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Grimma Im Jagdhaus Kössern jagt eine Veranstaltung die andere
Region Grimma Im Jagdhaus Kössern jagt eine Veranstaltung die andere
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00:36 27.04.2018
Im prachtvollen Saal des Jagdhauses Kössern: Vereins-Geschäftsführerin Ute Wächtler (l.) und Kulturorganisatorin Siri Köppchen am Flügel.
Im prachtvollen Saal des Jagdhauses Kössern: Vereins-Geschäftsführerin Ute Wächtler (l.) und Kulturorganisatorin Siri Köppchen am Flügel. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma/Kössern

26 Veranstaltungen, 1500 Konzertbesucher und 4500 weitere Gäste im barocken Kleinod – das Management des Jagdhauses Kössern ist zufrieden mit dem zurück liegenden Jahr. Zumal der Reigen seit den umfangreichen Sanierungsarbeiten, die 2014 begannen, erstmals wieder ohne größere Bau-Beeinträchtigungen über die Bühne gehen konnte. Von Gunther Emmerlich bis zu den Dresdner Salondamen, von der Wanderung bis zum Apfeltag – „es war ein abwechslungsreiches Programm mit einer großen Nachfrage“, freut sich Geschäftsführerin Ute Wächtler. Die 59-Jährige ist mit Kulturorganisatorin Siri Köppchen (54) beim Jagdhaus-Verein fest angestellt und weiß noch zwei Bundesfreiwillige an ihrer Seite.

Die Veranstaltungen bis Juni

10. Februar, 17 Uhr: „Von Dvořák bis Piazzolla“ – Trio Karageorgieva tritt auf.

24. Februar, 17 Uhr: „Das Beste kommt jetzt“ – musikalische Kabarett Revue mit Sachsendiva Katrin Troendle und Jan Mareck am Piano.

10. und 11. März, je 15 Uhr: „Chanson Fatale“ – Musikcafé zum Frauentag. Gesang, Spiel und Show mit Krisztin und Konstantin Nazarov.

30. März, 17 Uhr: „Komponistinnen“ – Klavierabend mit Kyra Steckeweh.

22. April, 17 Uhr: Filmmelodien im Jazz mit Heike Hoch, Torsten Kahle und Torsten Walther.

25. April, 9.30 und 11 Uhr: „Peter und der Wolf“ – Schülerkonzert mit dem Leipziger Symfonieorchester.

28. April, 17 Uhr: „Komm lieber Mai und mache“ – junge Musiker des centrum musicum und Gäste musizieren

29. April, 14 Uhr: Frühlingswanderung „Auf den Spuren der Waldhutung“. Unterwegs im Thümmlitzwald.

13. Mai, 17: Uhr: „Aus den Briefen der Madame Pompadour“ – Ines Hommann singt und liest, am Klavier begleitet von Cristina Alles Dopico.

27. Mai, 17: Uhr: „Beethoven und Spanien“ - die Violinsonaten Ludwig van Beethovens. Ein Konzertzyklus mit Kathrin ten Hagen und Alexander Meinel.

17. Juni, 17 Uhr: „Ein Koffer voller Sommernachtstraum“ – Shakespeares Verwechslungskomödie, bearbeitet von Franz Fühmann, verquickt mit der romantischen Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy.

In zwei Bauabschnitten stand 2014 bis 2016 die Erneuerung von Dach und Fassade des Barock-Baus ebenso auf der Agenda wie die Verlagerung der Gasheizung und die Erfüllung von Brandschutz-Auflagen. 2017 waren noch zehn neue Fenster im Erdgeschoss eingebaut worden. „Die Stadt Grimma als Eigentümer tut ihr Möglichstes“, ist Wächtler sehr dankbar. In diesem Jahr sind aber erst mal keine Bautätigkeiten vorgesehen. Dabei ist die Wunschliste des im Jahr 2000 gegründeten Vereins, der mit der Kommune einen Nutzungsvertrag abgeschlossen hat, weiter gut gefüllt. Ein dritter, noch nicht geplanter Bauabschnitt werde die Öffnung der Eingangshalle umfassen, erläutert Wächtler. Damit soll wie früher ein großzügiger Zugang zum 7600 Quadratmeter großen Garten gelingen, in dem an 70 Bäumen 30 verschiedene Apfelsorten wachsen. Im Sanitärbereich sei einiges zu tun, weiß die Geschäftsführerin. Auch Elektroanlagen und Heizkörper seien irgendwann fällig. Die gusseisernen Rohre stammen noch aus den 1960er-Jahren, als das Gebäude vor dem Verfall gerettet wurde. Und dann ist da noch der Traum von einem Aufzug. „Unsere Stammgäste sind etwas älter, Barrierefreiheit ist eine legitime Forderung für so ein Veranstaltungshaus“, verdeutlicht Wächtler. Der prächtige Saal, der bis zu 100 Besucher fasst, befindet sich im Obergeschoss.

Hier soll auch im neuen Jahr das Leben pulsieren. Das um 1709 errichtete Jagdhaus wartet mit insgesamt 24 Veranstaltungen auf, die laut Kulturorganisatorin Köppchen „eine große Bandbreite“ abdecken und für Jung und Alt etwas bieten. Ein neuer Akzent ist am Karfreitag unter dem Titel „Komponistinnen“ ein rein weiblicher Klavierabend. Kyra Steckeweh spielt Werke von Frauen. So richtig hervorheben möchte Köppchen eigentlich nichts aus dem Programm. Jede Veranstaltung habe ihren Reiz. Dann wirbt sie aber doch schon jetzt für das Musikcafé zum Frauentag oder „Peter und der Wolf“ im April mit dem Leipziger Sinfonieorchester. Junge Musiker stehen bei den Konzerten des Centrum Musicum und der Stiftung Elfrun Gabriel vor dem Publikum. Köppchen, eine gelernte Grafikerin, freut sich auch schon auf das Shakespeare-Theater.

Wichtig für den Verein sind auch private Vermietungen. Neben den 14 000 Euro aus dem Kulturraum-Topf, die 2018 in Aussicht gestellt sind, generieren sie wichtige Einnahmen, um das Programm zu stemmen und das Haus mit Leben zu füllen. Im vorigen Jahr gab es elf große Privatvermietungen. Dreimal steckten sich nach dem Ja-Wort im Standesamt Brautpaare im Jagdhaus noch einmal den Ring auf den Finger. Wächtler spricht von „freien Trauungen“. Die Zeit als Außenstelle des Grimmaer Standesamtes endete für das Jagdhaus im Jahr 2014.

„Es ist eine der schönsten Arbeitsstellen im Muldental“, ist die gelernte Buchhalterin Wächtler glücklich über ihren Job. Es mache immer Spaß, wenn die Gäste zufrieden nach Hause gehen und gleich das nächste Konzert buchen. In der Saison von Ostern bis zum Tag der Einheit lädt das Jagdhaus mit seiner Touristinformation im Foyer übrigens jeden Tag zum Verweilen ein. Da öffnet es wochentags von 9 bis 15 Uhr, an den Wochenendtagen von 10 bis 17 Uhr.

Von Frank Prenzel