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Grimma Kein sicherer Weg von Mark Ottenhain nach Geithain
Region Grimma Kein sicherer Weg von Mark Ottenhain nach Geithain
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16:01 17.12.2018
Ein Rad- und Fußweg zwischen Mark Ottenhain und Geithain fehlt. Für Radfahrer ist die Straße sehr gefährlich.
Ein Rad- und Fußweg zwischen Mark Ottenhain und Geithain fehlt. Für Radfahrer ist die Straße sehr gefährlich. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzen sich Anwohner des Geithainer Ortsteils Mark Ottenhain für einen Fuß- und Radweg entlang der die Siedlung zerschneidenden Staatsstraße ein. Gefährdet durch den Verkehr auf der viel befahrenen Straße sehen sich ebenso die Eigenheim-Bewohner am Kanonenberg.

Zwar will die Stadt 2019 einen ersten Abschnitt vom Bahnhof her bauen, doch eine grundsätzliche Lösung des Problems liegt in weiter Ferne. Das frustriert. Umso mehr, da das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) auf LVZ-Nachfrage bestätigt: „Auf absehbare Zeit“ bestehe keine Möglichkeit, den Weg zu bauen.

Kampf für einen Fußweg an der Colditzer Straße seit über 20 Jahren

„Wir kämpfen schon seit über 20 Jahren für den Bau eines Fuß- und Radweges entlang der Colditzer Straße“, sagt Ingeborg Pehnert. Seit 23 Jahren wohnt sie mit ihrer Familie am Kanonenberg. „In dieser Zeit ist eine Generation groß und eine alt geworden. Auch wir benötigen sehr dringend diesen Weg, den jetzt das Wohngebiet Am Südhang bekommt.“ Den Südhang habe es damals noch nicht gegeben, so Pehnert. Ihre Kritik: „Wo war die Mühe der Stadt vorher?“

Die Einwohner jedenfalls müssen sich nicht vorwerfen, nichts unternommen zu haben. 2001 etwa haben sie dem damaligen Bürgermeister eine Petition mit 68 Unterschriften übergeben. Die Forderung: endlich einen Weg bauen, ehe jemand tödlich verunglückt. 2004 berichtete die LVZ, die Planung sei in Arbeit, doch es fehle an Geld für den Bau.

Als die Fertigstellung der Autobahn 72 in der Region näher rückte, kam das Thema 2007 erneut auf den Tisch. Auch 2012 und 2014 habe man im Rathaus vorgesprochen und Druck gemacht – ohne echtes Ergebnis.

Radweg von Mark Ottenhain nach Colditz nicht wichtig

In der Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen rangiert ein Radweg an der Staatsstraße 44 in der Klasse C, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert. Das bedeutet: „Kein Bedarf.“ Grundlage dieses Urteils ist die Ausbau- und Erhaltungsstrategie Staatsstraßen 2030, für die das gesamte überörtliche Netz analysiert worden sei. „Für den betreffenden Bereich wurde grundsätzlich ein Ausbaubedarf festgestellt, allerdings nur in der letzten Priorität 3.

Zwischen Ottenhain und Geithain gibt es keinen Rad- und Fußweg - das könnte auch erst einmal so bleiben. Quelle: Jens Paul Taubert

Diese nachrangige Priorität bedeutet, dass dafür kein Planungsrecht besteht. Somit bestehen derzeit keine absehbaren Möglichkeiten, mit Planungen zum Ausbau des Straßenabschnittes der S 44 zu beginnen.“

Verkehrsdichte hat zugenommen an der Colditzer Straße

Das stößt auf Unverständnis. „Die Colditzer Straße geht zur B 7 und ist Zubringer zur Autobahn. Die Verkehrsdichte ist in den letzten Jahren sehr angestiegen“, so Pehnert. „Als Fußgänger hat man kaum eine Chance, wenn zwei LKWs aneinander vorbeifahren.“ Noch problematischer sei es mit einem Kinderwagen oder per Fahrrad. An die Adresse des Rathauses und des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr sagt sie: „Wir bitten Sie, unserem Anliegen eine hohe Priorität zu geben. Es muss nicht erst jemand zu Schaden kommen.“

Kommentar: Nach Geithain geht kein Weg rein

Wer in den Nachwende-Jahren mit der Familie in der Geithainer Kanonenberg-Siedlung heimisch wurde, hatte die Hoffnung, ein Fuß- und Radweg entlang der nach Geithain hinein führenden Straße würde den Schulweg der Kinder sicherer machen. Inzwischen sind diese Kinder aus dem Haus.

Inzwischen steht die Frage, wie man selbst im Alter nicht motorisiert unbeschadet in die Stadt zum Einkauf oder ins Ärztehaus kommt. Der Stadtteil Mark Ottenhain liegt ungleich näher am Stadtzentrum. Für die, die nicht das Auto nutzen, ist er weiter entfernt als etwa Syhra. Ein Zustand, an dem sich trotz des Vierteljahrhunderts, das ins Land ging, absehbar nichts ändert.

Staatsstraßen sind keine Flaniermeilen. Das versteht sich wie die Tatsache, dass nicht allerorten zugleich gebaut werden kann. Doch gleich ist eine Vokabel, die in diesem Geithainer Zusammenhang keiner in den Mund nimmt. Die Verärgerung des Teil der Bürgerschaft, die j.w.d. ist, also janz weit draußen, ist verständlich. Nachvollziehbar auch, dass es ihnen egal ist, wo die Verantwortung für diese Situation liegt.

Wenn die Stadt jetzt die ersten paar Hundert Meter des Weges in Eigenregie bauen will, ist das ein erster Schritt und hilft den Menschen in der neuen Siedlung Südhang. Der große Wurf ist weder das noch die Markierung, die die Stadt in Richtung Mark Ottenhain aufbringen lassen will. Nachdem sich unter seinen Amtsvorgängern überhaupt nichts Zählbares tat, will Bürgermeister Frank Rudolph jetzt ein Zeichen setzen. Die Skepsis der Staatsstraßen-Anlieger verflüchtigt sich damit nicht. Sie glauben, was sie sehen.

e.schulreich@lvz.de

„Dass die Colditzer Straße gefährlich ist für Fußgänger und Radfahrer, das ist uns bewusst. Ich werde versuchen, das Problem in meiner Amtszeit zu lösen“, entgegnet Frank Rudolph (UWG), seit drei Jahren Stadtoberhaupt.

Verkehr in der Colditzer Straße könnte zunehmen

Mit dem Landesamt, das verantwortlich für die Staatsstraße sei, befinde er sich regelmäßig in Kontakt. 2019, wenn das Landesamt die Eisenbahnstraße in Geithain komplett sperre, um sie auszubauen, dürfte der Verkehr in der Colditzer Straße noch einmal zunehmen. „Deshalb machen wir endlich einen Anfang, auch wenn es nur bis zum Südhang ist.“

Von dort bis nach Mark Ottenhain wolle das Landesamt zumindest mit Hilfe einer Markierung einen Streifen von der Fahrbahn für Fußgänger abtrennen, bis baulich etwas Grundsätzliches gemacht werde, so Rudolph: „Das ist keine wirkliche Lösung, aber immerhin hatten wir uns darauf verständigt.“ Um einen Weg neben der Straße zu trassieren, müsste der Gartenverein auf einen Streifen gepachteten Landes von der Kommune verzichten.

Von Ekkehard Schulreich