelsackspielen, dann fängt man an, Dudelsackspielen zu lernen.“

Von Haig Latchinian

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