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Grimma In Grimma: Burdukat zieht sich als Sozialarbeiter zurück
Region Grimma In Grimma: Burdukat zieht sich als Sozialarbeiter zurück
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14:52 28.08.2019
Tobias Burdukat vor der Alten Spitzenfabrik in Grimma, wo sich das Dorf der Jugend etabliert hat. Als Sozialarbeiter wirkt er hier nicht mehr. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Tobias Burdukat ist – wenn man so will – nicht mehr das Gesicht des Grimmaer Dorfes der Jugend. Der 36-Jährige hat die Sozialarbeiter-Stelle an Carolyn Reg’n (29) abgegeben und kümmert sich zunächst auf einer über Spenden finanzierten 20-Stunden-Stelle um die baulichen Aspekte der Alten Spitzenfabrik. Es sei eine emotionale Entscheidung gewesen, meint Burdukat. Knackpunkte waren offenbar die Ablehnung zusätzlicher Sozialarbeiter-Stellen und das Gezerre um die Anerkennung des Fördervereins für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit als freier Träger der Jugendarbeit. Der Verein ist seit Jahren Träger des Grimmaer Projektes, das Burdukat ins Leben gerufen hat.

Carolyn Reg'n (Mitte), hier flankiert von den Mitwirkenden Celine Radvan und Arne Siegel, ist die neue Sozialarbeiterin im Dorf der Jugend in Grimma, das sich in der Alten Spitzenfabrik etabliert hat. Quelle: Frank Prenzel

Burdukat wird deutlich. „Ich möchte mich nicht länger an den gleichen Personen und Problemlagen abarbeiten“, sagt er mit Blick auf Politiker und Behörden. Er verabschiede sich von Grimma und dem Landkreis, aber nicht vom Konzept für Jugendarbeit im ländlichen Raum. Auf der Homepage des Dorfes der Jugend beklagt der 36-Jährige in einem Statement den steten Kampf „gegen Widerstände innerhalb der offenen Kinder- und Jugendarbeit, der sozialen Arbeit und besonders der Verwaltungen, die schlussendlich auch die Finanzierung unserer Arbeit immer wieder aufs Neue gefährden“.

Burdukat will Grimma und dem Landkreis den Rücken kehren

Zuletzt sei er immer mehr vom Glauben abgefallen, bekennt Burdukat, der von einer persönlichen Enttäuschung und fehlender Wertschätzung seines Einsatzes spricht. Nicht nur einmal habe er sich gefragt, ob über offene Jugendarbeit in Grimma geredet werde oder darüber, wem er nicht passe, sagt der Mann, dessen linke politische Gesinnung kein Geheimnis ist.

Grimma und dem Landkreis will Burdukat eines Tages den Rücken kehren. Zumal er im Dorf der Jugend das Ziel erreicht zu haben glaubt. Dort sei sein pädagogisches Konzept der selbst verwalteten, offenen Kinder- und Jugendarbeit im ländlichen Raum Realität geworden. Ein Konzept, das überall umsetzbar sei.

Spiritus Rector des Dorfes will Wissen vermitteln

Burdukat alias Pudding möchte sein Wissen künftig stärker als bisher weitergeben und auch wissenschaftlich arbeiten. So will der studierte Sozialarbeiter seinen Master nachholen und denkt an weitere Lehraufträge wie schon jetzt an der Hochschule Mittweida. Er erhalte ständig Anfragen aus dem In- und Ausland, im Rahmen von Weiterbildungen über Jugendarbeit im ländlichen Raum zu reden, sagt Burdukat. Ein Feld, das er vermutlich intensiver beackern wird. Auch bei der Ausbildung von Sozialarbeitern gebe es ein „großes Defizit“.

Optiken vom Dorf der Jugend in Grimma in der Alten Spitzenfabrik. Quelle: Frank Prenzel

Sein Erbe im Dorf der Jugend sieht Burdukat in guten Händen. Mit Carolyn Reg’n hat zum 1. Juni eine junge Frau die vom Jugendamt finanzierte Sozialarbeiter-Stelle übernommen, die das Projekt und die Prozesse bereits kennt.

Neue Sozialarbeiterin ist in Sachsen groß geworden

Im nordrhein-westfälischen Olpe geboren, lebt Reg’n seit ihrem vierten Lebensjahr in Sachsen und ist in Leisnig aufgewachsen. Sie legte ein Fachabitur Wirtschaft ab und studierte an der Hochschule Mittweida Sozialarbeit mit Bachelor-Abschluss. Während des Studiums sammelte sie im Döbelner Treibhaus-Verein Erfahrung in der Migrationsberatung und absolvierte im Dorf der Jugend ihr fünfmonatiges Praxisseminar.

Nach dem Studium ist es nun Reg’ns erster hauptamtlicher Job in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Sie habe in den ländlichen Raum gewollt und könne sich hier komplett entfalten, freut sich die 29-Jährige, die inzwischen in Leipzig wohnt. Im Gegensatz zu Burdukat sehe sie sich aber nicht als Teil der Gruppe im Dorf der Jugend.

Blick auf die Alte Spitzenfabrik in Grimma. Quelle: Frank Prenzel

Kern des Projekts ist die Aktivität von Jugendlichen für Jugendliche. Die Neue werde Burdukats Idee fortführen, bringe aber ihre eigene Handschrift ein, betont sie. „Dazu habe ich eine eigene Fachkraft-Konzeption erarbeitet.“ Ihre pädagogische Arbeit bespreche sie mit den Jugendlichen im Plenum. Und sie wolle jene, die im Dorf eher konsumieren, zum Mitgestalten ermutigen.

Ausgang der Landtagswahl ist „Glatteis“

Reg’n schwebt einiges vor, doch sie gesteht, erst mal nur bis zum Ende des Jahres zu planen. Den Ausgang der Landtagswahl bezeichnet sie als „Glatteis“. Bekanntlich ist der AfD das Dorf der Jugend ein Dorn im Auge, die Partei stellt die Finanzierung in Frage. Gewinnt sie an Einfluss, sind andere Stellschrauben möglich. Reg’ns 30-Stunden-Stelle ist zunächst nur bis zum Jahresende gesichert.

Von Frank Prenzel

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