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Grimma Jesewitzerin baut Schule in Kenia
Region Grimma Jesewitzerin baut Schule in Kenia
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10:09 22.08.2018
Simone Weinert (3.v.l.) macht sich in Kenia für eine Schule für Vorschulkinder stark. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Jesewitz

Als die Oberschule im Grimmaer Ortsteil Böhlen kurz vor den Sommerferien ihr Schulfest feierte, trat auch Simone Weinert ans Mikrofon. Der 55-Jährigen war es ein Herzensbedürfnis, den Kindern und Eltern Danke zu sagen für eine 300-Euro-Spende und bat um weitere Hilfe. Das Geld, beim letzten Weihnachtsmarkt der Bildungsstätte gesammelt, ist längst an seinem Bestimmungsort – tausende Kilometer entfernt. Denn Simone Weinert macht sich im fernen Kenia in privater Initiative für eine Schule stark. Am Samstag sitzt sie wieder im Flieger, um zu helfen.

Liebe zu Kenia vor 25 Jahren entdeckt

Vor 25 Jahren entdeckte Simone Weinert ihre Liebe für das ostafrikanische Land, als sie dort zum ersten Mal mit ihrer Familie Urlaub machte. Weinert, die in Thallwitz aufwuchs, hier zur Schule ging und später Heimerzieherin studierte, berührte schon beim ersten Aufenthalt die Armut der Dorfbevölkerung. Spontan ließ sie einige Kleidungsstücke ihrer Kinder zurück. Und bei den Kenia-Reisen von 1994 bis 1997 hatte sie stets Kleidung und kleine Dinge für den Unterricht im Gepäck und schenkte alles den Kindern ihres Urlaubsdorfes.

Kenianerin betreut 32 Waisenkinder in einer Lehmhütte

Nach einigen privaten Umbrüchen steuerte Simone Weinert erst im Jahr 2013 Kenia wieder an. Sie wollte das schöne Land ihrer jüngsten Tochter zeigen. Und von nun an gewann ihre Hilfe eine neue Dimension. Weinert, die seit 2000 im nordsächsischen Jesewitz lebt und hier als Kita-Erzieherin arbeitet, sammelte fortan Spenden und nahm das Geld mit auf die lange Reise. So kaufte sie in ihrem angestammten Urlaubsort Watamo Lebensmittel für eine Frau, die sich um sage und schreibe 32 Waisenkinder kümmert und sie ernährt. Die vielköpfige Familie haust in einer Lehmhütte mit Wellblech. „Die Frau habe ich über einen Österreicher kennengelernt, der in Kenia Schulen baut“, erzählt Simone Weinert. Der Österreicher heißt Josef Schöbel und organisiert Hilfstransporte. Einen seiner Container bestückte 2015 auch die Jesewitzerin, nachdem sie in ihrem Heimatort Betten, Rollstühle und Sportkleidung gesammelt hatte.

Die Grundmauern der Schule wurden in wenigen Tagen errichtet. Später kam das Wellblechdach drauf. Quelle: privat

Weinert hält Reisevorträge und sammelt Spenden

Seit jenem Jahr jettet Simone Weinert zweimal jährlich nach Kenia – stets mit gesammelten Geld in der Tasche. Mit Freundinnen bastelt und verkauft sie Weihnachtsgestecke, hält Reisevorträge vor Senioren und freut sich über jede Summe, die ihr zugesteckt wird. Denn sie weiß: In Kenia lässt sich mit wenigen Euro viel erreichen.

Ein Kenianer ist Simone Weinert in Watamo besonders ans Herz gewachsen: der jetzt 50-jährige Kellner William Katana, den sie seit ihrem ersten Besuch kennt. Als in dessen Heimatdorf Bustani eines Tages die aus Stöcken und Wellblech bestehende Schule in sich zusammen brach, kam der dreifachen Mutter die Idee, für eine neue Schule der drei- bis sechsjährigen Vorschulkinder zu sorgen. „Es war die Initialzündung“, sagt die 55-Jährige. Seitdem ließ sie der Bau nicht mehr los.

Für 1000 Euro standen die Grundmauern

Stück für Stück nahm ihre Vision Gestalt an. Im Januar 2017 reiste Simone Weinert mit 1000 Euro an den Äquator, Geld, das für die erste Bauphase verwendet wurde. Stein für Stein wuchs der 70-Quadratmeter-Raum auf dem Grundstück von Katanas Vater in die Höhe. „Wir kamen in jenen Tagen bis zur Dachkante“, so Weinert. Dann sei das Geld für Baumaterial und Lohn alle gewesen. Doch noch im gleichen Jahr konnte der Bau fortgesetzt werden, als Weinert mit 1500 Euro zu ihrer nächsten Reise aufbrach. „Da kam dann auch das Wellblechdach drauf“, freut sie sich. Komplettiert wurde die kleine Privatschule in diesem Februar, als Innenausbau, Fenster, Tür und Schulbänke folgten. „Wir kauften auch Schuluniformen und Geschirr“, erzählt die Jesewitzerin. Alles in allem habe das Projekt etwa 5000 Euro gekostet.

Die Jesewitzerin Simone Weinert hat Spendengelder gesammelt und damit in einem Dorf in Kenia eine Schule für Vorschulkinder bauen lassen. Quelle: privat

Dorfbewohner benennen Schule nach Simone Weinert

Als sie eingeweiht wurde, schlachteten die Bewohner zur Feier des Tages eine Ziege und reichten das Fleisch mit Reis. Lieder wurden gesungen, Hefte und Stifte verteilt. Das Schulhaus trägt Weinerts Namen. „Dorothea Simone Bustani Nursery School“ steht in grünen, schwarzen und roten Lettern am Giebel. Und: „Children are Hope“ – Kinder geben uns Hoffnung. Auf diesen Spruch hat die Jesewitzerin bestanden, denn er spricht ihr aus der Seele. 35 Vorschulkinder saßen in den ersten Tagen in den Bänken der kleinen Privatschule. Jetzt sind es schon 75. Sie werden jeden Vormittag von Montag bis Freitag nach Lehrplan unterrichtet. Ein Problem indes ist die Bezahlung der zwei Lehrerinnen. Momentan begnügen sie sich mit dem, was die Eltern entbehren können.

Die Mission ist noch nicht zu Ende

Simone Weinert spuken deshalb schon die nächsten Pläne im Kopf. Ihr schwebt vor, auf dem Grundstück einen Brunnen bohren zu lassen und die Schule zu erweitern. Mit dem Verkauf des Wassers, sagt sie, könnte man den Lohn der beiden Lehrerinnen aufbringen – je 150 Euro im Monat. Allerdings kostet so ein Brunnen rund 3500 Euro. Deshalb freut sich Weinert über jede Spende und auch Angebote, über ihr Projekt und ihre Erlebnisse zum Beispiel bei Seniorentreffs zu sprechen. So wie unlängst im Lossataler Ortsteil Falkenhain.

Kontakt zu Simone Weinert ist per Handy (0173/5962305) und per E-Mail (momo62@web.de) möglich.

Von Frank Prenzel

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